NGW-Zukunftsforum: „Wir sind in der richtigen Branche“
02 Oktober 2025
Deutschland
Auf dem Podium (v.l.): Dr. Marco Mohrmann, Thomas Korte, Jan-Niklas Rothkötter und Henrik Wiedenroth.
Der Landesverband der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft sprach auf seinem 1. Zukunftsforum mit Praxis, Integration und Lebensmittelhandel darüber, was der Markt will und wie Geflügelhalterinnen und Geflügelhalter sich zukunftssicher positionieren können.
Man liest und hört es inzwischen überall: Der Märkte für Geflügelfleisch und Eier sind rosig, die Herkunft Deutschland ist gefragt und viele Landwirtinnen und Landwirte möchten in der Zukunftsbranche Geflügel investieren.
Dabei gibt es jedoch Hemmnisse, vor allem sind das fehlende Baugenehmigungen. Wie man hier weiterkommen kann, diskutierte der Landesverband der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft, NGW, mit Bundes- und Landespolitik. Hierfür hat der NGW ein neues Format geschaffen, das „Zukunftsforum“ (Geflügelnews berichtete).
Was der Markt künftig will
Beim 1. NGW-Zukunftsforum in Dötlingen (Landkreis Oldenburg) saßen auch Vertreter der Praxis, der Integrationen und des Lebensmittelhandels auf dem Podium. Sie sprachen über die Anforderungen des Marktes und wie Geflügelhalter sich zukunftssicher positionieren können.
Mit dabei war Jan-Niklas Rothkötter. Er ist Junior-Chef der gleichnamigen Unternehmensgruppe mit Hauptsitz im Emsland (Niedersachsen). Die Gruppe zählt zu den größten Hähnchenintegrationen Deutschlands. Sein zentrales Statement: „Wir brauchen mehr Hähnchen!“ Und man will die wachsende Nachfrage mit Hähnchen aus Deutschland decken, sprich, es braucht bei uns neue Ställe. In diesem Sinne gibt es bei Rothkötter ein Planungsbüro, das bauwillige Landwirte begleitet. Ähnliche Konzepte bieten andere Unternehmen der Branche an.
„Mit jedem Stallbau gehe ich in ein unternehmerisches Risiko.“ Thomas Korte
Mäster bestimmt seine Haltungsform
Eine Kardinalsfrage dabei ist die „richtige“ Haltungsform (HF). HF 3 braucht Außenklima, sprich einen Wintergarten, bei HF 2 ist das nicht nötig. Auch hierzu hat Jan-Niklas Rothkötter eine klare Meinung: „Jeder Landwirt soll das bauen, für das er steht, was zu ihm passt.“
Seiner Einschätzung nach wird HF 3 wachsen, HF 2 sei jedoch auch ein rundes Konzept. Seine gute Nachricht: „Wir können derzeit zusätzliche Mengen in beiden Haltungsformen gut vermarkten.“ Es brauche dafür nicht zwingend Abnahmegarantien des Handels. Der Markt regle sich von der steigenden Nachfrage her.
Thomas Korte ist Hähnchenmäster im Emsland und Mitglied im NGW-Vorstand. Für ihn gehört zur Zukunft der Hähnchenmast die HF 3. Er selbst mästet momentan sowohl in HF 2 als auch in HF 3. Die heutigen Baukosten liegen mehr als doppelt so hoch wie das, was er selbst vor 15 Jahren für Ställe zahlte. Man gehe als Landwirt somit „ins volle unternehmerische Risiko“ bei einem Stallneubau. Wichtig sei deshalb vor allem Flexibilität: „Ich weiß nicht, was in zehn Jahren ist, vielleicht muss ich dann wieder zurück auf HF 2.“
„Wir brauchen mehr Hähnchen und neue Ställe.“ Jan-Niklas Rothkötter
Auslands-Konkurrenz bereitet Sorge
Sorge bereitet ihm dabei die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Hähnchenmast: „In Südamerika liegen die Produktionskosten deutlich niedriger als bei uns“, weiß er.
Die Hähnchenmäster im Publikum dürfte es da gefreut haben, was Henrik Wiedenroth, Lidl Deutschland, ausführte. Sein Unternehmen hat als Ziel, bis 2030 sein gesamtes Frischfleisch- und Wurstsortiment auf HF 3 und höher umzustellen. Eine zwingende Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die Ware „dauerhaft“ von der deutschen Landwirtschaft geliefert werden kann. „Herkunft Deutschland“ habe also höchste Priorität. Ansonsten werde der Termin 2030 verschoben.
Diskussion über Abnahmeverträge
Laut seiner Aussage werden bei Lidl aktuell auch Diskussionen darüber geführt, inwieweit den Landwirten über längerfristige Verträge mehr Planungssicherheit gegeben werden könne.
Auch wenn Tierwohl bei Lidl einen hohen Stellenwert hat, gibt es andere Themen im Fokus mit Konfliktpotenzial: Lidl hat sich auch Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben. Langsam wachsende Rassen brauchen deutlich mehr Futter, mehr Tiere draußen heißen mehr Emissionen etc. Eine Lösung von Lidl: Der Anteil an pflanzlichen Proteinträgern soll im Sortiment auf 20 Prozent erhöht werden.
„Wir stellen einen Artikel auf HF 3 um, wenn wir ihn dauerhaft aus Deutschland bekommen.“ Henrik Wiedenroth
Zielkonflikte mit Gesellschaft diskutieren
Zu den Zielkonflikten zwischen mehr Tierwohl und mehr Umwelt-/Klimaschutz forderte der NGW-Vorsitzende Friedrich-Otto Ripke eine gesamtgesellschaftliche Diskussion, auch mit dem Lebensmittelhandel. „Es kann nicht sein, dass wir Landwirte dabei allein den ‚Schwarzen Peter‘ haben“, so Ripke. Klar ist für ihn, dass die Geflügelhalter nur das produzieren sollten, was der Markt nachfragt.
Dass dazu auch künftig ein Angebot niedriger Haltungsformen gehört, war für Dr. Marco Mohrmann klar. Der agrarpolitische Sprecher der CDU-Fraktion Niedersachsen betonte, dass nicht jeder sich die höheren Haltungsformen leisten könne. Auch bei den niedrigen Haltungsformen würden die hohen Qualitätsstandards Deutschlands eingehalten, die teilweise über EU-Standards hinausgehen.
Text:
Christa Diekmann-Lenartz
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.
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