Die Nachfrage nach Geflügelfleisch und Eiern wächst in Österreich. Neue Ställe sollen die heimische Produktion stärken. Doch nicht alle Geflügelhalter profitieren gleichermaßen vom Aufschwung.
Österreichs Geflügelwirtschaft will wachsen. Die Nachfrage nach Eiern und Geflügelfleisch steigt, gleichzeitig kann das Land seinen Bedarf nicht vollständig aus eigener Produktion decken. Doch wie gut sind die Aussichten für die Geflügelhalter tatsächlich? Geflügelnews.de hat der Geflügelwirtschaft Österreich (GWÖ) Fragen zur aktuellen Lage, zu den Herausforderungen und zur Zukunft der Branche gestellt. In einer dreiteiligen Artikelserie beleuchten wir die Antworten. Zum Auftakt geht es um die Wachstumschancen: Allein in der Hähnchenmast sieht die Branche Potenzial für rund 150 zusätzliche Betriebe.
Eierverbrauch steigt – neue Legehennenställe geplant
Der Trend zu einer proteinreichen Ernährung kommt den Wachstumsplänen der österreichischen Geflügelbranche entgegen. Geflügelfleisch und Eier sind bei den Verbrauchern gefragt. Allerdings profitieren die einzelnen Produktionszweige unterschiedlich stark von der steigenden Nachfrage.
Besonders deutlich zeigt sich der Aufwärtstrend auf dem Eiermarkt. Während die Österreicher im Jahr 2020 durchschnittlich 236 Eier verzehrten, waren es 2024 bereits rund 250 Eier pro Kopf.
Jährlich erzeugen die österreichischen Legehennenhalter etwa 2,1 Milliarden Eier. Damit erreicht das Land einen Selbstversorgungsgrad von rund 87 %. Die steigende Nachfrage macht auch Investitionen interessant.
Bis Ende 2027 erwartet die Branche zusätzliche Stallplätze für rund 480.000 Legehennen. Ein großer Teil davon soll in der Freilandhaltung entstehen.
Auch die Hähnchenmast bietet Wachstumspotenzial
Beim Geflügelfleisch sieht die Branche ebenfalls Möglichkeiten, die heimische Produktion auszubauen. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt laut GWÖ bei rund 13,8 kg jährlich. Gleichzeitig muss Österreich einen Teil seines Bedarfs durch Importe decken.
Die heimische Hähnchenmast soll deshalb in den kommenden Jahren wachsen. Das Potenzial für 150 zusätzliche Mastbetriebe zeigt nach Einschätzung der GWÖ, welche Möglichkeiten die Branche sieht. Dabei handelt es sich allerdings nicht um bereits beschlossene Bauvorhaben.
Auch langsam wachsende Hähnchenlinien gewinnen an Bedeutung. Ihr Marktanteil wird in Österreich inzwischen auf rund 13 % geschätzt. Trotz steigender Nachfrage bleiben sie damit ein vergleichsweise kleines Marktsegment.
Warum Geflügelhalter trotz guter Aussichten zögern
Die positiven Marktaussichten bedeuten allerdings nicht, dass die Betriebe sofort neue Ställe bauen. Hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie langwierige Genehmigungsverfahren erschweren Investitionen. Hinzu kommt die Unsicherheit darüber, welche Haltungsanforderungen künftig gelten werden.
Besonders schwierig ist die Situation in der Putenmast. Obwohl die Nachfrage nach Putenfleisch steigt, kann Österreich nur rund 49 % seines Bedarfs selbst decken. Der Rest muss importiert werden.
Ein Grund dafür sind die hohen österreichischen Haltungsstandards, die mit höheren Produktionskosten verbunden sind. Damit geraten heimische Putenhalter gegenüber günstiger Importware unter Druck.
Welche Folgen höhere Tierwohlstandards für die Wettbewerbsfähigkeit haben und was deutsche Geflügelhalter aus den österreichischen Erfahrungen lernen können, zeigt der zweite Teil unserer Serie.










































Reagieren
Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.