Salmonellen verstehen, überwachen, kontrollieren: Warum Impfmanagement allein nicht reicht
15 April 2026
Stallmanagement
Salmonellen zählen zu den größten Herausforderungen in der Geflügelmast. Ein Experte zeigt, wie Betriebe die Erreger verstehen, gezielt überwachen und mit einem abgestimmten Maßnahmenpaket wirksam kontrollieren.
Dr. Dimitri Radko, technischer Berater beim Tiergesundheitsunternehmenung Elanco, führte bei der Kooperationsveranstaltung „Salmonellenmanagement in der Hähnchenmast“, die vom „Netzwerk Fokus Tierwohl“ gemeinsam mit dem „BroilerNet“ organisiert wurde, systematisch von den biologischen Eigenschaften der Salmonellen über ihre Verbreitungswege bis hin zu konkreten Maßnahmen im Stall – und verortete das Impfmanagement als gezielte, wirksame Intervention innerhalb dieses Gefüges.
Überlebensfähigkeit: Anpassungsfähig und ausdauernd
Salmonellen zeichnen sich durch eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit gegenüber Umwelteinflüssen aus. So können sie im Stallmilieu – etwa im Bodensatz – über mehrere Monate lebensfähig bleiben. Auch im Wasser halten sie sich über Wochen. Niedrige Temperaturen bremsen zwar ihre Vermehrung, führen jedoch nicht zwangsläufig zu ihrem Absterben. Gleichzeitig reagieren sie empfindlich auf hohe Temperaturen und saure Bedingungen, was gezielte Gegenmaßnahmen ermöglicht. Auffällig ist zudem ihre Affinität zu fetthaltigen Substraten: Futterreste und Ablagerungen in technischen Anlagen bieten ideale Bedingungen für ihr Überleben.
Zusammenfassend gilt:
- Empfindlich gegenüber Hitze (über 60 °C) und saurem Milieu
- Bevorzugung fetthaltiger Substrate (beispielsweise Futterreste)
- Teilweise Resistenz gegenüber Desinfektionsmaßnahmen
Epidemiologie: Viele Wege in den Bestand
Der Vortrag machte deutlich, dass Infektionen sowohl vertikal über Elterntiere als auch horizontal innerhalb des Bestandes erfolgen können. Neben Schadnagern und Insekten zählen auch Wildvögel, Wasser, Futter sowie der Mensch selbst zu den potenziellen Überträgern. Auch unbelebte Gegenstände – von Transportkisten bis zu Arbeitsgeräten – können zur Verbreitung beitragen. Charakteristisch ist zudem, dass Infektionen beim Huhn meist ohne klinische Symptome verlaufen. Die Besiedelung erfolgt überwiegend im Blinddarm, wodurch sich Infektionen unbemerkt im Bestand etablieren können.
So verbreiten sich Salmonellen
- Vertikale Übertragung über Elterntiere
- Horizontale Verbreitung im Bestand
- Belebte Vektoren (Schadnager, Insekten, Wildvögel, Menschen)
- Unbelebte Vektoren (Futter, Wasser, Transportkisten, Fahrzeuge, Arbeitskleidung, Schuhe, Geräte)
Monitoring: Systematisch statt zufällig
Ziel des Monitorings ist es, Kontaminationen nicht nur festzustellen, sondern ihre Quellen gezielt zu identifizieren. Zur Überprüfung der Reinigungs- und Desinfektionsleistung eignen sich standardisierte Abklatsch- oder Tupferproben. Nur durch strukturierte und wiederholte Beprobung lassen sich Schwachstellen im System erkennen! Für den Nachweis von Salmonellen in der Umgebung kommen Tupfer, Tücher oder Schwämme zum Einsatz, die gezielt an kritischen Stellen verwendet werden:
- Abklatschproben zur Kontrolle von Desinfektionsmaßnahmen
- Tupferproben auf definierten Flächen
- Tücher oder Schwämme für Umgebungsproben
- Einsatz vorgefertigter, getränkter Probenmaterialien
- Beprobung gezielter Risikobereiche im Stall
Schwachstellen: Wo sich Salmonellen festsetzen
Besonderes Augenmerk legte Dr. Radko auf typische Schwachstellen in der Reinigung und Desinfektion. Gerade in technisch komplexen Stallanlagen entstehen Bereiche, die nur schwer vollständig gereinigt werden können. Dazu zählen insbesondere Futterleitungen mit Ablagerungen, Rohrsysteme, Lüftungskomponenten sowie Heizgeräte. Auch sogenannte „Waschschatten“, also unzureichend erreichte Flächen, bieten Rückzugsorte für Salmonellen.
An diesen Stellen sind oft Salmonellen zu finden
- Futterleitungen mit Futterresten
- Rohrsysteme und schwer zugängliche Leitungen
- Lüftungsanlagen und Ventilatoren
- Heizgeräte (beispielsweise Heizkanonen)
- Technische Anlagen mit Ablagerungen
- Bereiche mit unzureichender Reinigung („Waschschatten“)
Impfmanagement: Gezielte Reduktion der Belastung
Das Impfmanagement dient nicht der vollständigen Eliminierung, sondern der deutlichen Reduktion der Salmonellenbelastung im Bestand. „Ein strukturiertes und wirksames Impfmanagement legt den Grundstein für eine stabile Immunität der Herde.“ Lebendimpfstoffe spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie werden früh im Mastdurchgang eingesetzt und über mehrere Durchgänge hinweg wiederholt. Ihr Vorteil liegt in der gezielten Immunstimulation bei gleichzeitig begrenzter Umweltpersistenz der Impfstämme.
Fazit: Zusammenspiel entscheidet
Salmonellenmanagement ist ein systemischer Ansatz. Die hohe Überlebensfähigkeit der Erreger, ihre vielfältigen Verbreitungswege und die praktischen Herausforderungen im Stall erfordern ein konsequentes, abgestimmtes Vorgehen. Impfmanagement ist dabei ein zentraler Baustein – seine Wirksamkeit entfaltet es jedoch erst im Zusammenspiel mit Monitoring, gezielter Beprobung und der konsequenten Identifikation von Schwachstellen.
Oder anders gesagt: Wer Salmonellen kontrollieren will, muss sie verstehen – und genau dort ansetzen, wo sie sich behaupten.
Magdalena Esterer
Bild:
Cordula Möbius
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