600 Eier je Legehenne: Warum zu schwere Eier zum Problem werden

05 Oktober 2026
Legehenne
Junghennen

600 Eier und mehr je weißer Legehenne sind möglich, sagt der niederländische Geflügelspezialist Jan van Os. Dafür müssen Halter Körper- und Eiergewicht genau steuern. Vor allem zu schwere Eier können einer langen Legeperiode im Weg stehen.

Wer mit weißen Legehennen 600 Eier und mehr erreichen will, sollte nicht auf möglichst schwere Eier setzen. Entscheidend sind vielmehr eine gleichmäßige Entwicklung der Hennen, ein kontrolliertes Eiergewicht und ein Management, das die Tiere über eine lange Legeperiode leistungsfähig hält. Darauf wies Jan van Os, Legehennenspezialist beim niederländischen Futtermittelhersteller AgruniekRijnvallei (AR), bei einer Fachveranstaltung in Renswoude hin.

„Das Hennengewicht ist die Basis für eine lange Produktionsperiode“, betonte van Os. Die Tiere müssen kontinuierlich wachsen. Zu schwer sollten sie allerdings ebenfalls nicht werden.

Legehennen ab dem ersten Tag regelmäßig wiegen

Van Os rät Geflügelhaltern, bereits beim Einstallen auf funktionierende Waagen zu achten. In der Praxis komme es noch vor, dass automatische Waagen zu Beginn einer neuen Legeperiode nicht richtig oder überhaupt nicht funktionieren. Dann fehlt eine wichtige Information darüber, ob sich die Junghennen wie vorgesehen entwickeln.

Besonders wichtig sind die ersten Wochen im Legestall. Braune Hennen wiegen beim Einstallen laut van Os etwa 1.350 g. Bis zur 25. Lebenswoche sollte ihr Gewicht auf rund 1.750 g steigen. Weiße Hennen starten mit etwa 1.150 g und sollten bis zur 25. Woche rund 1.550 g erreichen.

Zwischen der 17. und 25. Lebenswoche müssen die Tiere damit etwa 400 g zulegen – umgerechnet ungefähr 10 g pro Tag. Van Os empfiehlt, in dieser Phase täglich zu wiegen und die Werte mit der Wachstumskurve abzugleichen.

Gerade in der ersten Woche im Legestall kann die Entwicklung stocken. Der Wechsel aus der Aufzucht bedeutet Stress. Deshalb nehmen die Hennen unmittelbar nach dem Umstallen häufig kaum an Gewicht zu.

Nach der Legespitze darf das Gewicht weiter steigen

Ab der 25. Woche flacht die Gewichtszunahme mit steigender Eimasse ab. Die Hennen sollten dennoch wöchentlich etwa 5 bis 10 g zulegen, bis sie ihre maximale Eimasse erreichen. Das ist normalerweise zwischen der 35. und 40. Lebenswoche der Fall.

Braune Hennen sollten in diesem Zeitraum etwa von 1.750 auf 1.850 g wachsen, weiße von 1.550 auf 1.650 g. Van Os empfiehlt, das Körpergewicht mindestens einmal pro Woche kritisch zu kontrollieren.

Auch danach sollte es langsam weiter steigen. Bis zum Ende der Legeperiode nennt van Os für braune Hennen etwa 1.950 g und für weiße Tiere rund 1.750 g als Orientierung. In dieser Phase sollten Geflügelhalter ihre Tiere mindestens alle vier Wochen wiegen.

Leichte Hennen brauchen eigene Futter- und Rückzugsbereiche

Nicht allein das Durchschnittsgewicht zählt. Van Os hält eine möglichst gleichmäßige Herde für entscheidend. Besondere Aufmerksamkeit brauchen untergewichtige Tiere.

Leichte Hennen sind nach seiner Erfahrung häufig scheuer und halten sich beispielsweise unter Legenestern oder Volieren auf. Dort sollten sie ebenfalls Futter, Wasser und Rückzugsmöglichkeiten finden. So verhindert der Halter, dass gerade schwächere Tiere beim Zugang zu wichtigen Ressourcen zusätzlich ins Hintertreffen geraten.

Auch mit der Stimulation sollten Geflügelhalter warten, bis die Hennen das vorgesehene Gewicht erreicht haben. Werden sie zu früh stimuliert, beginnen sie zwar möglicherweise früher mit dem Legen. Die Tiere müssen körperlich jedoch ausreichend entwickelt sein, damit die Leistung nicht bereits zu Beginn der Legeperiode einbricht.

Verläuft die Entwicklung beispielsweise bei hohen Sommertemperaturen anders als geplant, können Geflügelhalter über Lichtdauer, Lichtintensität und Fütterung gegensteuern. Van Os empfiehlt, solche Anpassungen mit den jeweiligen Beratern abzustimmen.

Zu schwere Hennen können weniger persistent legen

Doch auch zu viel Körpergewicht ist unerwünscht. Für weiße Legehennen nennt van Os ein Durchschnittsgewicht von etwa 1.700 g mit einzelnen Tieren bis rund 1.750 g. Wesentlich schwerer müssten die Hennen nicht werden.

Übergewicht fördere Fettablagerungen rund um die Organe. Das könne sowohl die Gesundheit als auch die Eierproduktion beeinträchtigen. Für eine lange Legeperiode kommt es deshalb nicht auf möglichst schwere, sondern auf korrekt entwickelte Hennen an.

Eier für lange Legeperioden nicht zu schwer werden lassen

Ähnliches gilt für das Eiergewicht. Zu Beginn der Legeperiode wollen Geflügelhalter das Gewicht zunächst zügig erhöhen, damit die Eier die gewünschte Vermarktungsklasse erreichen. Van Os empfiehlt jedoch, frühzeitig mit dem Futtermittelhersteller festzulegen, welches Eiergewicht langfristig angestrebt wird.

Dabei spielt auch die Vermarktung eine Rolle. Werden Eier pro Stück verkauft, kann laut van Os beispielsweise ein Zielgewicht von 59 g sinnvoll sein.

Der Hintergrund: Je schwerer die Eier werden, desto stärker beansprucht die Produktion die Henne. Ein begrenztes Eiergewicht könne deshalb die Legepersistenz verbessern und die Verluste senken.

Van Os rät Geflügelhaltern, die Eier selbst regelmäßig zu wiegen und die Entwicklung täglich zu verfolgen.

Ab 59 bis 61 Gramm mit der Fütterung gegensteuern

Das Eiergewicht reagiert nach Angaben des Geflügelspezialisten schnell auf Veränderungen der Futterzusammensetzung. Zu Beginn der Legeperiode lässt sich die Fütterung so gestalten, dass das Gewicht der Eier zügig auf durchschnittlich 53 bis 55 g steigt.

Hat die Herde ihre Spitzenleistung erreicht, verändert sich das Ziel. Dann sollte das Eiergewicht möglichst stabil bei etwa 59 bis 61 g bleiben und nur noch langsam steigen.

Wer weiße Hennen lange halten möchte, braucht nach Einschätzung von van Os keine Eier, die deutlich mehr als 61 g wiegen. Sobald dieses Niveau erreicht ist, sollten Geflügelhalter deshalb gemeinsam mit ihrem Futtermittelhersteller prüfen, wie sie die weitere Gewichtsentwicklung steuern.

Tränken mindestens einmal im Monat überprüfen

Neben dem Futter spielt Wasser eine zentrale Rolle. Die Tiere müssen es jederzeit problemlos erreichen können. Dafür müssen insbesondere die Tränkenippel genügend Wasser liefern.

Van Os empfiehlt, deren Durchfluss mindestens einmal monatlich zu kontrollieren. Er nennt 60 bis 80 ml pro Minute als Mindestleistung. Liegt die Wassermenge darunter, sollten Geflügelhalter die Leitungen reinigen oder die Nippel gegebenenfalls austauschen.

Licht an die jeweilige Legephase anpassen

Auch das Lichtmanagement beeinflusst die Entwicklung einer Herde. Van Os empfiehlt eine Kombination aus warmweißem und rotem Licht. Beim Einstallen müssen die Junghennen zunächst Futter, Wasser und Legenester schnell finden. Dafür sollte der Stall gut ausgeleuchtet sein. Van Os nennt warmweißes Licht mit 2.700 bis 3.000 Kelvin.

In der Phase bis zum gewünschten Eiergewicht lässt sich die Beleuchtung innerhalb und unter dem Volierensystem etwas reduzieren und mit einem Anteil roten Lichts kombinieren. Die Hauptbeleuchtung sollte zunächst auf dem bisherigen Niveau bleiben, um Bodeneier zu vermeiden.

Von der Spitzenproduktion bis zum Ende der Legeperiode kann auch die Hauptbeleuchtung reduziert werden. Innerhalb und unter dem System empfiehlt van Os noch weniger Licht und einen höheren Rotanteil, um mehr Ruhe in die Herde zu bringen.

Licht im Legestall muss zur Aufzucht passen

Entscheidend ist zudem ein möglichst reibungsloser Übergang von der Aufzucht in den Legestall. Lichtprogramm, Lichtintensität und Fütterung sollten deshalb möglichst gut auf die Bedingungen in der Aufzucht abgestimmt sein.

Große Helligkeitsunterschiede innerhalb des Stalls hält van Os für problematisch. Herrschen beispielsweise an einer Stelle 40 Lux und an einer anderen nur 10 Lux, kann dies Bodeneier begünstigen.

Auch für Menschen kaum wahrnehmbares Flackern kann für Hühner eine Belastung darstellen. Van Os empfiehlt deshalb, die Beleuchtung im Stall zu messen, statt sie allein nach dem menschlichen Eindruck zu beurteilen.

605 Eier in 116 Wochen bereits erreicht

Dass die Marke von 600 Eiern keine rein theoretische Größe ist, zeigt laut van Os ein Praxisbetrieb von AgruniekRijnvallei. Dort erreichten weiße Legehennen 605 Eier bis zur 116. Lebenswoche.

Für solche Leistungen gibt es allerdings nicht die eine Stellschraube. Van Os sieht das Zusammenspiel aus Fütterung, Daten und konsequentem Management als entscheidend. Körpergewicht, Eiergewicht, Wasser und Licht müssen zur jeweiligen Entwicklungsphase passen. Wer dabei möglichst lange eine hohe Legepersistenz erreichen will, sollte vor allem zwei Dinge vermeiden: zu leichte oder übergewichtige Hennen – und Eier, die unnötig schwer werden.

Geflügelnews / Cordula Möbius
Bild: Cordula Möbius
Quelle: Tom Schotman, Sterke Erven Pluimvee

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