Beim CERES AWARD 2025 wurde Michael Sturl aus Aschbach-Markt (Niederösterreich) zum besten Geflügelhalter im deutschsprachigen Raum gekürt. Mit einer Kombination aus Tierwohl, Energieeffizienz und Pioniergeist zeigt der 43-Jährige, wie moderne Geflügelhaltung nachhaltig und wirtschaftlich zugleich sein kann.
Tierwohl, Technik und Tatkraft: Ein Preisträger mit Vision
Auf der feierlichen Gala „Nacht der Landwirtschaft“ in Berlin wurde Michael Sturl mit dem renommierten CERES AWARD 2025 als Geflügelhalter des Jahres ausgezeichnet. Die Fachjury lobte seine tiergerechte Hähnchenhaltung und sein konsequentes Engagement für den Klimaschutz.
„Mit konsequentem Fokus auf Tierwohl und einer CO₂-neutralen Energieerzeugung setzt er Maßstäbe – und das trotz Quereinstieg“, heißt es in der Begründung der Jury, bestehend aus Martina Hungerkamp (agrarheute), Prof. Dr. Robby Andersson (Hochschule Osnabrück) und Daniel Holling (Big Dutchman).
Vom Zimmerer zum „Hendlmeister“
Als die Eltern 2015 in Pension gingen, standen Michael und Ingrid Sturl vor einer richtungsweisenden Entscheidung: die Zimmerei fortführen oder den landwirtschaftlichen Betrieb übernehmen. Sie entschieden sich für die Hähnchenmast (in Österreich „Hendlmast“ genannt – auch, weil die bestehenden Flächen und Stallgebäude optimale Voraussetzungen boten. Die sichere Perspektive durch Lohnmast und die Möglichkeit, Tierwohl und Technik zu vereinen, überzeugten zusätzlich.
Heute mästen die Sturls rund 52.000 Hähnchen. Im zweiten, neu errichteten Stall genießen die Tiere 25 Prozent mehr Platz und Zugang zu einem Wintergarten mit Frischluft. Über Fütterungs- und Wasserbahnen erkunden sie diesen Bereich gerne. Besonders wichtig ist den Landwirten organisches Beschäftigungsmaterial: Luzerneballen und Stroh regen die Tiere zum natürlichen Picken an und fördern das Wohlbefinden.
Michael experimentiert zudem mit getrockneter Luzerne in Kleinballenform, die wertvolles Protein liefert und die Darmgesundheit stärkt. Eingesetzt werden langsam wachsende, robuste Rassen wie die „Hubbard JA 787“, die den Anforderungen des österreichischen AMA-Programms Mehr Tierwohl und der deutschen Initiative Tierwohl (Stufe 3) entsprechen.
„Stallgehen macht uns wirklich Freude“, sagt das Ehepaar. Besonders freuen sie sich über die wachsende Nachfrage von Konsumenten und Handelsketten nach tiergerechter Haltung. Besucher sind auf dem Hof willkommen – außer während Zeiten der Geflügelpest, von der der Betrieb bislang verschont blieb.
Technik trifft Tierwohl: Der Hendlstall als Energiesystem
Michael Sturl, gelernter Zimmerermeister, ist bekannt für seinen Tüftlergeist. Er hat das Lüftungssystem des Stalls selbst konstruiert – als Gleichdrucksystem, das Luftzug vermeidet, selbst wenn die Auslaufklappen geöffnet sind. Eine Hackschnitzelheizung mit 300 Kilowatt Leistung sorgt zu Beginn der Mastperiode für wohlige 35 Grad Celsius.
Die Anlage beheizt nicht nur den neuen, sondern auch den alten Stall, der früher mit Öl lief. Überschüssige Wärme nutzt Sturl in einer selbst entwickelten Trocknungshalle. Drei Boxen mit je 37 Quadratmetern bieten dort flexible Nutzungsmöglichkeiten – vom Trocknen von Saatgut bis zur Belüftung von Rundballen. „Es gibt eigentlich nichts, was wir noch nicht getrocknet haben“, sagt Sturl schmunzelnd.
Energieautark mit Sonne und Holz
Die Sturls setzen auf vollständige Energieunabhängigkeit. Zwei Photovoltaikanlagen – eine kleinere aus dem Jahr 2012 und eine größere mit 186 Kilowatt Leistung auf dem neuen Stall – machen den Betrieb bilanziell energieautark. Ein 200-Kilowatt-Speicher sorgt dafür, dass auch nachts ausreichend Strom für Lüftung und Stalltechnik vorhanden ist.
Nur in den nebelreichen Wintermonaten Dezember und Jänner muss Energie zugekauft werden. Im Sommer wird überschüssiger Strom ins Netz eingespeist.
„Wir Bauern haben alle Möglichkeiten der Energieproduktion – Sonne, Dächer, Biomasse. Da braucht man keine Flächen zu versiegeln“, sagt Sturl überzeugt. Zwar seien die Investitionen hoch, doch durch geringere Betriebskosten und Unabhängigkeit von fossilen Energien rechnen sich die Maßnahmen langfristig.
Pioniergeist mit Zukunftsblick
Michael Sturl denkt weiter: Eine solare Warmwasserbereitung ist bereits in Planung. Sein Ziel ist es, den Betrieb noch effizienter und klimafreundlicher zu gestalten. „Man braucht schon ein bisschen Pioniergeist“, sagt er. „Aber die Firmen, mit denen wir arbeiten, sind heute sehr offen für neue Technologien.“
Auch die Herausforderungen des Klimawandels hat er im Blick. „In Zukunft wird wahrscheinlich die Kühlung wichtiger werden als die Heizung“, erklärt Sturl. Schon heute sorgt eine Vernebelungsanlage an heißen Tagen für angenehme Temperaturen im Stall – ein weiterer Beweis dafür, dass Tierwohl und Technik auf diesem Hof Hand in Hand gehen.

































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