Gänsehalterin Iris Tapphorn: Der lange Weg zur Agri-PV-Anlage

30 März 2026
Gans
iris tapphorn

Iris Tapphorn bewirtschaftet im niedersächsischen Lohne (Landkreis Vechta) einen Gänsezuchtbetrieb mit Elterntieren, Brüterei, Aufzucht und Mast sowie eigener EU-Schlachterei. Seit vier Jahren beschäftigt sie sich damit, ihre Gänseausläufe mit Photovoltaik zu bestücken. Heute hat sie immerhin die Baugenehmigung in der Tasche.

Gänsehalterin Iris Tapphorn sieht die Sache nüchtern. Um als Familienbetrieb künftig bestehen zu können, braucht es ausreichend Einkommensquellen. Ob die Verbraucherinnen und Verbraucher zum Beispiel das allseits geforderte „Mehr“ an Tierwohl wirklich bezahlen, sieht sie zumindest mit einem Fragezeichen. Auf die Politik möchte sie sich auch nicht verlassen, also gilt für sie „Selbst ist die Frau“. Damit hat die 40-jährige die Gänsezucht und -mast sowie die Vermarktung der damit verbundenen Produkte auf ihrem Betrieb laufend vorangetrieben. Ihr neuestes Projekt: „Green Goose Energy“, mit dem sie von der Energiewende profitieren möchte. 

Sinnvolle Doppelnutzung von Ausläufen

Hinter „Green Goose Energy“ verbirgt sich die - lange angedachte - Agri-Photovoltaik-Anlage für ihre Gänse-Ausläufe. Iris Tapphorn stellte ihr Projekt kürzlich auf einem Stammtisch von Lohmann für Legehennenhalterinnen und Legehennenhalter in Wietmarschen (Landkreis Grafschaft Bentheim) vor. Was Gänsehalter und Legehennenhalter bezüglich Agri-PV im Auslauf verbindet, ist die sehr sinnvolle Doppelnutzung von Auslauf plus Photovoltaik (PV). Die landwirtschaftliche Fläche wird komplett weitergenutzt, was bei anderen PV-Anlagen nicht der Fall ist. 

Von der PV-Anlage im Auslauf profitieren auch die Tiere: Die aufgeständerten Module geben Witterungsschutz und bieten gleichzeitig Deckung vor Beutegreifern. Die Tiere nutzen die Auslauffläche deshalb viel besser, dadurch wird außerdem die Nährstoffkonzentration im stallnahen Bereich reduziert. 

Eigene Vermarktung des überschüssigen Stroms

Da Iris Tapphorn für ihren Betrieb viel Strom braucht für Brüterei, Schlachterei, Federwäsche, Tiefkühlung etc. bedeutet eine PV-Anlage deutlich mehr Autarkie. Für den überschüssigen Strom plant sie zum einen den Bau eines Speichers, hier tue sich momentan sehr viel, was Kosten, Speicherdauer oder technische Ausgestaltung angehe, so die Gänsezüchterin. Zum andern will sie Strom an ein nahe gelegenes Industriegebiet vermarkten. Auf eine Einspeisevergütung ist sie also nicht angewiesen. 

In Deutschland soll Agri-PV grundsätzlich gefördert werden. Das Baurecht ist diesbezüglich geändert worden. PV-Anlagen in Ausläufen fallen unter privilegiertes Bauen im Außenbereich. Für eine PV-Anlage im Auslauf müssen allerdings bestimmte Bedingungen erfüllt sein wie ein „räumlich funktionaler Zusammenhang zum Betrieb“, die PV-Fläche darf auf maximal 2,5 ha stehen und es darf maximal eine Anlage je Betrieb geben. Diese Bedingungen sind bei Iris Tapphorn erfüllt. 

Viel Platz für Photovoltaik im Gänseauslauf auf dem Betrieb Tapphorn

Langer Weg bis zur Genehmigung

Dennoch war es ein langer Weg, bis sie die Baugenehmigung endlich in der Tasche hatte. Begründet sieht sie das auch darin, dass sie Neuland betreten hat mit ihrem Bauantrag. Eingereicht hatte sie einen Belegungsplan der Fläche, eine Projektskizze, eine Wirtschaftlichkeitsprüfung, die technischen Leistungsdaten der PV-Anlage, die Netzpunktzusage des Versorgers sowie eine Kartierung der Flächen. Für Letzeres musste sie einen Gutachter engagieren, der nicht nur teuer war, sondern bei dem es auch eine Wartezeit von eineinhalb Jahren gab. 

Informiert wurden von ihrem Vorhaben der Stadtrat, der Kreistag, die Landwirtschaftskammer, der Wasserversorger sowie die untere Naturschutzbehörde, die der Anlage zustimmen müssen. Die Landwirtschaftskammer ist beispielsweise für die Prüfung des vorgelegten landwirtschaftlichen Nutzungskonzeptes zuständig und muss ihr Ok geben. 

Zwischen PV-Elementen sollen Netze gespannt werden

Geplant hat sie ihre 3,1 MW-Anlage mit aufgeständerten Elementen in 2,10 m Höhe. Sie möchte zwischen den Elementen Netze spannen, als zusätzlichen Schattenspender, aber auch im Sinne von Seuchenschutz. Wildvögel würden hier nicht mehr landen. 

Neben der nun erteilten Baugenehmigung ist inzwischen auch ein Anschluss ihres Netzversorgers gelegt, so dass es voran gehen kann mit dem Bau ihrer Anlage. Iris Tapphorn denkt heute jedoch schon weiter: In Kürze sollen hierzulande die gesetzlichen Voraussetzungen verbessert werden, Strom selbst zu vermarkten über die Gründung von Energiegenossenschaften. Eine gemeinschaftliche Vermarktung von Strom kann sich die umtriebige Unternehmerin auch gut vorstellen für ihr „Green Goose Energy“-Projekt. Den anwesenden Berufskolleginnen und -kollegen gab sie mit, dass das Thema Agri-PV im Auslauf immer sehr individuell betrachtet werden müsse. Viele Faktoren spielen ein Rolle, ob die Stromerzeugung ein wirtschaftliches Standbein für den Betrieb werden kann. 

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Dieter Theyssen, Christa Diekmann-Lenartz

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