Salmonellen im Geflügelfutter: Warum die Kontrolle beim Rohstoff beginnen muss

09 Oktober 2026
Futter
Masthähnchen

Salmonellen können über Soja-, Raps- oder Sonnenblumenschrot in die Futterkette gelangen und selbst in trockenen Produkten lange überleben. Für Geflügelhalter kommt es deshalb darauf an, Risiken entlang der gesamten Futterkette zu begrenzen.

Bei einer Informationsveranstaltung von Trouw Nutrition Anfang September 2026 beschrieb Christian van der Kamp von Trouw Nutrition, dass das Salmonellen-Risiko für die Futtermittelwirtschaft bereits bei den Rohstoffen beginnt und deshalb ein wirksames Management die gesamte Kette von der Rohstoffkontrolle über die Verarbeitung bis zur Tierhaltung berücksichtigen muss.

Salmonellen können auch in trockenen Futtermitteln überleben

Salmonellen gehören zur Familie der Enterobacteriaceae und für ihr Wachstum sind Temperatur, pH-Wert und insbesondere die Wasseraktivität (biologisch verfügbares Wasser in einem Lebensmittel) entscheidend. Aber: Auch in trockenen Produkten können Salmonellen über längere Zeit überleben – sie ruhen, bis die Bedingungen wieder besser passen. Trockenes Material bleibt damit ein potenzieller Ausgangspunkt für Rekontaminationen.

Eine besondere Rolle spielen proteinreiche Rohstoffe wie Soja-, Raps- und Sonnenblumenschrot. Beim Mahlen können sich Temperatur und Feuchtigkeit verändern und zuvor gebundene Nährstoffe zugänglich werden, wodurch sich Enterobacteriaceae vermehren können. Neben Salmonellen liefern deshalb auch Enterobacteriaceae, Hefen und Schimmelpilze wichtige Hinweise auf die hygienische Situation.

Salmonellenmanagement beginnt schon beim Rohstoff

Für 2024 nannte van der Kamp einen Verbrauch von rund 52 Mio. Tonnen Soja-, Raps- und Sonnenblumenschrot in Europa. Bereits ein geringer Anteil belasteter Ware kann damit erhebliche Mengen betreffen. Salmonellenmanagement muss deshalb bereits bei Ölmühlen und im Rohstoffhandel ansetzen.

Neben definierten Annahmekriterien und repräsentativer Probenahme wurde die Behandlung kritischer Rohstoffe bereits beim Umschlag vorgestellt, indem organische Säuren beim Entladen aufgesprüht werden. Mehrere Sprühpunkte und eine gleichmäßige Vermischung sollen eine möglichst vollständige Behandlung der Partie ermöglichen.

Mischfutterwerk: Diese Prozessschritte können kritisch werden

Auch im Mischfutterwerk beeinflussen Annahme, Lagerung, Mahlen, Mischen, Pressen und Kühlung die mikrobiologischen Bedingungen. Besonders wichtig ist das Feuchtigkeitsmanagement, da höhere Wasseraktivitäten das Wachstum von Enterobacteriaceae begünstigen können. Salmonellenkontrolle bedeutet daher mehr als die Untersuchung des Endprodukts. Entscheidend ist, Entstehung und Verschleppung mikrobieller Risiken im gesamten Produktionsprozess zu erkennen.

Lücken sichtbar machen

Als Instrument stellte van der Kamp die Gap-Analyse vor, die den gesamten Produktionsablauf einschließlich Rohstoffen, Anlagen, Lagerbereichen und Hygiene betrachtet. Dabei können auch Maschineninnenflächen, Pressen, Mischer, Luftführungen oder Staubablagerungen beprobt werden.

Gerade schwer zugängliche Bereiche agieren als Rückzugsorte für Mikroorganismen: Neben Salmonellen können Enterobacteriaceae, Hefen, Schimmelpilze und die Wasseraktivität untersucht werden. Das Zusammenspiel dieser Parameter hilft, tatsächliche Schwachstellen im Prozess zu identifizieren.

Für die praktische Umsetzung nennt van der Kamp Auditierung, Laboranalytik und geeignete Dosiertechnik als zentrale Bausteine. Ein Audit verfolgt den Produktionsprozess und identifiziert kritische Punkte, während Laboruntersuchungen die tatsächliche mikrobielle Situation erfassen, um gezielte Maßnahmen abzuleiten.

Organische Säuren können Salmonellenmanagement ergänzen

Einen weiteren Schwerpunkt legte van der Kamp auf die Behandlung von Rohstoffen und Futtermitteln mit organischen Säuren als Alternative zur früher eingesetzten Formaldehydbehandlung. Vorgestellt wurden flüssige und pulverförmige sowie gepufferte und nicht gepufferte Produkte für unterschiedliche Anwendungen. Die Wirksamkeit hängt dabei von Rohstoff und Einsatzbedingungen ab und muss entsprechend validiert werden. Ein beschriebener Praxisversuch mit einem Rapsrohstoff diente dazu, die erforderliche Dosierung bei definierter Salmonellenbelastung zu bestimmen. Chemische Behandlungen ersetzen aber kein funktionierendes Hygienekonzept. Entscheidend bleibt, wo das Risiko entsteht und wie sich Belastungen und Verschleppungen entlang des Prozesses verhindern lassen.

Gegen Salmonellen reicht eine einzelne Maßnahme nicht

Van der Kamp betonte abschließend, dass sich Salmonellen nicht auf einen einzelnen Prozessschritt reduzieren lassen. Rohstoffqualität, Lieferkette, Lagerung, Verarbeitung, Feuchtigkeitsmanagement und betriebliche Hygiene greifen ineinander. Entscheidend ist nicht nur die einzelne positive Probe, sondern die Frage, wo Salmonellen überleben, sich vermehren oder weiterverbreitet werden können.

Magdalena Esterer
Bild: Cordula Möbius

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