Legehennenhaltung in Niedersachsen: Eierpreise gut, Kosten steigen - was die Branche bewegt

12 Oktober 2026
Deutschland
Drei Personen

Der IAH-Vorsitzende Martin Lüssing (re.) mit den Gästen vom NGW Dieter Oltmann und Nelly Wendt.


Die Interessengemeinschaft alternative Hühnerhaltung e.V., IAH, ist eine feste Größe in der Eierbranche. Die 117 Mitglieder, vorwiegend aus den niedersächsischen Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim, halten über 3,4 Mio. Legehennen. Die wirtschaftlichen Ergebnisse sind aktuell sehr gut. Dennoch brennen gerade in Niedersachsen einige Themen unter den Nägeln.  

Die aktuell 117 Mitgliedsbetriebe der Interessengemeinschaft alternative Hühnerhaltung, IAH, befinden sich größtenteils in den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim. Dort im Nordwesten Niedersachsens liegt ein Schwerpunkt der Legehennenhaltung. Aktuell gibt es hier wieder Bauaktivitäten, auch das Interesse an einem Neueinstieg in die Eiererzeugung ist groß. 

Die 117 Mitgliedsbetriebe der IAH teilen sich auf in 53 Bio-, 49 Freiland-, drei Bodenhaltungsbetriebe sowie zwölf gemischte Betriebe. Zum fachlichen Austausch gibt es drei regionale Arbeitskreise, die sich auch 2025 regelmäßig getroffen haben. Das berichtete der Vorsitzende der IAH, Martin Lüssing, auf der Mitgliederversammlung des Vereins in Wietmarschen (Grafschaft Bentheim). 

Thema Agroforst in den Arbeitskreisen

Bei den jüngsten Arbeitskreistreffen stand das Thema Agroforst auf dem Programm. Immer mehr Freilandbetriebe pflanzen Gehölze in ihre Ausläufe, was Vorteile für die Auslaufnutzung hat. Da seit drei Jahren eine Doppelnutzung möglich ist und Anpflanzungen im Auslauf vom Land Niedersachsen erheblich bezuschusst werden, ist dies in Niedersachsen von besonderem Interesse. 

Zum Angebot der IAH gehören auch betriebswirtschaftlichen Auswertungen des Betriebszweiges Legehennenhaltung bzw. der überbetriebliche Vergleich. Diese Arbeit wird von den Beratungsringen der Region durchgeführt – wie auch die fachliche Leitung der Arbeitskreise. 

Spannende Zahlen zur Wirtschaftlichkeit

Manfred Schöttmer vom Beratungsring Grafschaft Bentheim stellte auf der Mitgliederversammlung Zahlen aus den Jahren 2024/25 und 2025/26 vor. Der Berater bedauerte, dass nur wenige IAH-Betriebe an den Auswertungen teilnehmen. 

Er betonte deshalb, dass die von ihm vorgestellten Ergebnisse nicht als repräsentativ angesehen werden dürfen. Die Zahlen zeigen aber sehr wohl Tendenzen. Durch die gesunkenen Futterpreise und die gestiegenen Eiererlöse entwickelten sich die Direktkostenfreien Leistungen sowohl im Bio- als auch im Freilandbereich sehr erfreulich. 

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Erhebliche Unterschiede beim Eiererlös

Schöttmer verglich auch jeweils das obere Viertel der ausgewerteten Betriebe mit dem unteren Viertel. Bei den Freilandbetrieben (ca. 15.000 Plätze) lag der Unterschied bei den Direktkostenfreien Leistungen bei 86.000 Euro. Bei den Biobetrieben (ca. 15.000 Plätze) lag dieser Unterschied sogar bei über 100.000 Euro! Ein wesentlicher Unterschied bestand bei beiden Betriebsarten im Eiererlös. Die guten Biobetriebe erlösten fast 2 Cent mehr je Ei als die weniger guten. Bei den Freilandbetrieben lag der Unterschied bei knapp 1 Cent. Bei hochgerechnet 300 Eiern und 15.000 Tieren sind das 45.000 Euro.    

Der IAH-Vorsitzende Martin Lüssing betonte dazu, wie wichtig die Verhandlungen mit dem Eierhändler seien: „Eine gute Verhandlung könnt Ihr durch Arbeit nicht wieder hereinholen!“ Top-Leistungen allein seien kein Garant für Top-Wirtschaftlichkeit. Lüssing legte seinen Berufskollegen ans Herz, Verträge in Ruhe zu überdenken, auch mal bei den Mitbewerbern nachzufragen: „Eier sind gefragt“, sagte er zur derzeit guten Verhandlungsposition der Legehennenbetriebe.    

Wiederwahlen zum Vorstand

Bei den turnusgemäß anstehenden Wahlen wurden Jutta Aalderink aus Nordhorn und Jens Engelke aus Haren wieder in den IAH-Vorstand gewählt. 

Die erfreuliche Lage auf dem Eiermarkt ist die eine Seite. Auf der anderen Seite gibt es gerade in Niedersachsen mehrere eher unerfreuliche Themen für Legehennenhalter. Hierzu gab es Updates von Dieter Oltmann, Geschäftsführer des Landesverbandes der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft, NGW. 

Deutlich höhere Beiträge Tierseuchenkasse

Im vergangenen Herbst/Winter/Frühjahr gab es eine schlimme Geflügelpestwelle in vielen Ländern der EU, insgesamt traf es fast 1.000 Betriebe. In Deutschland war Niedersachsen besonders stark betroffen mit 110 Betrieben. Knapp 1,6 Mio. Tiere wurden dort gekeult bzw. verendeten an der Seuche. Die Kosten für die Niedersächsische Tierseuchenkasse beliefen sich auf rd. 41 Mio. Euro. Ca. 40 Prozent hiervon zahlt die Tierseuchenkasse, die sich aus den Beiträgen der Tierhalterinnen und Tierhalter finanziert. Auch für die Legehennenhaltung bedeutet das für 2027 deutlich steigende Beiträge, sie werden laut Dieter Oltmann bei Jung- und Legehennen etwa doppelt so hoch wie 2026. 

Impfprojekt bei Gänsen geplant

Ein Weg, aus Tierschutz- und Kostengründen solche Massenkeulungen künftig zu vermeiden, könnte die Impfung gegen die Geflügelpest sein – zumindest in bestimmten Regionen bzw. bei bestimmten Geflügelarten. In Frankreich wird bereits seit Oktober 2023 bei Enten geimpft, andere EU-Länder planen Impfungen bei Legehennen oder Puten. In Niedersachsen wird derzeit eine Feldstudie vorbereitet, um im kommenden Jahr einen Impfversuch in einer Gänseherde zu starten. Bis dahin müssen noch rechtlich relevante Fragen und mögliche Auswirkungen auf den Export geklärt werden. 

Verschiedene Auffassungen gibt es in Niedersachsen beim NGW und beim Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, LAVES, zu zwei wichtigen Themen für Legehennenhalter: Auslaufgestaltung und Schmutzeier. 

Unverständnis für neue Auslauf-Vorgaben

Laut EU-Verordnung sind in der Legehennen-Freilandhaltung mindestens vier Unterstände je Hektar aufzustellen, wenn die Auslauffläche über einen Radius von 150 m von den Auslaufluken hinaus geht. Eine Mindestgröße der Unterstände ist dort nicht vorgesehen. Nach Auslegung des LAVES sollen die Unterstände jedoch eine Grundfläche von mindestens 5 qm haben. Ab Anfang nächsten Jahres soll die Gesamtunterstandsfläche auf knapp 80 qm/ha erhöht werden, also das Vierfache. Der NGW hat hiergegen ein Veto eingelegt, da es in keinem anderen Bundesland solche Vorgaben gibt. 

Vom LAVES als Kontrollstelle wurden seit Frühjahr 2025 wiederholt Chargen in Packstellen und Zentrallagern des Lebensmitteleinzelhandels gesperrt für die Vermarktung. Es ging insbesondere um den Staubanteil auf Eiern. Betroffene Legehennenhalter und Packstellen sahen hier Unverhältnismäßigkeit und Ungleichbehandlung. Eine Packstelle strenge jetzt eine Schadensersatzklage gegen das LAVES an, informierte Dieter Oltmann. 

Führungswechsel beim NGW

Der NGW-Geschäftsführer hatte nach Wietmarschen seine Kollegin Nelly Wendt mitgebracht. Sie ist aktuell stellvertretende Geschäftsführerin des NGW. Geplant ist, dass sie Mitte des nächsten Jahres das Amt von Dieter Oltmann übernehmen wird, der sich dann in den Ruhestand verabschieden will.  

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Christa Diekmann-Lenartz

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