Biosicherheit: Es gibt noch viel zu optimieren

21 Februar 2024
Biosicherheit
Biosicherheit Raederscheidt

Die Vogelgrippe ist mittlerweile eine ganzjährige Bedrohung für Geflügelbetriebe. Biosicherheit bleibt oberstes Gebot. In Nordrhein-Westfalen gab es ein Projekt zum aktuellen Stand. Es gibt aber noch viel Optimierungspotenzial.

Die Vogelgrippe hat in den vergangenen Jahren viel Geld gekostet. Das gilt nicht nur für Geflügelbetriebe, sondern ebenso für öffentliche Kassen bis hin zur EU. Im neuen EU-Tiergesundheitsgesetz ist denn auch verankert, dass Tierhalterinnen und Tierhalter dafür verantwortlich sind, das Risiko der Ausbreitung einer Tierseuche zu minimieren. Zudem müssen sie Kenntnisse über Tierseuchen, Zoonosen und Biosicherheitsmaßnahmen aufweisen.

Projekt mit der Tierseuchenkasse NRW

Die Tierseuchenkasse Nordrhein-Westfalen fördert ein Projekt, bei dem der aktuelle Stand in Sachen Biosicherheit (Durchführung und Kenntnisstand) auf Praxisbetrieben ermittelt werden sollte. Luisa Raederscheidt vom Studienschwerpunkt angewandte Geflügelwissenschaften (StanGe) an der Hochschule Osnabrück betreute das Projekt. Sie stellte die Ergebnisse auf dem 11. Osnabrücker Geflügelsymposium vor.

Besucht und interviewt wurden im Rahmen des Projekts 16 Praxisbetriebe in Nordrhein-Westfalen mit ganz unterschiedlichen Bestandsgrößen (4.400 bis 269.000 Tierplätzen). Darunter waren sowohl Hähnchenmast-, als auch Legehennen- und Putenmastbetriebe. Dabei gab es interessante Ergebnisse (Grafik).

 

Ergebnisse Umfrage Biosicherheit

Überwiegend im „grünen Bereich“ lagen die auf den Betrieben abgefragten Bereiche Schädlingsbekämpfung, bauliche Gegebenheiten und das Tränkwassermanagement. Die meisten Schwachstellen gab es beim Kadavermanagement, gefolgt von der Salmonellenprävention und den Hygienemaßnahmen im Betrieb. Letztes betraf vor allen die Ausgestaltung und die Handhabung der Hygieneschleuse.
Luisa Raederscheidt listete zum Thema Mängel im Kadavermanagement folgende Punkte auf:

  • Kadaverlagerstätte am Stall
  • Entsorgungsfahrzeuge müssen auf das Betriebsgelände fahren
  • Keine flüssigkeitsdichte Befestigung des Kadaverlagerplatzes
  • Kadaverentfernung über die Hygieneschleuse
  • Keine ordnungsgemäße Reinigung und Desinfektion der Kadaverbehälter.

Mängel bei der Salmonellen-Prävention

Zur Salmonellenprävention im Freiland-Legehennenbetrieb gehören ein jährliches Kalken der Fläche mit anschließender Leerstehzeit. Hier gab es laut Luisa Raederscheidt häufiger Mängel, ebenso bei der Probennahme für das Salmonellen-Monitoring.

Eine gute Handhabung und eine gesetzeskonforme Ausstattung der Hygieneschleuse zwischen Stall und Betriebsgelände gehört zu den wichtigsten Punkten bei der Biosicherheit. Auch hier gab es Mängel: Die Straßenkleidung wurde nicht immer komplett gewechselt oder ausreichend oft gewaschen. Außerdem fehlten zum Teil Handwaschbecken, Mülleimer oder eine Möglichkeit zur Schuhdesinfektion.
Ebenso gab es Mängel bei der Futter- oder Einstreulagerung: Die Lagerstellen waren nicht überall schadnager- und wildvogelsicher.

Grundsätzlich ist zu beachten, dass im Falle eines AI-Ausbruches Kürzungen der TSK-Leistungen drohen, wenn tierseuchenrechtliche Vorschriften (u.a. Geflügelpest-VO, Salmonellen-VO, Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz) nicht eingehalten werden (Tabelle).

Festgestellte k.o.-Kriterien* in Betrieben

Insgesamt 15 untersuchte Betriebe

Untersuchte Kategorie Betriebe mit min. einem k.o.-Kriterium je Kategorie
Bauliche Gegebenheiten 0
Futter, Einstreu, Beschäftigungsmaterial 4
Kadaverlagerung 7
Logistik 3
Personal und Besucher 1
Schädlingsbekämpfung 1
Hygienemaßnahmen (Hygieneschleuse) 4
Reinigung und Desinfektion 1
Tiergesundheit 3
Salmonellenprävention 7
Trinkwassermanagement 0
Impfmanagement 0

*Tierseuchenrechtliche Verstöße, Quelle: Luisa Raederscheidt

Putenhalter schnitten am besten ab

Als Resümee aus dem Projekt stellte Luisa Raederscheidt fest, dass hinsichtlich Biosicherheit vieles schon gut läuft, jedoch die Betriebe auch noch einige Schwachstellen (z. T. gesetzeswidrig) aufweisen. Hinsichtlich der Kompetenzen wiesen die Putenhalter die höchsten Kenntnisse in Sachen Biosicherheit auf.

Grundsätzlich gebe es jedoch noch viel Bedarf für Fort- und Weiterbildungen. Das könnte etwa die Erstellung risikoorientierter Hygienekonzepte für den eigenen Betrieb sein, die über ein regelmäßiges Controlling abgeprüft werden.

Basierend auf den gesammelten Erfahrungen auf den Betrieben wurde ein Pilotkurs entwickelt und durchgeführt, um ein bedarfsgerechtes Angebot für die Praxis zu schaffen.

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Kristoffer Finn

Reagieren

Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.