Brasilien könnte schon im Oktober wieder Geflügelfleisch in die EU liefern

30 September 2026
Absatz
Geflügelfleisch

Brasilien könnte schon bald wieder Geflügelfleisch in die EU liefern. Ein Audit der EU-Kommission fällt positiv aus. Jetzt müssen noch die Mitgliedstaaten zustimmen. Eine erste Entscheidung könnte bereits im Oktober fallen.

Brasilianisches Geflügelfleisch könnte bald wieder auf den europäischen Markt kommen. Die EU-Kommission hat am 28. September einen Prüfbericht veröffentlicht, der den Weg für eine Wiederaufnahme der Importe ebnen könnte. Auch brasilianischer Honig könnte wieder in die Europäische Union gelangen.

Nach Einschätzung der EU-Prüfer kann Brasilien sicherstellen, dass bei Geflügelfleisch und Honig, die für den EU-Markt bestimmt sind, keine Antibiotika zur Leistungssteigerung eingesetzt werden.

Damit ist eine wichtige Voraussetzung für die Rückkehr brasilianischer Ware erfüllt. Endgültig entschieden ist sie allerdings noch nicht.

EU-Prüfer bewerten Brasiliens Kontrollen positiv

Die Prüfer bewerten sowohl die gesetzlichen Vorgaben als auch die Ausbildung der Kontrolleure und die amtliche Überwachung positiv. Das brasilianische Kontrollsystem könne die vom EU-Recht verlangten Garantien gewährleisten, heißt es im Bericht.

Zwar hat Brasilien die entsprechenden Kontrollsysteme erst vor Kurzem eingerichtet. Nach Einschätzung der EU-Prüfer arbeiten sie in der Geflügel- und Honigerzeugung jedoch wirksam. Die zuständigen brasilianischen Behörden könnten ihre Exportzertifikate damit auf eine belastbare Kontrollstruktur stützen.

Entscheidung über Geflügelfleisch könnte im Oktober fallen

Grünes Licht für die Einfuhr gibt es damit noch nicht. Zunächst müssen die EU-Mitgliedstaaten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (SCoPAFF) zustimmen.

Sofern die EU keine außerordentliche Sitzung ansetzt, könnte das Thema am 20. und 21. Oktober auf die Tagesordnung kommen. Fällt dann noch keine Entscheidung, bietet sich bei der nächsten Sitzung am 16. und 17. November eine weitere Gelegenheit.

Damit könnten brasilianische Geflügelfleischlieferungen vergleichsweise schnell wieder eine Rolle auf dem europäischen Markt spielen.

Brasilien ist weltweit größter Geflügelfleischexporteur

Für den europäischen Geflügelmarkt ist die Entscheidung auch wegen der Größe der brasilianischen Produktion relevant. Brasilien ist laut EU-Prüfbericht der weltweit größte Exporteur von Geflügelfleisch und der drittgrößte Produzent.

Im Jahr 2025 erzeugte das Land rund 15,3 Mio. Tonnen Hühnerfleisch. Davon gingen etwa 5,3 Mio. Tonnen in den Export.

Auch für die EU war Brasilien vor dem Importstopp ein bedeutender Lieferant. Im Jahr 2024 importierte die Europäische Union nach Angaben der EU-Kommission 286.936 Tonnen Geflügelfleisch in Schlachtgewicht aus Brasilien. Damit stammten rund 32 Prozent der Geflügelfleischimporte aus Drittstaaten aus dem südamerikanischen Land. Brasilien war somit der wichtigste Lieferant der EU.

Nach dem Ausbruch der Geflügelpest in Brasilien im Mai 2025 hatten mehrere Staaten ihre Einfuhren gestoppt, darunter auch die EU.

Auch brasilianischer Honig könnte zurückkehren

Neben Geflügelfleisch betrifft das Audit brasilianischen Honig. Brasilien produziert laut Prüfbericht jährlich rund 67.000 Tonnen Honig. Mehr als die Hälfte davon wird exportiert.

Im Jahr 2025 führte die EU insgesamt 1.974 Tonnen brasilianischen Honig ein.

Auch hier kamen die EU-Prüfer zu dem Ergebnis, dass das brasilianische Kontrollsystem die erforderlichen Garantien hinsichtlich des verbotenen Einsatzes von Antibiotika zur Leistungssteigerung geben kann.

Brasilianisches Rindfleisch bleibt vorerst außen vor

Anders sieht die Situation beim Rindfleisch aus. Brasilianische Exporteure hoffen zwar darauf, künftig wieder in die EU liefern zu können. Eine schnelle Öffnung des europäischen Marktes zeichnet sich derzeit jedoch nicht ab.

Eric Thevenard, Direktor der zuständigen Abteilung in der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (DG SANTE), äußerte sich dazu bei einer Anhörung im Landwirtschaftsausschuss des Europaparlaments zurückhaltend.

Er verwies auf den etwa zweijährigen Produktionszyklus beim Rindfleisch. Nach seiner Einschätzung dürfte es innerhalb der kommenden zwei Jahre keine entsprechenden Lieferungen geben. Eine zeitnahe Prüfung der brasilianischen Kontrollsysteme für Rindfleisch zeichnet sich damit derzeit nicht ab.

Geflügelnews / Cordula Möbius
Bild: Agrio
Quelle: AgE

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