Salmonellen: Niederländische Legehennenbranche in der Krise

11 Februar 2025
Legehenne
Salmonellen in den Niederlanden

Die niederländische Eierbranche kämpft mit steigenden Salmonellenfällen, was finanzielle Verluste und Imageprobleme verursacht.

In den Jahren 2023 und 2024 hat der niederländische Legesektor erstmals seit Jahren die EU-Norm für Salmonellen überschritten. Die Branche steht vor einem Rätsel, was die Ursachen der zahlreichen Ausbrüche betrifft. Neben finanziellen Verlusten für die betroffenen Betriebe leidet auch das Image der Branche. Laut der Geflügeltierärztin Fiona Schoemaker vom niederländischen Geflügelgesundheitsdienst müsse dringend gehandelt werden, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Salmonellenfälle in Legehennenbetrieben nehmen drastisch zu

Während die Zahl der infizierten Legehennenherden zwischen 2018 und 2022 bei etwa 30 pro Jahr lag, wurden 2023 etwa 70 Herden mit Salmonella Enteritidis (S.E.) infiziert. Die Infektionsrate lag mit 3,46 Prozent deutlich über der EU-Grenze von 2 Prozent – ein Wert, der auch 2024 überschritten wurde.

Im Falle einer S.E.- oder S.T.-Kontamination dürfen die Eier nicht mehr als Konsumeier verkauft werden.

Kontaminierte Eierschalen im Futter als mögliche Infektionsquelle

Untersuchungen des Nationalen Instituts für Volksgesundheit und Umwelt (RIVM) und anderer Behörden deuten darauf hin, dass kontaminierte Eierschalen, die als Kalziumquelle im Futter dienten, ein möglicher Infektionsweg waren. Die DNA-Profile der gefundenen Salmonellen stimmten mit denen infizierter Personen überein. 

Fehler in der Erhitzung der Eierschalen führten dazu, dass kontaminiertes Futter verteilt wurde. Nachdem der betroffene Verarbeiter Maßnahmen ergriffen hatte, wurden keine weiteren Fälle mit diesem spezifischen DNA-Profil registriert.

Branche zweifelt an Untersuchungsergebnissen

Branchenverbände wie LTO/NOP und NVP äußerten Zweifel an den Ergebnissen der RIVM-Studie und bemängelten fehlende Beweise. Schoemaker hält die Studie jedoch für solide und betont, dass Eierschalen zwar eine wertvolle Kalziumquelle sind, aber auch ein Risiko bergen.

„Als Industrie müssen wir uns selbst um die Salmonellen kümmern, um sie besser in den Griff zu bekommen“, argumentiert Fiona Schoemaker vom niederländischen Geflügelgesundheitsdienst.

Wie sich Salmonellen über Verpackungen und Schädlinge verbreiten

Neben verunreinigtem Futter könnten auch andere Infektionswege eine Rolle spielen. Untersuchungen zeigten, dass sich Salmonellenbakterien auf Verpackungsmaterial und Zwischenlagen befanden. 

Laut Schoemaker müsse die gesamte Eierkette auf Biosicherheit achten, um eine Weiterverbreitung zu verhindern. Besonders wichtig sei es, dass alle Personen, die Ställe betreten, sich vorher duschen und Schutzkleidung tragen. Auch Schädlinge wie Käfer, Fliegen, Mäuse und Ratten können Salmonellen übertragen, weshalb eine konsequente Bekämpfung erforderlich ist.

Neue Impfstrategien und bessere Stallhygiene als Lösungsansätze

Viele Geflügelhalter kämpfen mit wiederkehrenden Infektionen, da es schwierig ist, Ställe nach einer Kontamination komplett salmonellenfrei zu bekommen. Laut Schoemaker gibt es keine universelle Lösung, aber Maßnahmen wie spezielle Reinigungsprotokolle und der Einsatz von Fachfirmen können helfen. Besonders bei Volierensystemen ist die Reinigung aufwendig. Eine bewährte Methode sei das Erhitzen der Ställe, da hohe Temperaturen Salmonellen effektiv abtöten.

In den Niederlanden werden Legehennen heute zunehmend während der Legeperiode geimpft.

Während die Impfung gegen Salmonellen in der Legehennenaufzucht bereits etabliert ist, werden Legehennen nun zunehmend auch während der Legeperiode geimpft. Seit 2023 ist in den Niederlanden ein neuer Impfstoff zugelassen, der mit 55 Wochen verabreicht wird. Obwohl Impfungen keinen vollständigen Schutz bieten, können sie helfen, das Infektionsrisiko zu senken.

Finanzielle Verluste und drohender Image-Schaden für Landwirte

Bei einer Infektion mit Salmonella Enteritidis oder Salmonella Typhimurium dürfen betroffene Eier nicht mehr als Konsumeier verkauft werden, sondern müssen in die Industrie. Zwar waren die Preise für Industrieeier zuletzt stabil, dennoch erleiden die Landwirte finanzielle Verluste. Laut Schoemaker sei es besorgniserregend, dass die Infektionszahlen seit über anderthalb Jahren über der EU-Norm liegen. Dies könne langfristig das Vertrauen der Käufer schädigen und dazu führen, dass sie sich für andere Lieferanten entscheiden.

Forderung nach besseren Untersuchungsmethoden

Um die Ursache der vielen Ausbrüche zu ermitteln, fordert Schoemaker detailliertere Untersuchungen innerhalb der Branche. Beispielsweise könnten alle Salmonellenstämme mittels Whole Genome Sequencing analysiert und Infektionsmuster besser erkannt werden. Zudem sollten betroffene Betriebe standardisierte Fragebögen ausfüllen, um mögliche Zusammenhänge – etwa mit bestimmten Packstationen oder Futtermittellieferanten – zu identifizieren. Sie warnt, dass ohne solche Maßnahmen strengere staatliche Vorschriften drohen könnten.

Laut Schoemaker war Salmonellenbefall in der niederländischen Legehennenbranche jahrelang kein Problem – und die Branche müsse dringend zu diesem Status zurückkehren.

Legehennen sind nicht als Salmonellenträger erkennbar.
Geflügelnews
Bild: Ellen Meinen, Natasja Beverloo, Royal GD, Laura van Kaam, Van Eck Bedrijfhygiene
Quelle: Tom Schotman

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