Saubere Ställe, gesunde Bestände: Wie strategische Biosicherheit Salmonellen in der Hähnchenmast eindämmt

12 April 2026
Stallmanagement
Salmonellen

Salmonellen lassen sich nicht mit Einzelmaßnahmen bekämpfen. Entscheidend ist ein durchdachtes Gesamtkonzept. Das zeigte eine Fachveranstaltung von „Netzwerk Fokus Tierwohl“ und „BroilerNet“. Expertin Prof. Dr. Pia Münster machte klar: Nur wer Hygiene, Organisation und Kontrolle verbindet, schützt Tierbestand und Lebensmittelkette wirksam.

Bei der Kooperationsveranstaltung „Salmonellenmanagement in der Hähnchenmast“, die vom „Netzwerk Fokus Tierwohl“ gemeinsam mit dem „BroilerNet“ organisiert wurde, erläuterte Prof. Dr. Pia Münster von der Hochschule Osnabrück, dass ein funktionierendes Salmonellenmanagement kein Einzelbaustein ist, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Stallhygiene, Betriebsorganisation und konsequenter Überwachung.

Biosicherheit beginnt außerhalb des Stalls

Biosicherheit zielt darauf ab, Krankheitserreger gar nicht erst in den Bestand gelangen zu lassen oder ihre Ausbreitung zu unterbinden. Dabei geht es sowohl um die äußere Abschirmung des Betriebs als auch um die innerbetriebliche Absicherung. Gerade der Außenbereich wird dabei häufig unterschätzt, obwohl er eine zentrale Rolle bei der Einschleppung von Erregern spielt.

Die wichtigsten Punkte sind dabei:

  • Betriebsgelände sauber und ordentlich halten
  • Vegetation kurzhalten (Gras, Büsche)
  • feuchte Stellen vermeiden
  • Fahrwege befestigen
  • Wasch- und Schmutzwasser kontrollieren
  • Umgebung regelmäßig prüfen•

Wo Gefahren lauern: Schwachstellen im Betriebsalltag

Die Praxis zeigt, dass Salmonellen äußerst widerstandsfähig sind. Sie können über lange Zeiträume im Boden, im Futter oder in der Stallumgebung überleben und so immer wieder zu Reinfektionen führen. Entscheidend ist dabei die richtige Reihenfolge: Erst muss organischer Schmutz vollständig entfernt werden, bevor Desinfektionsmittel ihre volle Wirkung entfalten können. Dazu gehört auch die kontinuierliche Pflege technischer Anlagen, insbesondere im Bereich der Futter- und Wasserversorgung. Selbst nach gründlicher Reinigung bleiben kritische Punkte bestehen – insbesondere in Bereichen, die schwer zugänglich sind oder in denen sich Feuchtigkeit und organisches Material sammeln (Staub, Feuchtigkeit oder Biofilme). Auch sogenannte „lebende Vektoren“ wie Schadnager oder Insekten spielen eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung der Erreger.

Darauf kommt es an:

  • Gründliche Reinigung vor jeder Desinfektion
  • Futter- und Tränkelinien vollständig säubern
  • Alle Flächen (auch schwer zugängliche) reinigen
  • Passende Desinfektionsmittel einsetzen
  • Futter vor Kontamination schützen
  • Wasserqualität kontrollieren
  • Regelmäßige Kontrolle auf Schädlinge
  • Konsequente Bekämpfung durchführen
  • Gebäude abdichten (keine Schlupflöcher)
  • Dachöffnungen sichern
  • Versteckmöglichkeiten beseitigen

Hygiene beginnt beim Menschen

Ein oft unterschätzter, aber entscheidender Faktor ist der Mensch selbst. Personalhygiene – von der konsequent genutzten Hygieneschleuse bis hin zum klar geregelten Kleidungs- und Stiefelwechsel – gehört zu den wirksamsten Maßnahmen, um den Eintrag von Krankheitserregern zu verhindern. Ebenso wichtig ist die konsequente Umsetzung im Alltag: Hygienekonzepte entfalten ihre Wirkung nur dann, wenn sie nicht als theoretische Vorgabe existieren, sondern im Betrieb „gelebt“ werden. Regelmäßige Schulungen und klare Abläufe sorgen dafür, dass Standards eingehalten und langfristig gesichert werden.

Wichtige Punkte der Personalhygiene:

  • Hygieneschleuse einrichten und konsequent nutzen
  • Stallkleidung und Stiefel wechseln
  • Stalleigenes Equipment verwenden
  • Schwarz-Weiß-Trennung einhalten
  • Desinfektionswannen regelmäßig erneuern

Management entscheidet über den Erfolg

Letztlich zeigt sich: Die besten Hygienemaßnahmen nützen wenig, wenn sie nicht konsequent umgesetzt werden. Biosicherheit muss Teil des täglichen Handelns sein – getragen von klaren Abläufen, geschultem Personal und einer funktionierenden Betriebsorganisation:

  • Hygienemaßnahmen fest im Alltag verankern
  • Mitarbeitende regelmäßig schulen
  • Klare Arbeitsabläufe definieren
  • Schäden sofort beheben
  • Unnötige Gegenstände entfernen

Kontrolle schafft Sicherheit

Ein wirksames Biosicherheitskonzept endet nicht bei der Umsetzung einzelner Maßnahmen. Erst durch regelmäßige Kontrolle, Bewertung und Anpassung wird es zu einem nachhaltigen Instrument im Betrieb:

  • Biosicherheit regelmäßig überprüfen
  • Schwachstellen identifizieren
  • Maßnahmen dokumentieren und anpassen

Ganzheitlich denken, nachhaltig handeln

Die zentrale Botschaft der Veranstaltung ist eindeutig: Salmonellen lassen sich nicht durch Einzelmaßnahmen kontrollieren, sondern nur durch ein ganzheitliches, strategisch geplantes Biosicherheitskonzept. Jeder Betrieb verfügt über individuelle Ansatzpunkte – entscheidend ist, diese zu erkennen und konsequent zu nutzen. Damit wird deutlich, dass effektive Biosicherheit nicht nur ein Schutzschild gegen Krankheitserreger ist, sondern ein integraler Bestandteil moderner, verantwortungsvoller Tierhaltung. Oder, wie es die Referentin zusammenfasst: Wer Infektionsketten unterbricht, schafft die Grundlage für gesunde Tiere – und für sichere Lebensmittel.

Magdalena Esterer
Bild: Cordula Möbius

Reagieren

Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.