600 Eier je weißer Legehenne galten lange als Ausnahme. Der niederländische Futtermittelhersteller AgruniekRijnvallei (AR) hält dieses Leistungsniveau künftig für deutlich realistischer. Entscheidend seien eine hohe Persistenz, die passende Fütterung in jeder Lebensphase und eine gesunde Leber.
Mehr als 600 Eier je weißer Legehenne erscheinen für viele Betriebe noch weit entfernt. Doch einzelne Herden zeigen bereits, wohin sich die Leistungen entwickeln können. Ein Kunde des niederländischen Futtermittelherstellers AgruniekRijnvallei (AR) erreichte nach Unternehmensangaben 605 Eier je Henne bis zur 116. Lebenswoche.
Noch sei ein solches Ergebnis außergewöhnlich, sagte Geflügelvertriebsleiter Henno van den Bruinhorst bei einer Fachveranstaltung in Renswoude (Niederlande). Er geht jedoch davon aus, dass sich immer mehr Betriebe diesem Niveau nähern werden.
Dafür spricht aus seiner Sicht vor allem das bessere Durchhaltevermögen moderner Legehennen. Bereits heute gebe es weiße Herden im Alter zwischen 90 und 100 Wochen, deren Legeleistung noch über 90 Prozent liege.
Vier Faktoren entscheiden über 600 Eier
Wer eine Herde lange produktiv halten will, muss nach Einschätzung von AR mehrere Faktoren gleichzeitig beherrschen. Van den Bruinhorst nennt einen guten Start, eine hohe Persistenz, geringe Verluste und eine stabile Schalenqualität.
Auch das Futter spielt dabei eine zentrale Rolle. AR setzt nach eigenen Angaben auf Rohstoffe mit definierten Nährwerten, die im Geflügelfutterwerk in Barneveld getrennt aufbereitet werden.
Doch künftig soll noch stärker mit Daten gearbeitet werden. AR plant, Herden über Abstriche und Blutuntersuchungen zu begleiten. Künstliche Intelligenz soll helfen, diese Daten auszuwerten und schneller Muster zu erkennen.
So könnten Legehennenhalter und Berater früher entscheiden, ob sie beispielsweise die Futterzusammensetzung anpassen sollten. Auch bei der Frage, wie lange sich eine Herde wirtschaftlich halten lässt, könnte KI nach Ansicht des Unternehmens künftig unterstützen.
Van den Bruinhorst betont allerdings, dass diese Entwicklung noch am Anfang steht.
Nicht das Alter, sondern der Bedarf soll das Futter bestimmen
Für Geflügelfutter-Spezialisten Jeffrey de Rooij liegt ein entscheidender Ansatz darin, sich von starren Futterphasen zu lösen. „Wir füttern nach dem Bedarf der Henne und nicht nach ihrem Alter“, lautet sein Grundsatz.
Früher wechselte AR die Rationen stärker nach festen Altersstufen. Heute sollen Hennengewicht, Eigewicht, Futteraufnahme und Leistung darüber entscheiden, welche Zusammensetzung eine Herde benötigt.
Das gilt bereits für den Übergang aus der Aufzucht. Dieser bedeutet für die Tiere ohnehin Stress. Ein kompletter Wechsel von Stall, Umgebung und Futter kann die Belastung zusätzlich erhöhen.
Da Junghennen aus einem Aufzuchtbetrieb häufig an mehrere Legehennenhalter gehen, lässt sich das Futter verschiedener späterer Lieferanten in der Aufzucht kaum parallel einsetzen. AR versucht deshalb, das Startfutter im Legebetrieb an das vorherige Aufzuchtendfutter anzulehnen.
Rohfaser soll die Futteraufnahme vorbereiten
Bereits in der Aufzucht legt sich aus Sicht von De Rooij eine wichtige Grundlage für hohe Lebensleistungen.
AR setzt deshalb im Aufzuchtendfutter vergleichsweise viel Rohfaser ein. Sie soll Magen und Darm der Junghennen entwickeln und den Verdauungstrakt auf hohe Futteraufnahmen vorbereiten.
Das wird spätestens mit Beginn der Legephase entscheidend. Zwischen der 18. und 25. Lebenswoche muss die tägliche Futteraufnahme nach Angaben von De Rooij von etwa 70 g auf rund 120 g je Henne steigen. Gleichzeitig soll das Eigewicht möglichst schnell 53 g oder mehr erreichen, damit die Eier als erste Sortierung vermarktet werden können. Dafür müssen Energie- und Calciumversorgung passen.
AR setzt in dieser Phase zusätzlich auf Fischmehl und ätherische Öle. Fischmehl soll die Futteraufnahme fördern, ätherische Öle sollen die Darmgesundheit unterstützen.
Negative Energiebilanz in der Startphase vermeiden
Mit dem schnellen Anstieg zur Produktionsspitze wächst das Risiko einer negativen Energiebilanz. AR ergänzt das Futter deshalb in dieser Phase unter anderem um Toxinbinder und Komponenten, die die Fettverdauung unterstützen sollen.
Anschließend folgt die von AR als „Sprintphase“ bezeichnete Zeit. Sie dauert so lange, bis das angestrebte Eigewicht erreicht ist. Weiße Hennen erreichen in diesem Abschnitt laut De Rooij 95 gelegte Eier. Die Leistung steigt rasch bis zum Peak, gleichzeitig nehmen Hennengewicht und Eigewicht zu.
Gut verdauliches Protein soll den Peak absichern
In dieser Phase setzt AR bevorzugt auf gut verdauliche Proteinquellen. Dazu gehören Soja und verarbeitetes tierisches Protein. Raps und DDGS verwendet der Futtermittelhersteller dagegen nur in begrenzter Menge. De Rooij begründet das mit der geringeren Verdaulichkeit.
Zugleich erhöht AR die Versorgung mit Aminosäuren und setzt verstärkt Energie aus Fett sowie Linolsäure ein. Das Ziel: Das Eigewicht soll zügig das gewünschte Niveau erreichen. Danach sollen die Hennen ihre hohe Leistung möglichst lange halten.
Nach Angaben von De Rooij legen weiße Hennen bis zu dieser Phase etwa 380 Eier. Das Eigewicht sollte dabei stabil bleiben oder nur noch leicht steigen.
Die Leber wird mit zunehmendem Alter wichtiger
Mit längeren Legeperioden rückt die Lebergesundheit stärker in den Mittelpunkt. De Rooij bezeichnet die Leber als „Motor des Huhns“. Eine gesunde Leber sei entscheidend dafür, dass eine Henne lange lebt und ihre Legeleistung möglichst langsam zurückgeht. AR achtet deshalb darauf, dass die Tiere genügend Energie aus Fett aufnehmen.
Besonders wichtig wird dies in der letzten Produktionsphase, sobald die Legeleistung unter 90 Prozent sinkt. Dann soll vor allem eine Leberverfettung verhindert werden. AR senkt deshalb den Energiegehalt leicht, hält den Fettgehalt aber aufrecht. Zusätzlich setzt das Unternehmen Futterkomponenten ein, die die Leber entlasten sollen. Diese Zusätze seien zwar teuer, sagt De Rooij. Die Mehrkosten könnten sich jedoch rechnen, wenn die Herde dadurch länger produktiv bleibt und mehr Eier je Henne liefert.
Protein und Aminosäuren im Alter vorsichtig reduzieren
Mit zunehmendem Alter sinkt die Eierzahl, während das Eigewicht häufig weiter leicht steigt. Um diesen Anstieg zu bremsen, reduziert AR Protein und Aminosäuren in der Ration. Das dürfe allerdings nicht zu stark geschehen.
Gleichzeitig muss die Schalenqualität stabil bleiben. Dafür setzt AR auf verschiedene Calciumquellen und eine eigens zusammengestellte Mischung für die Eischalenqualität. Auch verarbeitetes tierisches Protein spielt laut De Rooij eine Rolle. AR beobachtet bei Kunden, dass es dabei helfen kann, das Federkleid zu erhalten und Verluste niedrig zu halten. Zudem sei tierisches Protein gut verdaulich und könne die Darmgesundheit unterstützen.
Durch die gestiegenen Sojapreise bringt der Einsatz alternativer Proteinquellen außerdem wirtschaftliche Vorteile. AR beziffert die Einsparung bei VLOG-Legehennenfutter derzeit auf rund 1,25 Euro.
120 g Futter sind nicht für jede Herde nötig
Wie viel eine Legehenne täglich fressen sollte, lässt sich nach Einschätzung von AR nicht pauschal beantworten. Ein Legehennenhalter berichtete auf der Veranstaltung, seine Tiere nähmen im Mittel höchstens 118 g täglich auf.
Der Geflügelernährungsexperte van den Bruinhorst hält das nicht grundsätzlich für problematisch. Entscheidend seien Genetik, Eigewicht und Vermarktung. Wer Eier nach Stück vermarkte und eher leichtere Eier anstrebe, müsse nicht zwingend eine Futteraufnahme von 120 g je Henne erreichen. Andere Herden nähmen dagegen bis zu 125 g täglich auf und produzierten entsprechend schwerere Eier.
Splitfeeding kann die Schale verbessern
Auch Splitfeeding kam auf der Veranstaltung zur Sprache. De Rooij hält das Verfahren grundsätzlich für geeignet, warnt jedoch vor Fehlern im Management. Morgen- und Abendration müssten zuverlässig getrennt gefüttert werden.
Vor allem bei älteren Hennen könne Splitfeeding Vorteile bringen. Ab etwa 80 Wochen könne es die Eischalenqualität verbessern.
Allerdings benötigt der Betrieb dafür zwei Silos. Das bedeutet zusätzlichen technischen Aufwand und höhere Investitionen. Viele Legehennenhalter verzichten deshalb darauf.
Nicht 600 Eier allein entscheiden über den Erfolg
So beeindruckend 600 Eier je Henne klingen: Am Ende muss die Strategie wirtschaftlich bleiben. Darauf wies auch ein Legehennenhalter während der Veranstaltung hin. Entscheidend sei nicht die höchste Eierzahl um jeden Preis, sondern das wirtschaftliche Optimum jeder einzelnen Herde.
Genau dort setzt auch das Fütterungskonzept von AR an: Nicht starre Altersgrenzen sollen die Ration bestimmen, sondern Leistung, Hennengewicht, Eigewicht und Zustand der Herde. Gelingt es, diese Faktoren über eine lange Legeperiode im Gleichgewicht zu halten, könnten 600 Eier je weißer Henne künftig deutlich häufiger erreicht werden.
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