Was kostet dieses Jahr die Martinsgans?

31 Oktober 2026
Gans
Weihnachtsgänse

Die klassische Gänsesaison in Deutschland beginnt offiziell am 1. November. Traditionell liegen die Höhepunkte aber rund um den Martinstag am 11. November und anschließend in der Weihnachtszeit. Wir hörten uns um, wie es auf dem Markt aussieht. 

Wer den Martinstag mit Gänsebraten feiern möchte, muss in diesem Jahr nach Einschätzung des Sächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes nicht wesentlich tiefer in die Tasche greifen als im Vorjahr. Das meldete die Deutsche Presseagentur. Die Erzeuger in Sachsen rechneten demnach mit einer maximalen Preissteigerung von fünf Prozent aufgrund höherer Mindestlöhne.

Im vergangenen Jahr hatte der Sächsische Verband den Preis für eine frische Gans aus deutscher Erzeugung auf etwa 20 Euro pro Kilo beziffert. Tiefkühlware aus Deutschland sollte demnach 2025 um die 15 Euro pro Kilogramm kosten.

Einen ähnlichen Preisanstieg erwartet auch Züchter Lorenz Eskildsen aus der Nähe von Torgau in Sachsen. Als Grund nannte er höhere Kosten bei Futter und Mindestlöhnen. Eskildsen schlachtet jedes Jahr rund 30.000 Tiere für den Verkauf in den eigenen Hofläden und in regionalen Kleinbetrieben.

Lukas Willing: „Wir wollen die Preise halten“

Der Geflügelhof Willing in Hamminkeln will seine Preise trotz steigender Kosten halten. Er vermarktet seine Gänse, Enten und Puten direkt. „Wir schaffen das über die Menge“, erklärt Lukas Willing im Westdeutschen Rundfunk, WDR. 200 Gänse hält der Landwirt. Das Kilo kostet bei ihm 16,50 Euro. Schon allein wegen der Lage des Hofes könne er nicht mehr nehmen. 

Charlotte Wilmes ist Geschäftsführerin des Geflügelwirtschaftsverbandes Nordrhein-Westfalen. Sie sagte dem WDR, viele Betriebe würden ihre Gänsehaltung auch wegen der zunehmenden Konkurrenz aus Polen aufgeben – oder eben wegen der steigenden Energie-, Haltungs- und Personalkosten. Ihrer Einschätzung nach gehe der Trend bei den Verbrauchern inzwischen auch zu kleinerem Geflügel wie Enten. Preise um die 20 Euro für das Kilo Gans seien inzwischen Usus. „Das ist dann für viele Menschen ein zu großer Schluck aus der Pulle“, so Charlotte Wilmes.

Manfred Schwerk: „Gänse sind schon alle verkauft“

Manfred Schwerk hält zusammen mit seiner Familie im niedersächsischen Wistedt vor den Toren Hamburgs Gänse und Enten. Er ist Züchter, schlachtet und vermarktet saisonal aber auch Masttiere. In diesem Jahr waren Gänseküken extrem knapp und daher teuer. Er selbst hat wegen der großen Nachfrage mehr Küken verkauft als in den Vorjahren. Auf seinem eigenen Betrieb mästete er deshalb weniger als in den Vorjahren, es sind ungefähr 13.000 Tiere. „Diese Gänse sind alle schon verkauft,“ erzählt er. Sie gehen an die Gastronomie in der Region, aber auch an den Großhandel. Sein Eindruck ist, dass Restaurants, die Wert auf saisonale Angebote legen, auch weiterhin das klassische Gänseessen anbieten. Und es werde von den Gästen auch angenommen, trotz höherer Preise. In seinem Schlachthaus hat die Schlachtsaison schon mit den Enten begonnen, sogar etwas früher als sonst.  

Iris Tapphorn: „Der Handel ist noch eher abwartend.“

Iris Tapphorn: „Produktionskosten sind deutlich gestiegen“

Iris Tapphorn ist Gänsezüchterin aus dem niedersächsischen Lohne, sie mästet auch saisonal. Sie verkauft ihre frisch geschlachteten Tiere mit einem moderaten Anstieg der Preise gegenüber dem Vorjahr: „Im vergangenen Jahr haben wir so gerade mit einer schwarzen Null wirtschaften können“, berichtet sie. 

Dieses Jahr seien die Produktionskosten deutlich gestiegen durch die hohen Kükenpreise und die gestiegenen Futterkosten. Infolge der Trockenheit gab es wenig Gras auf den Weiden: „Wir mussten dadurch deutlich mehr zufüttern,“ erzählt die Gänsehalterin. Sie weiß, dass Berufskolleginnen und Berufskollegen zum Beispiel Silage zugekauft haben. Das Problem Trockenheit gab es in vielen Regionen Deutschlands. 

Dennoch fällt die Preissteigerung bei Iris Tapphorn gegenüber dem Vorjahr nur moderat aus. Es gelte auch abzuwägen, was Verbraucher noch bereit seien zu zahlen, sagt sie. Das Geschäft mit den Privatkunden läuft bei ihr gut an, die Vorbestellungen für Weihnachten trudelten bereits in ihrem Online-Shop ein. 

Beim Handel sieht sie eher Abwarten. Ihrer Einschätzung nach möchte niemand das Risiko eingehen, auf teurer Ware sitzenzubleiben. Sie geht davon aus, dass hier eher kurzfristig geordert wird. 

Wieder Sorge wegen der Vogelgrippe

Durch das immense Vogelgrippegeschehen im vergangenen Herbst/Winter waren EU-weit bei den Gänsen gut 50 Prozent der Zuchttiere verlorengegangen. Die Züchter haben diese Lücken ihrer Einschätzung nach größtenteils wieder auffüllen können. Iris Tapphorn hofft, sicher wie alle ihre Berufskollegen, dass die Vogelgrippe in diesem Herbst/Winter nicht wieder so heftig zuschlägt. Einen ersten Fall bei Gänsen gibt es aktuell in Schleswig-Holstein. Ein großes Anliegen ist für sie, dass die Möglichkeit der Impfung vorangetrieben wird und nicht ausgebremst wird durch befürchtete Handelshemmnisse.   

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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Bild: Christa Diekmann-Lenartz

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