Die Rote Vogelmilbe belastet Legehennen und kann die Wirtschaftlichkeit eines Betriebs beeinträchtigen. Mit einer medikamentösen Behandlung über das Tränkwasser steht eine Möglichkeit der Bekämpfung zur Verfügung. Doch bei der Anwendung lauern Fehler, die sich vermeiden lassen. Worauf Geflügelhalter achten sollten.
Geflügeltierärztin Dr. Katharina Johannhörster weiß, wovon sie spricht: Sie hat ihre Doktorarbeit über die Rote Vogelmilbe geschrieben und Feldversuche mit Exzolt vor dessen Zulassung für den deutschen Markt in 2017 begleitet. Exzolt ist vor dem Hintergrund interessant, dass bei anderen Akariziden inzwischen oft Resistenzen auftreten. Das ist bei Exzolt nicht der Fall, die Wartezeit bei Eiern beträgt null Tage.
Es gibt öfter Anwendungsfehler
In einer Online-Veranstaltung des Bundesverbandes Mobile Legehennenhaltung informierte Dr. Katharina Johannhörster jetzt zu Exzolt. Sie ist in der Praxis Pöppel, Delbrück, tätig. Im Mittelpunkt ihres Vortrags standen mögliche Anwendungsfehler, mit denen sie immer mal wieder konfrontiert wird.
Ein Milbenbefall verursacht bei Legehennen Schmerzen, Hautirritationen und Juckreiz durch die Milbenstiche. Die Tiere haben Stress, werden unruhig und aggressiver, es kommt bei höherem Befall vermehrt zu Federpicken und Kannibalismus. In Folge leidet auch der Immunstatus der Hennen. Ein weiteres Problem: Auf dem Panzer der Milben können sich Krankheitserreger wie Salmonellen oder Staphylokokken befinden.
24 Eier pro Henne weniger bei Milben
All das hat natürlich wirtschaftliche Auswirkungen: Die Legeleistung verringert sich, die Eierschalenqualität leidet, es gibt mehr Verluste und mehr 2.Wahl-Eier. Letzteres verursacht durch Blutflecken auf dem Ei von geplatzten Milben. Nach verschiedenen Berechnungen bedeutet ein starker Befall mit Milben 24 Eier/Henne und Jahr weniger, die Mortalität steigt um fünf Prozent. All das heißt, dass die Milbenbekämpfung unverzichtbarer Bestandteil in Sachen Tiergesundheit im Legehennenstall sein muss.
Dazu gehören -unabhängig von der gewählten Bekämpfung- unbedingt die Hygienemaßnahmen in der Leerstehzeit: Stall und Vorräume sollten heiß gewaschen werden, bei Temperaturen über 40-45 °C stirbt die Rote Vogelmilbe ab. Zur Desinfektion kann auch ein Mittel mit Milbenwirkung verwendet werden.
Die Biologie der Roten Vogelmilbe verstehen
Um Exzolt sachgemäß und erfolgreich einsetzen zu können, muss man zur Roten Vogelmilbe ein paar Dinge wissen. Sie kann bis zu neun Monaten ohne Blut überleben. Ein Entwicklungszyklus von der Eiablage bis zum ersten Blutsaugen dauert bei günstigen Bedingungen nur wenige Tage. Allerdings ist der Zyklus stark abhängig von verschiedenen Faktoren, ein wichtiger Faktor ist die Temperatur: Bei 20 °C dauert es fünf Tage, bei 30 °C nur gut drei Tage, bei 15 °C allerdings 19 Tage vom Ei bis zum ersten blutsaugenden Stadium.
Der Wirkstoff von Exzolt, den die Milben über das Blut der Hennen aufnehmen, tötet diese unmittelbar. Allerdings ist die Wirkdauer begrenzt. Sie beträgt insgesamt etwa 15 Tage. Danach gibt es keine vorbeugende Wirkung mehr.
Zweimalige Behandlung ist zwingend
Die Behandlung muss deshalb zwingend zweimal im Abstand von sieben Tagen erfolgen, sonst erreicht der Wirkstoff nur einen Teil der Milbenpopulation und das Problem wäre schnell wieder da. Die optimale Temperatur zur Behandlung liegt bei mindestens 20 °C. Deshalb ist zu überlegen, ob der Legehennenstall für den Zeitraum der Behandlung aufgeheizt werden kann. Eine Behandlung ist auch bei kälteren Temperaturen möglich. Da der Entwicklungszyklus dann länger dauert, überleben ggf. dann aber Vorstadien der Milbe.
Um die komplette Milbenpopulation im Stall zu erreichen, ist es sehr wichtig, den Wirkstoff genau zu dosieren und ohne Ausnahme alle Tiere im Stall zu erreichen. Dazu gehören auch Glucken, schwache Tiere, die sich verstecken, oder Tiere aus dem Krankenabteil. Exzolt wird pro Kilogramm Körpergewicht der Hennen dosiert. Dazu empfiehlt die Tierärztin, ca. 30 Tiere zu wiegen: „Schätzen reicht nicht“, betonte sie. Dann muss der Wasserverbrauch pro Tag im Stall bekannt sein. Der Wirkstoff sollte innerhalb von vier bis 24 Stunden aufgenommen werden. Dafür mischt man Exzolt in ca. 80 Prozent der täglichen Wassermenge an.
Dosierung muss genau passen
Dr. Katharina Johannhörster empfiehlt ihren Betrieben zudem, das Tränkesystem im Vorfeld der Behandlung zu checken, es soll an allen Nippeln Wasser ankommen. Dafür kann man einen Testlauf mit gefärbtem Wasser durchführen. Arbeitet man mit Dosiertechnik, sollte auch diese überprüft werden. Ungünstig sind Dosierbehälter mit Wassernachlauf. Da hier stetig Wasser nachläuft, ist zu Beginn Exzolt hoch konzentriert im Behälter. Aufgrund des nachströmenden Wassers sinkt die Konzentration und die Tiere nehmen so das Medikament ungleichmäßig auf.
In Mobilställen kann der Wirkstoff auch gut über separate Stülptränken verabreicht werden. Dafür müssen die Tiere diese Technik aber kennen, sonst besteht die Gefahr, dass nicht alle Tiere den Wirkstoff aufnehmen. Außerdem muss dann sichergestellt sein, dass die Hennen nicht woanders trinken können, also zum Beispiel auch nicht draußen in Pfützen.
Immer direkt morgens behandeln
Die Behandlung sollte immer morgens durchgeführt werden, da dann alle Hennen zuverlässig die Tränken aufsuchen. Vor dem Einspülen in das Tränksystem muss Restwasser entfernt werden.
Zu bedenken gab die Fachfrau noch, dass zum Beispiel Vorbehandlungen gegen Milben mittels Silikatstäuben dazu führen, dass die Milben eine Art Schutzschicht um sich haben, dann kann der Exzolt-Wirkstoff nicht greifen.
Wenn die genannten Fallstricke vermieden werden, sollte der Stall nach der Exzolt-Behandlung längere Zeit milbenfrei sein. Da ein Neueintrag aber bekanntlich über viele Quellen möglich ist, sollte man einen möglichen Neubefall immer im Blick haben. Dafür empfahl die Tierärztin den Einsatz von sogenannten Milbenfallen, die es zu kaufen gibt oder die man auch recht einfach selbst basteln kann.










































Reagieren
Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.