Futter, Energie und Küken verteuern die Hähnchenmast in Belgien. Flämische Mäster warnen, dass sich das Einstallen neuer Küken bald nicht mehr rechnen könnte.
Die wirtschaftliche Lage vieler Masthähnchenhalter in Flandern (Belgien) spitzt sich zu. Steigende Preise für Futter, Strom, Kraftstoff und Eintagsküken treiben die Produktionskosten nach oben. Gleichzeitig können die Betriebe die Mehrkosten nach Angaben des belgischen Geflügelverbands Landsbond Pluimvee kaum über höhere Erzeugerpreise weitergeben.
Wie stark sich die Kalkulation verschoben hat, verdeutlichte ein flämischer Mäster bei der Preiskommission im belgischen Deinze. Demnach war die Notierung von 1,11 Euro je Kilogramm im Mai für die Betriebe wirtschaftlich günstiger als der aktuelle Preis von 1,18 Euro.
Produktionskosten steigen um mehr als 10 Cent
Seit Mai seien die Produktionskosten um mehr als 10 Cent gestiegen, erklärte der Mäster. Dadurch seien die Margen inzwischen fast vollständig verschwunden. Bei einigen Betrieben könnten die Kosten bereits die Erlöse erreichen oder übersteigen.
Der Geflügelhalter appellierte deshalb an seine Berufskollegen, vor jeder neuen Mastperiode genau zu rechnen. Jeder Betrieb müsse prüfen, ob es unter den aktuellen Bedingungen wirtschaftlich noch vertretbar sei, neue Küken einzustallen.
Die flämischen Erzeuger forderten deshalb bei der jüngsten Preiskommission eine höhere Deinze-Notierung. Diese wird gemeinsam von Vertretern der Erzeuger und Schlachtereien festgelegt.
Volle Kröpfe sorgen für Diskussionen
Auch die Fütterung beschäftigte die Preiskommission. Vertreter der Schlachtereien bemerkten zunächst scherzhaft, dass Futter offenbar noch nicht teuer genug sei: Immer wieder würden Masthähnchen mit vollen Kröpfen angeliefert.
Hinter der Bemerkung steckt jedoch ein wirtschaftliches Problem. Die Schlachtunternehmen forderten die Mäster auf, das Nüchternsetzen vor der Verladung konsequent umzusetzen. Dies liege auch im wirtschaftlichen Interesse der Erzeuger.
Auch belgische Schlachtereien melden steigende Kosten
Zwischen Mästern und Schlachtunternehmen herrscht zugleich Streit darüber, wie sich die Belastungen innerhalb der Wertschöpfungskette verteilen. Einige Geflügelhalter werfen den Schlachtereien vor, auf Kosten der Erzeuger ihre Margen zu sichern.
Die Schlachtunternehmen weisen dies zurück. Auch ihre Kosten seien gestiegen und ließen sich kaum an den Handel weitergeben. Nach Angaben eines Schlachthofvertreters steht der Geflügelfleischmarkt stark unter Preisdruck. Einzelne Einzelhändler verlangten Einkaufspreise, zu denen Schlachtunternehmen teilweise nicht mehr liefern wollten.
Deinze-Notierung bleibt bei 1,18 Euro
Die flämischen Mäster forderten zunächst, die Deinze-Notierung um 2 Cent je Kilogramm anzuheben. Die Schlachtereien lehnten dies ab.
Auch ein anschließend diskutiertes Plus von 1 Cent fand keine Zustimmung. Damit bleibt die Deinze-Notierung in der kommenden Woche bei 1,18 Euro je Kilogramm ohne Mehrwertsteuer.
Landsbond Pluimvee sieht die gesamte Geflügelwirtschaft unter Druck. Nach Einschätzung des Verbands verschärft der Preiswettbewerb des Lebensmitteleinzelhandels bei tierischen Proteinen die Situation entlang der Wertschöpfungskette.
Für die belgischen Hähnchenmäster könnte sich die Lage mit Beginn der kalten Jahreszeit weiter zuspitzen. Höhere Heizkosten verteuern dann die Mast zusätzlich. Der Verband rechnet deshalb damit, dass die angespannte Kostensituation auch die Produktionsplanung für das Weihnachtsgeschäft beeinflussen könnte.






































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