Ein frühzeitiger Schutz vor Gumboro ist entscheidend

28 Oktober 2026
Stallmanagement
Wissensartikel ein mann

Gegen Gumboro wird in der Geflügelwirtschaft routinemäßig geimpft. Trotzdem zirkuliert das Virus weiter. Eine neue Variante kann Küken schon früh infizieren und ihr Immunsystem schwächen – oft ohne erkennbare Symptome. Entscheidend ist deshalb nicht nur, Erkrankungen zu verhindern, sondern auch die Vermehrung und Verbreitung des Virus einzudämmen. Neue Gumboro-Variante zirkuliert weiterhin: Wie Geflügelhalter mit Impfungen, Biosicherheit und Monitoring die Krankheit unter Kontrolle halten.

Die Impfung gegen Gumboro gehört in der deutschen Geflügelwirtschaft zu den etablierten Schutzmaßnahmen. Dennoch zirkuliert das Feldvirus weiterhin in den Beständen. Warum lässt sich die Infektionskette trotz Impfung nicht vollständig durchbrechen? Und wie können Geflügelhalter ihre Herden besser schützen?

Fast alle Hühner in Europa werden gegen die Gumboro-Krankheit geimpft. Dennoch ist das Feldvirus weiterhin verbreitet. Wie ist das möglich und was ist notwendig, um den Infektionskreislauf zu durchbrechen? Joachim Herreman, der seit mehr als 20 Jahren als Tierarzt unter anderem in Schottland, Belgien und Frankreich tätig ist, berichtet über die veränderte Gumboro-Situation, die Bedeutung eines frühzeitigen Schutzes sowie die Rolle von Impfungen, Biosicherheit und Monitoring.

Neue Gumboro-Variante schwächt das Immunsystem der Hühner

Seit 2019 zirkuliert in Europa eine neue Variante des Gumboro-Virus, die Küken bereits in jungem Alter infizieren kann – manchmal noch bevor sie einen ausreichenden Impfschutz aufgebaut haben. Laut Herreman hat Gumboro dabei „zwei Gesichter“: Zunächst kommt es zu einer subklinischen Schädigung des Immunsystems und erst danach möglicherweise zu einer klinischen Erkrankung mit Teilnahmslosigkeit, Sekundärinfektionen und Todesfällen. Bei der derzeit verbreiteten Variante tritt die klinische Form seltener auf als bei älteren Varianten.

Obwohl die Impfquote hoch ist, bleibt Wachsamkeit notwendig. „In den Niederlanden weisen wir bei etwa 40 Prozent der Masthühner und Legehennen noch einen Feldstamm nach. Eine hohe Impfquote bedeutet also nicht automatisch, dass das Virus auch unter Kontrolle ist“, erklärt Herreman.

Eine Infektion bleibt mitunter lange unentdeckt. „Häufig gibt es auf einem Geflügelbetrieb ein Problem, dessen Ursache sich nicht eindeutig feststellen lässt. Dann ist es unbedingt notwendig, auch auf das Vorhandensein von Gumboro zu untersuchen“, sagt Herreman. „Wer Gumboro wirksam bekämpfen will, braucht einen Impfstoff, der sehr früh wirkt.“

Impfung verhindert eine Infektion mit dem Feldvirus nicht immer

Erreicht das Feldvirus die Bursa Fabricii, bevor ein ausreichender Impfschutz aufgebaut ist, kann es sich dennoch innerhalb der Herde ausbreiten. Die Bursa ist ein wichtiges Organ des Immunsystems, in dem sich die für die Antikörperbildung zuständigen B-Lymphozyten entwickeln. Wird dieses Organ geschädigt, schwächt das die Immunabwehr des Huhns. Dadurch wird das Tier anfälliger für Krankheiten und kann auch auf andere Impfungen schlechter reagieren.

„Um einen weiteren Eintrag und die Verbreitung des Virus zu verhindern, ist es wichtig, dass jedes Küken innerhalb einer Herde gleichermaßen geschützt ist und die richtige Impfstoffdosis erhält“, erklärt Herreman.

Genau darin liegt in der Praxis eine Herausforderung. Die Menge maternaler Antikörper, also jener Abwehrstoffe, die Küken von der Mutterhenne mitbekommen, unterscheidet sich von Tier zu Tier. Auch die Homogenität innerhalb einer Herde spielt eine wichtige Rolle. Bei der Trinkwasserimpfung kommt hinzu, dass nicht garantiert werden kann, dass jedes Tier zum gleichen Zeitpunkt die gleiche Impfstoffmenge aufnimmt. Dadurch entstehen Lücken im Impfschutz.

Welche Impfmethoden gegen Gumboro gibt es?

Gegen Gumboro stehen verschiedene Impfmethoden zur Verfügung, die sich hinsichtlich des Impfzeitpunkts, der Verabreichung und der Geschwindigkeit des Schutzaufbaus unterscheiden.

Bei der traditionellen Trinkwasserimpfung kommt es vor allem auf den richtigen Zeitpunkt an. Auch die maternalen Antikörper der Küken beeinflussen die Wirksamkeit. Laut Herreman besteht die Herausforderung darin, den Zeitpunkt so zu wählen, dass möglichst viele Tiere geschützt werden, ohne dass ein Teil der Herde zu lange ungeschützt bleibt. Zudem lässt sich bei der Verabreichung über das Trinkwasser nicht genau kontrollieren, wie viel Impfstoff jedes Küken aufnimmt.

Eine Impfung in der Brüterei beseitigt einen Teil dieser Unsicherheiten. Dort kann jedes Küken einzeln eine festgelegte Dosis erhalten. Für diese Art der Impfung stehen unterschiedliche Impfstofftypen zur Verfügung.

HVT-Vektorimpfstoffe bauen ihren Schutz schrittweise auf. „Diese Impfstoffe können die Tiere vor der klinischen Form von Gumboro schützen, aber nur selten vor der frühen, subklinischen Form, die das Immunsystem beeinträchtigt. Das liegt daran, dass HVT-Vektorimpfstoffe erst nach drei bis vier Wochen zu wirken beginnen und die Bursa nicht vor einer Infektion schützen“, erklärt Herreman.

Immunkompleximpfstoffe wie Nextmune von Ceva verbinden die präzise Verabreichung in der Brüterei mit einem Lebendimpfstoff, der zum richtigen Zeitpunkt aktiv wird.

„Dank der genauen Verabreichung kann ein Immunkompleximpfstoff die Bursa vor einer Infektion schützen und so eine Ansteckung verhindern. Dadurch wird sowohl gegen die frühe, immunsuppressive Form als auch gegen die klinische Form von Gumboro ein Schutz aufgebaut.“

Bei der Impfung in der Brüterei muss der Geflügelhalter auf seinem Betrieb keinen Impfzeitpunkt mehr festlegen. Zudem weiß er, dass jedes Küken bereits zu Beginn in das Impfprogramm einbezogen wurde.

Darüber hinaus wird der Impfstoff anschließend schrittweise freigesetzt. Das hilft, eine plötzliche Impfreaktion zu begrenzen, und kann zu einer gleichmäßigeren Futteraufnahme, einem gleichmäßigeren Wachstum und einer besseren Uniformität innerhalb der Herde beitragen.

Wie lässt sich der Infektionskreislauf von Gumboro durchbrechen?

Der Infektionskreislauf lässt sich durchbrechen, indem verhindert wird, dass das Feldvirus die Bursa infiziert und sich dort vermehren kann.

Laut Herreman besteht darin ein wichtiger Unterschied zwischen der bloßen Verhinderung von Krankheitssymptomen und einer tatsächlichen Eindämmung des Virus.

Kann sich das Virus nicht oder nur in geringem Umfang vermehren, wird auch weniger Virus an andere Hühner und in die Stallumgebung ausgeschieden. Dadurch sinkt der Infektionsdruck sowohl für die aktuelle als auch für die nachfolgende Herde.

„Wenn man diesen Kreislauf nicht durchbricht, bleibt das Virus am Standort vorhanden“, erklärt Herreman.

Warum sind Biosicherheit und Monitoring bei Gumboro wichtig?

Da das Gumboro-Virus über lange Zeit in der Stallumgebung überleben kann, gehören Reinigung und Desinfektion zu den festen Bestandteilen der Bekämpfungsstrategie. Eine Impfung allein beseitigt den Infektionsdruck auf einem Betrieb nicht.

„Biosicherheit ist wichtig, insbesondere in den ersten drei Lebenswochen der Herde.“

Mit einem sogenannten VIR-Check des niederländischen Tiergesundheitsdienstes GD lässt sich beispielsweise überprüfen, wie wirksam die Reinigung und Desinfektion durchgeführt wurden.

Auch das Monitoring spielt eine entscheidende Rolle. Sich ausschließlich auf klinische Symptome zu verlassen, reicht nicht aus, da eine Gumboro-Infektion auch subklinisch verlaufen kann.

Im Rahmen des Monitoringprogramms von Ceva wird die Gumboro-Situation auf dem Betrieb durch Probenahmen und Laboruntersuchungen erfasst.

Herreman erklärt: „Gumboro und die Marek-Krankheit gehören zu den wichtigsten immunsuppressiven Erkrankungen bei Masthühnern. Sie beeinflussen den Gesundheitsstatus der Herde sowie die biologischen und wirtschaftlichen Leistungen. Deshalb ist es wichtig, die Situation genau zu kennen.“

Das Monitoring verschafft Geflügelhaltern einen besseren Überblick über den Infektionsdruck und den Schutz ihrer Herde. So können sie bei Bedarf gezielter gegensteuern.

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Bild: Ceva

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Wir bei Ceva sind überzeugt, dass Prävention und wirksame Krankheitskontrolle der Schlüssel zum Schutz der globalen Gesundheit sind. Wir sind bestrebt, sichere, wirksame und innovative Impfstoffe für alle Beteiligten der Geflügelproduktionskette zu entwickeln.

Mit drei neuen Impfstoffzulassungen in den letzten zwei Jahren bringen wir Innovationen auch in die Praxis. Unsere multidisziplinären Teams bieten Geflügelproduzenten, Tierärzten und Brütereifachleuten umfassenden Service und Support, um sicherzustellen, dass jede Lösung Ihren Anforderungen entspricht.

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