Weniger Deutsche kaufen Fleisch – doch die verbliebenen Käufer greifen stärker zu

01 Oktober 2026
Deutschland
Fleisch Geflügel

Weniger Haushalte kaufen Fleisch, doch die Käufer greifen mengenmäßig stärker zu. Besonders gefragt ist Hähnchen. Gleichzeitig wächst der Markt für Fleischersatz. Das zeigen Daten von Studien, die anlässlich des Weltvegetariertags am 1. Oktober veröffentlicht wurden.

Der Fleischkonsum in Deutschland verändert sich. Zwar hinterfragen viele Verbraucher ihren Konsum und wollen künftig weniger Fleisch essen. Die Einkaufszahlen zeigen bislang jedoch keinen breiten Abschied von Fleisch und Wurst. Im Gegenteil: Die Haushalte, die Fleisch kaufen, nahmen zuletzt größere Mengen mit nach Hause.

Das zeigen Daten von YouGov und dem SINUS-Institut, die anlässlich des Weltvegetariertags am 1. Oktober veröffentlicht wurden. Von Januar bis Juli 2026 kauften demnach 93 Prozent der Haushalte Fleisch oder Geflügel. Die Käuferreichweite lag damit zwei Prozentpunkte niedriger als 2022. Gleichzeitig stieg die gekaufte Menge um 3 Prozent.

Hähnchen liegt beim Fleischabsatz vor Schweinefleisch

Geflügel liegt dabei vorn: Hähnchen kommt laut der Auswertung auf 35 Prozent des Fleischabsatzes. Schweinefleisch folgt mit 32 Prozent. Anders bei den Wurstwaren: Sowohl die Zahl der kaufenden Haushalte als auch die abgesetzte Menge gingen zurück.

Damit ergibt sich ein differenziertes Bild. Fleisch erreicht zwar etwas weniger Haushalte als vor einigen Jahren. Von einem generellen Einbruch der Nachfrage kann anhand der Einkaufsdaten jedoch keine Rede sein.

Jeder vierte Fleischesser will seinen Konsum reduzieren

Die Befragung zeigt zugleich, dass sich die Einstellung zum Fleischkonsum verändert. 27 Prozent der Fleischesser planen, ihren Konsum von Fleisch und Wurst in nächster Zeit zu reduzieren. Nur 2 Prozent wollen mehr davon essen.

43 Prozent der Fleischesser stimmen zudem der Aussage zu, dass es ihnen guttun würde, weniger Fleisch, Wurst und Fisch zu konsumieren.

Ein vollständiger Verzicht kommt allerdings nur für einen Teil dieser Verbraucher infrage. Von den Befragten, die weniger tierische Produkte essen möchten, erwägen 22 Prozent eine vollständig vegetarische Ernährung. 14 Prozent ziehen eine vegane Ernährung in Betracht.

Flexitarische Ernährung gewinnt an Bedeutung

YouGov-Expertin Petra Süptitz sieht deshalb weniger einen breiten Trend zu Vegetarismus oder Veganismus. Stattdessen gewinne eine flexitarische Ernährung an Bedeutung.

Flexitarier verzichten nicht vollständig auf Fleisch. Sie reduzieren ihren Konsum bewusst und essen nur gelegentlich Fleisch. Für viele Verbraucher steht damit offenbar nicht der komplette Verzicht im Vordergrund, sondern ein bewussterer Umgang mit tierischen Lebensmitteln.

Mehr Haushalte greifen zu Fleischersatz

Parallel wächst allerdings der Markt für Alternativen. Knapp 35 Prozent der Haushalte kauften 2026 mindestens einmal Fleischersatzprodukte. Das ist laut Auswertung der höchste Wert seit 2022.

Besonders deutlich legten Produkte wie Tofu und Falafel zu. Der Umsatz dieser Kategorie stieg um 38 Prozent. Bei fleischähnlichen Ersatzprodukten wie vegetarischer oder veganer Wurst betrug das Umsatzplus gut 6 Prozent.

Insgesamt geben 58 Prozent der Befragten an, bereits Fleischersatz probiert zu haben.

Preis und Zusatzstoffe bremsen Fleischersatz

Der weiteren Verbreitung stehen aus Sicht vieler Verbraucher jedoch zwei Faktoren entgegen. 61 Prozent halten Fleischersatzprodukte für zu teuer. 64 Prozent haben den Eindruck, dass viele vegetarische und vegane Alternativen zu viele Zusatzstoffe enthalten.

Die Ergebnisse zum Weltvegetariertag zeigen damit zwei parallele Entwicklungen: Viele Verbraucher beschäftigen sich stärker mit ihrem Fleischkonsum und Fleischersatz erreicht mehr Haushalte. Gleichzeitig bleibt Fleisch für die große Mehrheit Bestandteil des Einkaufs – und bei der abgesetzten Menge hat Hähnchen derzeit die Nase vorn.

Geflügelnews, Proplanta
Bild: Adobe-Stock_Africa Studio

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