Biosicherheit: Kritische Kontrollpunkte bei Legehennen

09 September 2024
Legehenne
Biosicherheit Legehennen

Aktuell lassen sich Tierärzte in Niedersachsen für Biosicherheitsberatungen in Geflügelbetrieben schulen. Diese sind in Kürze kostenfrei zu buchen. Die Tierseuchenkasse bezahlt sie. Bei den Schulungen geht es u.a. um kritische Kontrollpunkte. Dr. Thorsten Arnold beleuchtet die Hennenhaltung.

Ein neues EU-Tiergesundheitsrecht (Animal Health Law = AHL) verpflichtet die Tierhalterin oder den Tierhalter, wirksame Biosicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor biologischen Gefahren auf ihrem/seinem Betrieb zu ergreifen. Dies gilt insbesondere in Hinblick auf Tierseuchen wie die Geflügelpest. In Niedersachsen bezahlt die Tierseuchenkasse eine entsprechende Beratung der Betriebe.
Tierärzte in Niedersachsen, die diese Beratung durchführen wollen, lassen sich aktuell dafür schulen. Auf der ersten Schulung beleuchtete Geflügelfachtierarzt Dr. Thorsten Arnold, Ankum (Landkreis Osnabrück), kritische Punkte bezüglich der Biosicherheit in Legehennenhaltungen: „Grundsätzlich gibt es schon hohe Standards in den meisten Betrieben, ein paar Schwachstellen fallen jedoch öfter mal auf“, so der Fachtierarzt. Dazu gehören:

  • Der hintere Stallausgang

Im Unterschied zum Broilerstall gibt es bei Legehennenställen, insbesondere bei älteren Ställen, sehr häufig hinten im Stall einen zweiten Ausgang. Vorne am Stalleingang ist mit der Hygieneschleuse etc. in der Regel alles im „grünen Bereich“. Nicht im Blick ist oft der hintere Ausgang zum Kotlager. „Da schaut man schnell mal zwischendurch nach, ob der Container oder der Wagen schon voll ist und verlässt dafür den Stall ohne die Stiefel zu wechseln.“

  • Regenwasser am Abluftkamin

Bei seiner Arbeit sieht Dr. Thorsten Arnold häufiger mal Abluftkamine, bei denen die Auffangschale für Regenwasser ganz fehlt oder kaputte Stellen hat: „Regenwasser wird dann einfach vom Dach in den Stall gespült, das ist eine Gefahrenquelle.“

  • Lagerung Beschäftigungsmaterial

Seitdem Legehennen nicht mehr schnabelbehandelt werden, spielt Beschäftigungsmaterial eine wichtige Rolle und verschiedenste Materialien kommen in den Stall - Luzerne, Stroh, Picksteine oder Ytong-Steine: „Die Lagerung dieser Materialien ist oft noch nicht optimal“, so der Tierarzt: „Da sieht man auch schon mal Paletten mit Ytong-Steinen draußen stehen ohne Abdeckung.“

  • R+D Lüftungsanlage

Bei der Reinigung und Desinfektion nach einem Durchgang darf die Lüftungsanlage nicht vergessen werden. Ventilatoren, Zu- und Abluftkanäle müssen von Staub und Schmutz gereinigt werden.  

  • Wildvögel am Löschteich

Wildvögel sind immer potenzielle Krankheitsüberträger. Seit ein paar Jahren ist die Geflügelpest endemisch bei Wildvögeln in hiesigen Regionen. Kritisch sieht Dr. Arnold diesbezüglich Löschteiche, die in einigen Bundesländern in Stallnähe gefordert werden. Sie sind ein Anziehungspunkt für Wildvögel. Ferngehalten werden können sie, so ein Tipp, indem ein paar Drähte über den Teich gespannt werden. Diese hindern Enten und Gänse, dort zu landen.  

  • Stiefkind Desinfektionswanne

Dr. Thorsten Arnold ist „bekennender Gegner“ von Desinfektionsmatten am Stalleingang. Er rät unbedingt zur Nutzung von Desinfektionswannen. Hierfür eignen sich sehr gut auch Fleischerkisten. Die Wannen sollen einmal täglich gereinigt und mit frischem Desinfektionsmittel in richtiger Dosierung (!) befüllt werden. Bei der Wahl des Desinfektionsmittels sollte auf jeden Fall die DVG-Liste berücksichtigt werden.  

Immer mal wieder sehe man Desinfektionsmatten oder -wannen draußen vor der Stalltür stehen. „Dort sind sie Witterungseinflüssen ausgesetzt, die Ihre Wirksamkeit stark beeinträchtigen, das bringt dann überhaupt nichts“, so der Tierarzt.  

  • Kadaverlagerung

Die Kadaverlagerung ist immer wieder ein kritischer Bereich. Eine gute Lösung ist es, wenn die Kadaverlagerung direkt am Übergang Betriebsgelände/öffentliche Straße steht, möglichst auf befestigten Platz und eingehaust und das Abholfahrzeug das Betriebsgelände gar nicht befahren muss. Eine Kühlung der Kadaverbehältnisse ist unbedingt empfehlenswert. Dafür eignen sich auch gut Kühltruhen. Aber auch hier gilt: Sie müssen ordentlich betrieben werden, sprich, nach Leerung gereinigt werden und nicht für andere Zwecke genutzt werden.

  • Stallnaher Bereich

Im Sinne einer vorbeugenden Schadnagerbekämpfung sollte der Bereich direkt am Stall freigeschnitten und mit -möglichst gebrochenem- Schotter befüllt sein. Eine Matte unter dem Schotter ist eine zusätzliche Sperre. Die Schadnagerbekämpfung gehört ansonsten in professionelle Hände.

  • Sonderfall Mobilstall

Auch im Mobilstall sollte es einen Vorraum als Hygieneschleuse geben. Auch auf kleinstem Raum lassen sich Desinfektionswanne, Platz für Schuhwechsel, Waschbecken und Haken für den Kleidungswechsel unterbringen. Eine Alternative ist ein Container vor dem Mobilstall als Hygieneschleuse.

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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Bild: Kristoffer Finn

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