In einer neunteiligen Fachserie beleuchten wir mit Dipl.-Ing. agr. Frank von der Haar, staatlich anerkanntem Desinfektor aus dem Landkreis Osnabrück, alle entscheidenden Aspekte rund um Tränkewasser, Eigenwasserversorgung, Hygiene, Medikation und Futterkontamination. In Teil 6 dreht sich alles um die Hygiene: Wer die Wasserhygiene in der Geflügelmast verbessert – durch Ansäuerung, technische Optimierung und passende Desinfektion – steigert Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit messbar.
Inhalte der Serie auf einen Blick
- Tränkewasser im Stall: Warum Hygiene und Qualität zusammengehören
- Eigenbrunnen oder Versorger: Was wirtschaftlich und rechtlich zählt
- Wasserleitungen im Fokus: Schwachstellen im System erkennen
- Tränkeversorgung optimieren: Technik und Materialien richtig einsetzen
- Eigenwasser sicher nutzen: Planung von Brunnen bis Pumpe
- Geflügelmast und Wasserhygiene: Biofilm, Keime und Ansäuerung
- Medikation über Wasser: Dosierung, Hygiene, Technik
- Wasser- und Dosiertechnik: Auswahl mit System
- Futterhygiene und Hygieneplan: Infektionsquellen richtig managen
Wasser ist der wichtigste Nährstoff in der Geflügelmast – und zugleich eine potenzielle Infektionsquelle. In einem Online-Seminar des Netzwerks Fokus Tierwohl zeigte Frank von der Haar, staatlich anerkannter Desinfektor, welche Maßnahmen im Stallalltag die Tränkewasserqualität entscheidend verbessern können.
Ob Biofilm, Brunnenfadenbakterien oder Lufteintrag – wer das Problem an der Wurzel anpackt, profitiert doppelt: gesündere Tiere und bessere Mastleistungen.
Schleim und Biofilm: So entstehen Hygienerisiken im Leitungssystem
Wasser gilt als wichtigster Nährstoff in der Geflügelmast – und ist zugleich ein potenzieller Risikofaktor. Ein unsauberes Tränkesystem beeinträchtigt nicht nur die Tiergesundheit, sondern kann zu gravierenden Leistungs- und Wirtschaftlichkeitsverlusten führen. Ein zentrales Problem: das Brunnenfadenbakterium.
Es ist natürlicherweise im Wasser vorhanden, wuchert jedoch bei schwacher Ansäuerung, unzureichender Desinfektion und unter Einfluss von UV-Strahlung. Diese Wucherungen dienen als Nahrung für Algen, wodurch schleimige Beläge in Tränkeleitungen und massive Verstopfungen verursacht werden.
Ziehharmonikaeinsätze in Leitungen stellen regelrechte Keimschleudern dar, da in den Falten nicht genug Wasserdurchfluss herrscht und so ein idealer Nährboden für Biofilme besteht. Ersetzt man diese Einsätze durch transparente Rohrstücke, lässt sich sehr einfach optisch kontrollieren, ob Luft- oder Trübungseinträge vorhanden sind. Gerade in Niederdrucksystemen, wie sie in Geflügelställen üblich sind, sind Lufteinträge ein häufiges Problem.
Ansäuerung im Praxistest: Weniger Keime, bessere Futterverwertung
Frank von der Haar berichtet von Praxisversuchen mit einer konsequenten Wasseransäuerung mit einem pH-Wert von unter 4 sowie einem Redoxpotenzial von über 600 mV. In sieben Versuchsdurchgängen mit zehn Ställen zeigte sich, dass sauberes, keimarmes Wasser Biofilmbildung verhindert. Im Ergebnis ließ sich eine um 0,3 % verbesserte Aufzuchtrate (vorher: 97,7 %), ein leicht gesteigertes Endgewicht (+26 g) bei homogenerem Tierwachstum und eine bessere Futterverwertung (von 1,57 auf 1,52) feststellen. Besonders bemerkenswert war die drastische Reduktion von Kokzidien- und Coli-Problemen – mit 80 bis 100 % weniger Behandlungsbedarf.
Desinfektionsmittel im Vergleich: Was im Stall wirklich wirkt
In der Wasserhygiene werden verschiedene Wirkstoffgruppen eingesetzt. Chlorverbindungen wie Chlordioxid oder hypochlorige Säure zeigen gute Wirkung, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich Wirkfenster und Rückstandsverhalten. Wasserstoffperoxid und Peressigsäure wirken schnell, müssen aber in komplexen Leitungssystemen häufiger angewendet werden. Die Stabilisierung mit Silber – ehemals verbreitet – ist in Deutschland inzwischen unzulässig. Andere Mittel wie Pentakalium-bis(peroxymonosulfat) sieht Frank von der Haar kritisch, da sie Rückstände hinterlassen und es sich eigentlich um Oberflächendesinfektionsmittel handelt.
Fazit: Wer in Wasserqualität investiert, senkt nicht nur Tierverluste und Behandlungen, sondern verbessert nachweislich Leistung und Wirtschaftlichkeit des gesamten Bestands.
Dies ist Teil 6 unserer neunteiligen Serie › Wasserversorgung in der Tierhaltung‹. Hier geht’s zu Teil 1, 2, 3, 4, 5, 7, 8, 9




































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