EuroTier-Silbermedaille – und jetzt? Omegga beweist sich in der Praxis

07 August 2026
Deutschland
Omegga

Eine Silbermedaille bei der EuroTier ist das eine – der Praxiseinsatz das andere. Omegga hat in nur zwei Jahren beides geschafft: Das Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brutei wird inzwischen in einer ersten Brüterei vollständig eingesetzt. Der Entwickler, ein Start-up aus München, zeigt, wie schnell Forschungs-Innovationen in der Praxis Anwendung finden können.

Die diesjährige EuroTier findet im November wieder in Hannover statt. Vor zwei Jahren gehörte Omegga mit seiner Technologie zur Geschlechtsbestimmung im Brutei zu den Gewinnern einer Silbermedaille. Gold- und Silbermedaillen werden dort für herausragende Innovationen verliehen. Nicht jede ausgezeichnete Entwicklung schafft anschließend den Sprung in die Praxis. Bei Omegga ist dieser Schritt gelungen: Eine erste Brüterei in Nordrhein-Westfalen arbeitet bereits mit der Technologie, eine zweite soll voraussichtlich im Herbst folgen.

Nicht-invasiv und vor dem 7. Bruttag

In Deutschland gehört die Technologie von Omegga zu den vier Verfahren, die aktuell in Legehennen-Brütereien zur Geschlechtsbestimmung im Brutei eingesetzt werden. Das Verfahren arbeitet nicht-invasiv, das heißt, die Eischale bleibt während der gesamten Untersuchung unversehrt.

Grundlage ist eine optische, KI-gestützte spektroskopische Messmethode. Sie nutzt aus, dass weibliche und männliche Embryonen Licht unterschiedlich absorbieren. Dadurch kann das Geschlecht bereits vor dem 7. Bruttag bestimmt werden und damit früher als bei anderen derzeit am Markt verfügbaren Verfahren.

Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass die Messtechnik direkt in den Brutschrank integriert ist. Die Bruteier werden für die Messungen nicht entnommen. Damit beginnt das System ab dem 3. Bruttag und erfasst bis zum Ende des 6. Bruttages in regelmäßigen Abständen – etwa alle drei bis fünf Stunden – spektrometrische Daten jedes einzelnen Eis.

KI-gestütztes System lernt kontinuierlich

Die Messdaten werden in ein Cloud-System übertragen und dort mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) ausgewertet. So kann das Geschlecht bis zum Ende des 6. Bruttages bestimmt werden. Aktuell erreicht das System eine Spitzengenauigkeit von 95 Prozent. Nach Angaben des Unternehmens verbessert sich die Genauigkeit kontinuierlich, da die KI mit zunehmender Anzahl an Trainingsdaten fortlaufend dazulernt.

Die erste Brüterei in Deutschland wurde Ende vergangenen Jahres vollständig mit der Technologie ausgestattet. „Dadurch wachsen unsere Trainingsdatensätze jetzt sehr schnell. Wir beobachten bereits von Monat zu Monat Verbesserungen bei der Genauigkeit”, erklärt Shirley Schweiger von Omegga.

Am 7. Bruttag werden die Horden mit den Bruteiern aus dem Brutschrank entnommen. Je nach Ausstattung der Brüterei können die Eier anschließend mithilfe einer speziell entwickelten Sortierlösung automatisiert oder durch technische Unterstützung vereinfacht manuell sortiert werden. Neben männlichen Embryonen erkennt das System auch unbefruchtete Eier sowie abgestorbene Embryonen, die ebenfalls aussortiert werden können.

Mehr Kapazität im Brutschrank

Die frei werdenden Plätze in den Horden können anschließend wieder mit befruchteten Eiern belegt werden. Dadurch lässt sich die vorhandene Brutkapazität deutlich besser nutzen. Nach Unternehmensangaben ist eine Kapazitätssteigerung von 30 Prozent möglich. Da viele Brütereien im Wochenrhythmus arbeiten, lässt sich die Technologie gut in bestehende Arbeitsabläufe integrieren.

Neben der Geschlechtsbestimmung erfasst das System im Brutschrank zusätzlich verschiedene Umgebungsparameter wie beispielsweise Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftströmung an unterschiedlichen Positionen. Diese Daten können den Brütereien im Nachgang wertvolle Hinweise liefern, um mögliche Ursachen für abgestorbene oder nicht ausreichend entwickelte Embryonen besser zu analysieren.

Bessere Verwertung aussortierter Eier

Einen wichtigen Vorteil der frühen und nicht-invasiven Geschlechtsbestimmung sieht Omegga darin, dass aussortierte männliche Bruteier für verschiedene Weiterverwertungsmöglichkeiten infrage kommen können. So können sie  beispielsweise für die Herstellung bestimmter Impfstoffe genutzt werden. Die frühe und nicht-invasive Bestimmung des Geschlechts schafft dafür die Voraussetzungen. So könnten die aussortierten Bruteier eine neue Nutzung erfahren. 

Während die Geschlechtsbestimmung im Brutei in der konventionellen Legehennenzucht inzwischen weitgehend etabliert ist, wird sie im ökologischen Landbau weiterhin intensiv diskutiert. Der Bioverband Biokreis hat die Geschlechtsbestimmung bis zum 9. Bruttag inzwischen für seine Betriebe zugelassen. Naturland und Bioland prüfen derzeit ebenfalls entsprechende Regelungen. Die Technologie von Omegga erfüllt die vom Biokreis vorgegebene Frist.

Unternehmen wurde 2022 gegründet

Gegründet wurde Omegga im Jahr 2022 von einer Gruppe Münchner Wissenschaftler und Unternehmer an der Hochschule München. Mittlerweile ist das Team auf knapp 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewachsen und hat damit den Schritt vom Start-up zum etablierten Unternehmen gemacht.  

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Omegga

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