Weniger Hähnchen im Stall, höhere Kosten: Was Österreichs Geflügelhalter belastet

04 November 2026
Österreich
Biomasthühner

Österreich schreibt bei Masthähnchen und Puten geringere Besatzdichten vor als viele andere Länder. Doch die höheren Standards kosten Geld. Geflügelnews.de hat nachgefragt, wie die Betriebe im internationalen Wettbewerb bestehen können.

Österreichs Geflügelhalter müssen bei der Tierhaltung strengere Anforderungen erfüllen als viele ihrer europäischen Wettbewerber. Besonders deutlich zeigt sich das bei der Besatzdichte. Während österreichische Hähnchenmäster maximal 30 kg Lebendgewicht pro Quadratmeter halten dürfen, sind in Deutschland grundsätzlich bis zu 39 kg/m² erlaubt. Für Hähnchen mit einem durchschnittlichen Gewicht von weniger als 1.600 g gelten zusätzliche Beschränkungen.

Das bedeutet: Wer in Österreich dieselbe Menge Hähnchenfleisch erzeugen will, benötigt mehr Stallfläche. Das erhöht die Investitions- und Produktionskosten. Gleichzeitig konkurrieren die heimischen Geflügelhalter mit günstiger Importware.

Geflügelnews.de hat der Geflügelwirtschaft Österreich (GWÖ) Fragen zur aktuellen Lage und Zukunft der Branche gestellt. Im zweiten Teil unserer dreiteiligen Serie geht es darum, welche Folgen die höheren Tierwohlstandards für die Betriebe haben und was deutsche Geflügelhalter aus den österreichischen Erfahrungen lernen können.

Österreichs Putenhalter können nur die Hälfte des Bedarfs decken

Besonders schwierig ist die Situation in der Putenmast. Obwohl die Nachfrage nach Putenfleisch steigt, kann Österreich seinen Bedarf nur zu rund 49 % aus eigener Produktion decken.

Im Jahr 2025 erzeugten die österreichischen Putenhalter rund 21.300 t Putenfleisch. Gleichzeitig stieg der Verbrauch um 9 %. Die heimische Produktion konnte mit der Nachfrage nicht Schritt halten. Dadurch sank der Selbstversorgungsgrad von 51 auf 49 %.

Ein Grund sind nach Einschätzung der GWÖ die hohen Haltungsstandards. Österreich erlaubt in der Putenmast eine Besatzdichte von maximal 40 kg Lebendgewicht pro Quadratmeter. In anderen europäischen Produktionsländern sind teilweise höhere Besatzdichten möglich.

Für österreichische Putenhalter bedeutet das höhere Kosten. Sie benötigen mehr Stallfläche für dieselbe Tierzahl und müssen entsprechend mehr investieren. Gleichzeitig konkurrieren sie mit Importware, die unter anderen Bedingungen erzeugt wird.

Höhere Tierwohlstandards müssen sich für Geflügelhalter rechnen

Die GWÖ sieht darin ein grundsätzliches Problem für die heimische Geflügelwirtschaft. Denn höhere Anforderungen an die Tierhaltung können die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe schwächen, wenn die zusätzlichen Kosten nicht über höhere Erzeugerpreise ausgeglichen werden.

„Höhere Standards funktionieren langfristig nur dann, wenn die damit verbundenen Mehrkosten auch entlang der Wertschöpfungskette getragen werden“, betont die GWÖ gegenüber Geflügelnews.de.

Das Problem kennen auch deutsche Geflügelhalter. Wenn die Politik höhere nationale Tierwohlstandards verlangt, gleichzeitig aber günstigere Produkte aus Ländern mit niedrigeren Anforderungen auf den Markt gelangen, geraten die heimischen Betriebe unter Druck.

Entscheidend ist aus Sicht der GWÖ deshalb, dass Handel und Verbraucher erkennen können, unter welchen Bedingungen Geflügelfleisch und Eier erzeugt wurden.

AMA-Gütesiegel stellt zusätzliche Anforderungen

In Österreich setzt die Geflügelwirtschaft bei der Qualitätssicherung unter anderem auf das AMA-Gütesiegel. Das Programm stellt zusätzliche Anforderungen an Haltung, Tiergesundheit, Fütterung, Hygiene und Betreuung. Unabhängige Kontrollstellen überprüfen regelmäßig, ob die Betriebe diese Vorgaben einhalten.

Bei der Fütterung von Legehennen kommt ausschließlich Soja aus europäischem Anbau zum Einsatz, das nach dem Standard „Europe Soya“ zertifiziert ist. Damit unterscheidet sich das Programm vom deutschen VLOG-System. Dieses kennzeichnet eine Fütterung ohne gentechnisch veränderte Futtermittel, schreibt jedoch keine europäische Herkunft des eingesetzten Sojas vor.

Für die Hähnchenmast begrenzt das AMA-Gütesiegel die Besatzdichte auf maximal 30 kg Lebendgewicht pro Quadratmeter. Zudem dürfen die Betriebe höchstens 20,5 Küken je Quadratmeter einstallen.

Auch für die Einstreu gelten besondere Vorgaben. Sie muss den Tieren ermöglichen, natürliche Verhaltensweisen wie Picken, Scharren und Staubbaden auszuleben.

Nach Einschätzung der Geflügelwirtschaft Österreich (GWÖ) reichen hohe Produktionsstandards allein jedoch nicht aus. Entscheidend sei, dass der Markt die zusätzlichen Leistungen und den damit verbundenen Aufwand der Geflügelhalter angemessen vergütet.

Was können deutsche Geflügelhalter von Österreich lernen?

Für die deutsche Geflügelwirtschaft sind die österreichischen Erfahrungen besonders interessant. Denn auch hier wird darüber diskutiert, wie sich höhere Tierwohlanforderungen mit einer wirtschaftlich tragfähigen Produktion verbinden lassen.

Die GWÖ hält es für wichtig, Verbrauchern die Unterschiede zwischen den Produktionssystemen verständlich zu vermitteln. Sie sollen erkennen können, welche Haltungsstandards hinter heimischem Geflügelfleisch stehen und welche zusätzlichen Leistungen die Betriebe erbringen.

Österreich setzt dabei auf eine enge Verbindung von Herkunft, Qualität und Kontrolle. Ob daraus tatsächlich ein wirtschaftlicher Vorteil für die Geflügelhalter entsteht, hängt jedoch davon ab, ob Handel und Verbraucher bereit sind, die Mehrkosten zu tragen.

Im dritten und letzten Teil unserer Serie geht es deshalb um die Frage, welche politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Geflügelhalter brauchen, damit sie trotz hoher Kosten weiter in ihre Betriebe investieren können.

Geflügelnews, Text:
Cordula Moebius

Cordula Moebius

Mehr von diesem Autor
Bild: GWÖ
Quelle: GWÖ

Reagieren

Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.