Wasserleitung im Stall: Wenn das eigene System zur Gefahr wird

22 Juli 2025
Wasser
Wasserversorgung Geflügel Leitungen

In einer neunteiligen Fachserie beleuchten wir mit Dipl.-Ing. agr. Frank von der Haar, staatlich anerkanntem Desinfektor aus dem Landkreis Osnabrück, alle entscheidenden Aspekte rund um Tränkewasser, Eigenwasserversorgung, Hygiene, Medikation und Futterkontamination. In Teil 3 unserer Serie „Wasserversorgung in der Tierhaltung“ geht es um Schwachstellen im Wassernetz, welche die Versorgung massiv stören und die Tiergesundheit gefährden können – von veralteten Leitungen bis Biofilm.

Inhalte der Serie auf einen Blick:

Alte Leitungen und fehlerhafte Verteilungen sind häufige Risiken

In vielen Ställen liegt die Wasserleitung sprichwörtlich unter der Oberfläche – und mit ihr oft die Ursache für unerklärliche Störungen oder Keimeintrag. Frank von der Haar, Desinfektor und Tierhaltungsberater aus dem Landkreis Osnabrück, erklärte im Online-Seminar des Netzwerks Fokus Tierwohl, auf welche Schwachstellen im betriebseigenen Wassernetz Landwirte besonders achten sollten.

Von veralteten Zuleitungen über ungünstige Umbauten bis hin zu Biofilm im Rohr: Die Probleme sind oft unsichtbar – die Folgen aber fatal.

In vielen Betrieben läuft die Wasserversorgung im Verborgenen – buchstäblich unter der Oberfläche. Erst wenn es zu Funktionsstörungen, unerklärlichen Ausfällen oder hygienischen Problemen kommt, rückt die Leitungstechnik in den Fokus. Eine systematische Ursachenforschung zeigt: Häufig sind es nicht spektakuläre Schäden, sondern kleine Schwachstellen und ungünstige Umbauten, die langfristig große Probleme verursachen.

Ein erster kritischer Blick gilt der Wasserzuleitung: Wurde sie jemals erneuert? Ist sie noch auf dem Stand der Technik? Alte oder schlecht gewartete Leitungen können die Ursache für Druckschwankungen, Ablagerungen oder sogar Keimeintrag sein. Hinzu kommen vielfach suboptimal geplante Wasserverteilungen.

Druckverlust durch Wasserzähler & Absperrhähne nicht unterschätzen

Viele Versorgungsleitungen sind großzügig dimensioniert, doch Engpässe entstehen oft durch eingesetzte Wasseruhren, Druckminderer, Absperrhähne oder Filter – gerade wenn die Versorgerleitung erst im Wohnhaus ankommt und dann in den Stall geführt wird. Die eingesetzten Wasseruhren haben dann oft nicht genug Durchsatz und führen zu Druckverlusten. Bei hohem Wasserbedarf kann das zum Problem werden – durch Belüftung im Leitungsnetz (Erregereintrag).

Biofilm im Rohr: So erkennen und vermeiden Sie Keimherde

Der sogenannte Biofilm (Ablagerungen an der Rohrwandung) bietet ideale Bedingungen für Keime. Hier können sich innerhalb weniger Stunden Millionen von Bakterien pro Quadratmillimeter ansiedeln. Deshalb ist es entscheidend, das Rohrnetz im Stall regelmäßig zu kontrollieren. Tote Abzweigungen sollten vermieden werden und technische Hilfsmittel wie Sichtgläser oder Leitwertmessgeräte können helfen, die Wasserqualität kontinuierlich im Auge zu behalten.

Fazit: Das System ganzheitlich denken

Jedes noch so kleine Bauteil kann das gesamte Wasser-Versorgungssystem aus dem Gleichgewicht bringen. Wer die Wasserinfrastruktur seines Betriebs ganzheitlich betrachtet, entdeckt oft überraschende Ursachen für wiederkehrende Probleme. Eine konsequente Überprüfung, gezielte Modernisierung und der bewusste Einsatz zugelassener Materialien und Technik sind entscheidend für eine stabile, hygienische und wirtschaftlich sinnvolle Wasserversorgung.

Dies ist Teil 3 unserer neunteiligen Serie › Wasserversorgung in der Tierhaltung‹. Hier geht’s zu Teil 1,2, 4, 5, 6, 7, 8, 9 

Magdalena Esterer
Bild: Christa Diekmann-Lenartz

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