Langlebige Legehennen: Warum Gesundheit und Management der Schlüssel für den Erfolg sind

30 April 2026
Legehenne
Biolegehennen Finn

Wie bleiben Legehennen länger leistungsfähig? Geflügeltierarzt Dr. Thorsten Arnold erklärt: Futter allein reicht nicht. Wer Tiere länger halten will, muss Gesundheit sichern, Abläufe beherrschen und konsequent handeln.

Geflügeltierarzt Dr. Thorsten Arnold zeigte bei einem Fachvortrag im Rahmen einer Veranstaltung des Netzwerkes Fokus Tierwohl auf, dass eine längere Haltung von Legehennen mehr benötigt als gutes Futter. Vielmehr ist es ein Zusammenspiel aus Gesundheit, Management und Disziplin – und manchmal auch die Bereitschaft, unbequeme Maßnahmen konsequent umzusetzen.

Die fünf Säulen der Langlebigkeit

Wer die Nutzungsdauer von Legehennen verlängern will, kommt an den fünf zentralen Punkten 

  • stabile Tiergesundheit, 
  • gute Befiederung,
  • geringe Parasitenbelastung
  • ausgewogene Nährstoffversorgung und
  • konsequentes Management

nicht vorbei. Die Tiergesundheit steht dabei an erster Stelle, die mit konsequenter Biosicherheit beginnt und über Impfprogramme bis hin zu stallindividuellen Prophylaxestrategien reicht. Viele Krankheiten lassen sich zwar behandeln, aber am besten ist es, wenn sie gar nicht erst auftreten.

Biosicherheit: Der unterschätzte Faktor

Die Biosicherheit wird im Alltag oft unterschätzt. Dabei entscheidet sie nicht nur über einzelne Krankheitsausbrüche, sondern über das gesamte Gesundheitsniveau eines Bestandes.

„Wenn ich eine gute Biosicherheit habe, habe ich natürlich insgesamt auch eine bessere Tiergesundheit“, betont Dr. Arnold.

Besonders kritisch sind die sogenannten Infektketten. Krankheitserreger gelangen nicht zufällig in den Stall, sondern werden aktiv verschleppt – über Menschen, Fahrzeuge oder Materialien. Da schon kleinste Mengen ausreichen, ist ein konsequenter Kleidungswechsel, Hygiene, klare Betriebsabläufe und die Sensibilität für scheinbare Kleinigkeiten unabdingbar.

Impfungen: Kein Allheilmittel, aber unverzichtbar

Dr. Arnold betont die Notwendigkeit der Immunprophylaxe. Impfungen können zwar nicht jede Infektion verhindern, aber sie reduzieren die Folgen drastisch. Er verweist auf aktuelle Beispiele, bei denen geimpfte Bestände bei Newcastle-Ausbrüchen nur etwa zwei Prozent Verluste verzeichneten, hingegen bei ungeimpften Kleinbeständen bis zu 100 Prozent. „Das ist ein Impfschutz von 98 Prozent“, so Dr. Arnold.

Der Start prägt die gesamte Legeperiode

In der Anfangsphase nach der Einstallung wird Dr. Arnold zufolge der Grundstein für die gesamte Produktionsperiode gelegt. Die Tiere müssen schnell lernen, wo sie Futter, Wasser und Nester finden, sonst drohen langfristige Probleme wie schlechte Gewichtsentwicklung, geringe Uniformität und spätere Leistungseinbußen. Hilfsmittel wie zusätzliche Leitern oder eine intensive Beobachtung der Tiere sind dabei keine Nebensächlichkeiten, sondern entscheidende Managementinstrumente.

Futter, Wasser, Management – die unterschätzten Klassiker

Neben großen Themen wie Seuchen oder Impfprogrammen sind es oft die Basics, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Dr. Arnold formuliert es bewusst simpel:

"Kein Futter, kein Wasser, keine Eier."

Doch genau hier passieren in der Praxis immer wieder Fehler, indem aus Kostengründen Futterwechsel durchgeführt werden, die Wasserhygiene vernachlässigt wird oder technische Probleme im Stall auftreten. Gerade abrupte Futterumstellungen sieht der Tierarzt kritisch.

Parasiten bremsen die Leistung unbemerkt

Ein weiteres zentrales Problem sind Parasiten – insbesondere Würmer und Milben, die schlechtere Futterverwertung, Federpicken, Krankheitsanfälligkeit und sinkende Legeleistung auslösen können. Besonders drastisch sind die indirekten Folgen:

  • bakterielle Sekundärinfektionen,
  • Schwarzkopfkrankheit,
  • bis hin zu Todesfällen.

Und auch für Verbraucher können die Folgen sichtbar werden – etwa durch Würmer im Ei. Ein Szenario, das Betriebe unbedingt vermeiden müssen.

Zwischen Tierwohl, Wirtschaft und Seuchenschutz

Dr. Arnold zeigt Verständnis für die Herausforderungen der Praxis – etwa für Züchter, die unter strengen Biosicherheitsmaßnahmen leiden. Der Spagat zwischen Tierwohl, Wirtschaftlichkeit und Seuchenschutz bleibt eine Daueraufgabe. Nichtsdestotrotz plädiert er für mehr Prävention, mehr Kontrolle und mehr Bewusstsein.

Fazit: Viele kleine Stellschrauben – ein großes Ziel

Dr. Arnold betonte, dass es nicht DEN einen Hebel für längere Nutzungsdauer gibt. Stattdessen sind es viele Faktoren, die ineinandergreifen – von der Fütterung bis zur Stallhygiene. Oder, wie Dr. Arnold es zusammenfasst:

"Wenn das Management nicht funktioniert, geht es nicht."
Magdalena Esterer
Bild: Kristoffer Finn
Quelle: Netzwerk Fokus Tierwohl

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