Zukunftsforum Geflügel: „Die Nachfrage steigt, aber bauen geht nicht“
30 September 2025
Deutschland
Staatssekretärin Silvia Breher und Marktforscher Jens Lönneker diskutierten mit Friedrich-Otto Ripke, NGW (v.l.).
Die Geflügelbranche erlebt derzeit -eigentlich- rosige Zeiten. Das Image von Fleisch und Eiern ist besser denn je, die Nachfrage steigend. Betriebe wollen investieren. Aber: Es gibt wenig Baugenehmigungen. Auf dem NGW-Zukunftsforum diskutierte ein hochkarätiges Podium, was Zukunftsschritte möglich machen kann.
Geflügelfleisch und Eier erfreuen sich großer Beliebtheit. Prognosen gehen von fünf Prozent Nachfragewachstum in den nächsten zwei Jahren aus. Auf der anderen Seite sind die Selbstversorgungsraten in Deutschland zurückgegangen, Trend weiter sinkend.
Große Investitionsbereitschaft bei Landwirten
Dabei mangelt es keineswegs an Investitionsbereitschaft, diesen Trend wieder umzukehren. Nicht nur Geflügelhalterinnen und Geflügelhalter möchten neue Ställe bauen oder bestehende Ställe umbauen. Auch als neuer Betriebszweig ist die Hähnchenmast oder Legehennenhaltung sehr interessant geworden. Das Problem: Es mangelt an Baugenehmigungen.
Besonders betroffen von dieser „Misere“ ist Niedersachsen. Niedersachsen ist mit Abstand Geflügelland Nr. 1 in Deutschland mit entsprechend hoher Wertschöpfung. Von ca. 170 Mio. Stück Geflügel hierzulande stehen ca. 106 Mio. in niedersächsischen Ställen. Zum Landesverband der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft, NGW, gehören 1.600 Mitglieder, neben den Geflügelhaltern sind dabei auch zahlreiche bedeutende Unternehmen der vor- und nachgelagerten Wirtschaft.
Ministerpräsident Olaf Lies sprach sich für einen Bestandsschutz bei Umbauten aus.
Ernährungssicherung nicht ohne Geflügelbranche
Der NGW hatte jetzt hochkarätige Vertreter von Politik, Handel und Verbundwirtschaft zu einem Zukunftsforum eingeladen. Diskutiert wurde in Dötlingen (Landkreis Oldenburg), was nötig ist, damit die Branche Schritte in die Zukunft gehen kann. Marktforscher Jens Lönneker hatte Geflügelfleisch und Eiern zuvor bescheinigt, dass sie mit ihrem hohen Proteingehalt sehr gut in heutige Ernährungskonzepte passen. Die Branche forderte er auf, das offensiv in der Kommunikation zu nutzen.
Der NGW-Vorsitzende Friedrich-Otto Ripke wies in Dötlingen auf das im Koalitionsvertrag verankerte Ziel der Ernährungssicherung hin. Auch um das zu erreichen, müssten neue Geflügelställe gebaut werden können.
Rückendeckung vom Ministerpräsidenten
Rückendeckung hierfür gab es von Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD). Der sparte nicht an Lob für die Geflügelbranche: „Geflügelwirtschaft soll weiter hier stattfinden, in Teilen auch wachsen können.“ Er sah Niedersachsen als Geflügelland Nr. 1 in der Verpflichtung, auch Umbauten für höhere Haltungsformen möglich zu machen. Dabei plädierte er für einen Bestandsschutz, damit Investitionen sicher sind.
Sein Ansatz für vorhandene Zielkonflikte: Mit allen Beteiligten partnerschaftlich Lösungen finden. Dabei nannte er den „Niedersächsischen Weg“ als Vorbild. Der „Niedersächsische Weg“ ist eine freiwillige Vereinbarung zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Politik für mehr Nachhaltigkeit in der Landbewirtschaftung.
Rund 250 Gäste waren der Einladung zum 1. NGW-Zukunftsforum gefolgt.
Re-Privilegierung für Tierwohl-Geflügelställe
Baurecht und Emissionsschutz sind zwei entscheidende Faktoren beim Stallneubau oder -umbau. Diese liegen in der Verantwortung des Bau-, bzw. des Umweltministeriums auf Bundesebene. Eingeladen zum NGW-Zukunftsforum war Silvia Breher, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium (CDU). Wie sie ausführte, hat ihr Haus Einfluss genommen auf die Novellierung des Baugesetzbuches, die auf den Weg gebracht ist. Ihr Wunschzettel: Auch bei Geflügelstall-Umbauten für mehr Tierwohl soll die -eigentlich abgeschaffte- Privilegierung wieder gelten. Bislang gibt es die Re-Privilegierung nur für Tierwohl-Umbauten bei Schweineställen.
Silvia Breher verteidigte in diesem Zusammenhang das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (THKG). Kommende Woche soll es dazu noch einmal einen Gipfel geben. Wie sie betonte, soll das THKG ein „Dach“ sein, unter dem dann die Label der Wirtschaft wie ITW (Initiative Tierwohl) laufen können. So gebe es Planungssicherheit für Tierhalter. Der Außer-Haus-Verzehr oder ausländische Waren sollen integriert werden.
LEH-Haltungsformen gleichstellen mit staatlicher Kennzeichnung
Die Geflügelwirtschaft hat sich mehrfach dafür ausgesprochen, bei der staatlichen Tierhaltungskennzeichnung nicht „das Rad neu zu erfinden“, sondern auf bestehende, beim Verbraucher bekannte Systeme wie ITW und die Haltungsformen des Handels zu setzen. In der Diskussion forderte Friedrich-Otto Ripke zumindest eine Gleichstellung von ITW/den höheren Haltungsformen gegenüber der staatlichen Kennzeichnung bei der Definition von „Tierwohlstall“. Das wäre bezüglich der angesprochenen Privilegierung ebenso wichtig wie bei der TA Luft.
Er appellierte in Dötlingen, dass die Geflügelbranche nicht auf Fördergelder setze, man brauche aber Planungssicherheit und die Chance, zu bauen.
Wie der Handel und die Integrationen auf dem NGW-Zukunftsforum den Umstieg auf die höheren Haltungsformen und die Rolle von „5xD“ diskutierten, berichten wir in Kürze auf Geflügelnews.
Text:
Christa Diekmann-Lenartz
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.
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