Mehr Mastleistung durch getrennte Haltung? Haus Düsse hat getestet
In der Hähnchenmast werden in Deutschland männliche und weibliche Tiere üblicherweise zusammen gehalten. Hähne wachsen jedoch anders als Hennen – das ist bekannt. Doch lohnt es sich deshalb auch, beide Geschlechter getrennt zu mästen? Ein Praxistest auf Haus Düsse liefert Antworten auf eine Frage, die viele Mäster beschäftigt.
Auch in Deutschland wird in der Praxis diskutiert und getestet, ob eine Geschlechtertrennung bei Masthühnern interessant wäre – aus Tierwohl-, Nachhaltigkeits- und Effizienzgründen. In anderen Ländern wird dies in der Praxis so gehandhabt.
Die Frage, ob sich die getrenntgeschlechtliche Haltung auf die biologischen Leistungen von Masthühnern auswirkt, wurde in einem Versuch auf dem Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft (VBZL) Haus Düsse nachgegangen. Dafür wurden gut 3.000 Tiere drei Varianten zugeordnet:
- Variante 1: gemischtgeschlechtliche Aufstallung
- Variante 2: Aufstallung von Hähnen
- Variante 3: Aufstallung von Hennen
Angenommen wurde dabei eine Besatzdichte von 35 kg/m². Durchgeführt wurden vier (Variante 1), bzw. fünf Durchgänge. Eingestallt wurden Tiere der Herkunft Ross 308 (Aviagen, USA). Die Haltungsdauer umfasste 37 Masttage (ohne Schlachttag). Gefüttert wurden die Tiere vierphasig. Nach jedem Futterwechsel wurden Futterverbrauch und Tiergewichte erfasst, die Mortalität täglich.
Biologische Leistungen während der Mast
| Gemischt-geschlechtliche Aufstallung
| Männliche Tiere
| weibliche Tiere
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Gewichte
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Kükengewicht (g/Tier)
| 41,80
| 41,85
| 41,63
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LG Tag 37 (kg/Tier)
| 2,92
| 3,15
| 2,72
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Futterverbrauch |
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Futterverbrauch (kg/Tier)
| 4,26
| 4,52
| 3,92
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Futteraufwand (1: )
| 1,46 | 1,41 | 1,46 |
Tageszunahmen
|
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Tageszunahmen gesamt (g/Tag)
| 77,4 | 82,8 | 72,4 |
Zunahme gesamt (kg/Tier)
| 2,9 | 3,1 | 2,7 |
Gewichtsentwicklung unterschiedlich
Ein Vergleich der Gewichte zeigt, dass die Gewichtsentwicklung erst am Ende der Mittelmast unterschiedlich wurde. Bis zu Masttag 17 konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden. Zum Ende der Mittelmast zeigten die Hähne signifikant höhere Tiergewichte, gefolgt von der gemischtgeschlechtlichen Gruppe. Die geringsten Tiergewichte zeigten die Hennen.
Gleiches zeigte sich auch am Ende der Mast. Die Hähne wurden mit einem durchschnittlichen Gewicht von 3,15 kg ausgestallt, während die gemischtgeschlechtliche Gruppe ein Durchschnittsgewicht von 2,92 kg aufwies. Die Hennen hatten ein durchschnittliches Gewicht von 2,72 kg.
Futterverwertung bei Hennen und Hähnen ähnlich
Beim Futterverbrauch zeigt sich bereits ab der Aufzucht ein signifikanter Unterschied zwischen den Varianten. Die Hähne haben bereits ab dieser Futterphase mehr Futter verbraucht als die gemischtgeschlechtliche Gruppe oder die Hennengruppe. Diese Rangierung zieht sich bis zur Endmast weiter. Da die Hähne jedoch auch höhere Gewichte aufwiesen, gab es beim Futteraufwand keine signifikanten Unterschiede zwischen den Varianten. Der Futteraufwand lag mit im Mittel 1,44 auf einem guten Niveau. Die Tageszunahmen über die gesamte Mastperiode lag bei den Hähnen bei 82,8 g/Tag, bei der gemischtgeschlechtlichen Gruppe bei 77,4 g/Tag und bei der reinen Hennengruppe bei 72,4 g/Tag.
Verluste während des Mastdurchgangs
Mehr Verluste bei den Hähnen
Ein Blick auf die Verluste zeigt, dass die Gesamtverluste bei den Hähnen signifikant höher waren (7,7 %) als bei den gemischten Gruppen (4,2 %). Die geringsten Verluste über den gesamten Mastverlauf verzeichnete die Hennen Gruppe mit 1,9 %.
Lohnt sich ein Teilen des Stalls?
Zusätzlich sollte im Rahmen des Düsser Versuchs geprüft werden, wie sich bei gleicher Stallfläche eine gemischtgeschlechtliche Haltung gegenüber einer getrenntgeschlechtlichen Haltung auf das Gesamtbetriebsergebnis eines Mastdurchgangs auswirkt. Beispielsweise könnte man im Maststall Hennen im vorderen und Hähne im hinteren Stallbereich mästen. Zur Untersuchung dieses Effekts wurde die Variante 1 (gemischtgeschlechtliche Haltung) mit dem Mittelwert der Varianten 2 (getrennt gehaltene Hähne) und 3 (getrennt gehaltene Hennen) verglichen. Diese Mittelwerte von 2 und 3 zeigten bei den biologischen Leistungsdaten keine Unterschiede zur Variante 1.
Das bleibt festzuhalten
Die Ergebnisse des Versuchs zeigen insgesamt, dass Hähne und Hennen sich in Bezug auf den Gewichtsverlauf, die Tageszunahmen, den Futterverbrauch und auch die Verluste unterscheiden. Diese Erkenntnis bestätigt, dass die Tiere unterschiedliche Leistungspotentiale mitbringen. Ob eine getrennte, angepasste Fütterung die biologischen Unterschiede leistungstechnisch hervorheben kann, konnte im aktuellen Versuch nicht überprüft werden. Das soll in weiteren Versuchen aufgegriffen werden.
Pia Niewind, Dr. Jochen Krieg, Josef Stegemann, Senta Becker, Landwirtschaftskammer NRW
Bild:
Christa Diekmann-Lenartz
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