CERES AWARD 2026: Ohne Hof zum Bio-Legehennenbetrieb mit 12.000 Hennen

08 August 2026
Legehenne
Hennen Betrieb Schlottman

Einer der Finalisten des Wettbewerbs um den CERES AWARD 2026 ist Bio-Legehennenhalter Sebastian Schlottmann aus Mistorf im Landkreis Rostock. Die Jury hat seinen Betrieb bereits besucht und sich ein Bild davon gemacht, wie der 42-Jährige ohne eigenen Hof und ohne landwirtschaftliche Herkunft innerhalb weniger Jahre einen modernen Betrieb mit 12.000 Legehennen aufgebaut hat.

Vom Manager zum Finalisten des CERES AWARD

Sebastian Schlottmann arbeitete viele Jahre im Management eines großen Landmaschinenherstellers. Heute führt er einen Bio-Legehennenbetrieb mit 12.000 Tieren, produziert sein Mischfutter selbst und plant bereits den nächsten Entwicklungsschritt. Beim Besuch der CERES-Jury zeigte er, wie konsequente Planung, fachliche Weiterbildung und unternehmerischer Mut den Aufbau eines erfolgreichen Betriebs ermöglichten.

„Ich wollte mir etwas Eigenes aufbauen – und gleichzeitig mehr Zeit für meine Familie haben“, sagt der Landwirt.

Eigener Betrieb statt Konzernkarriere

Schon als Kind begeisterte sich Sebastian Schlottmann für die Landwirtschaft, obwohl er nicht auf einem Bauernhof aufwuchs. Nach seinem Studium der Agrarwirtschaft führte ihn sein Berufsweg zunächst in die Industrie. Rund 15 Jahre arbeitete er in verschiedenen Funktionen beim Claas-Konzern. Der Wunsch nach einem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb blieb jedoch bestehen.

2016 gründete er zunächst einen Bio-Ackerbaubetrieb. Schnell erkannte er jedoch, dass sich reine Marktfruchtbetriebe im ökologischen Landbau in Mecklenburg-Vorpommern wirtschaftlich nur schwer entwickeln lassen. Deshalb entschied er sich, die Wertschöpfung mit der Legehennenhaltung deutlich auszubauen.

12.000 Bio-Legehennen auf einem neu geplanten Standort

Gemeinsam mit Fachplanern entwickelte Schlottmann einen komplett neuen Betriebsstandort. Anfang 2021 wurden die ersten Bio-Legehennen eingestallt. Heute hält der Betrieb 12.000 Tiere nach den Richtlinien von Naturland.

Beim Betriebsbesuch überzeugte vor allem die klare Organisation. Die Jury hob die konsequente Hygieneführung, saubere Schwarz-Weiß-Bereiche und strukturierte Arbeitsabläufe hervor.

Obwohl Schlottmann keine klassische Ausbildung in der Geflügelhaltung absolvierte, eignete er sich das notwendige Fachwissen durch Beratung, Fachliteratur und die tägliche Arbeit im Stall an.

Beim Jurybesuch informierten sich die Juroren Martina Hungerkamp (li.), Robby Andersson, HS Osnabrück (2. v. li) und Daniel Holling, Big Dutchman (re.) vor Ort über den Aufbau des Bio-Legehennenbetriebs.

Betrieb setzt auf eigenes Mischfutter

Ein wichtiger Baustein des Betriebskonzepts ist die eigene Futtermühle. Dort stellt Sebastian Schlottmann das Futter für seine Legehennen selbst her. Das senkt Kosten und macht den Betrieb unabhängiger von externen Lieferanten.

Den nächsten Schritt hat der Betriebsleiter bereits im Blick.

„Der nächste Schritt wäre eine eigene Toastanlage für Sojabohnen, aber das Projekt liegt derzeit auf Eis. Es ist gar nicht so einfach, an den Rohstoff, die Bohne, zu kommen. Dafür nehme ich nicht genug ab. Schade, denn ich möchte möglichst viel selbst in der Hand haben.“

Bio bedeutet für den Betrieb mehr als Vermarktung

Für Sebastian Schlottmann ist der ökologische Landbau Teil seiner betrieblichen Ausrichtung und nicht nur ein Vermarktungsargument. Der Betrieb wirtschaftet nach Naturland-Richtlinien. Tierwohl und Umweltschutz gehören ebenso zum Konzept wie eine intensive Tierbeobachtung. Leistung, Futteraufnahme, Körpergewicht und Eigröße kontrolliert der Betriebsleiter regelmäßig. Darüber hinaus engagiert er sich als Landesvorsitzender von Naturland Mecklenburg-Vorpommern.

Mehr Zeit für die Familie war ein entscheidender Antrieb

Nicht nur unternehmerische Ziele führten zum Neustart. Auch seine Familie spielte bei der Entscheidung eine zentrale Rolle. Mit dem eigenen Betrieb wollte Schlottmann Beruf und Familienleben besser miteinander verbinden. Deshalb entstand der Stall bewusst getrennt vom Wohnhaus. So beginnt der Arbeitstag morgens im Betrieb und endet dort auch wieder.

Nächste Ausbaustufe bereits geplant

Für den CERES-AWARD-Finalisten ist die Entwicklung seines Unternehmens noch nicht abgeschlossen. Die Genehmigung für einen dritten Stall liegt bereits vor. Außerdem plant Sebastian Schlottmann den Aufbau eines eigenen Bio-Elterntierbetriebs.

„Ich lerne jeden Tag dazu. Genau das macht für mich den Reiz aus.“

Mit seinem Betrieb zeigt der Finalist des CERES AWARD 2026, dass sich auch ohne Hofnachfolge und familiären Hintergrund ein moderner Bio-Legehennenbetrieb aufbauen lässt – wenn Fachwissen, unternehmerisches Denken und die Bereitschaft zum kontinuierlichen Lernen zusammenkommen.

Betrieb im Überblick

  • Betrieb: Bio-Legehennenbetrieb Sebastian Schlottmann, Mistorf (Landkreis Rostock)
  • Betriebszweige: Bio-Legehennenhaltung, Bio-Ackerbau, eigenes Mischfutterwerk
  • Tierbestand: 12.000 Bio-Legehennen nach Naturland-Richtlinien
  • Leistung: mindestens 500 Eier je eingestallter Henne in 100 Lebenswochen
  • Futterverbrauch: 119 Gramm je Henne und Tag












Geflügelnews
Bild: Martina Hungerkamp
Quelle: agrarheute / Martina Hungerkamp

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