Newcastle Disease: So schützen Halter ihre Tiere vor der Newcastle-Krankheit

30 März 2026
Biosicherheit
zdg legehennen

Dr. Holger Stolle, Fachtierarzt für Geflügel, informierte in einem Online-Seminar des Netzwerkes Fokus Tierwohl darüber, was Geflügelhalter über das Newcastle-Virus wissen sollten und was beachtet werden muss, um den eigenen Bestand zu schützen.

Ein gefährliches Virus

Die Newcastle Disease (ND) ist eine hochansteckende Viruskrankheit, die Hühner, Enten, Gänse und andere Geflügelarten bedroht. Verursacht wird sie durch das Newcastle-Disease-Virus (NDV), dessen Gefährlichkeit vom Virusstamm abhängt. Besonders riskant sind die mesogenen und velogenen Feldstämme, während schwach pathogene lentogene Varianten in Impfstoffen genutzt werden.

Ein Schlüsselfaktor für die Virulenz ist das F-Protein: „Anhand dieses F-Proteins kann man feststellen, ob es sich um schwache oder gefährliche Stämme handelt.“

Wenn sich das Virus ausbreitet – schnell und oft unbemerkt

Die Newcastle Disease ist hochansteckend. Sie verbreitet sich sowohl direkt über die Luft oder Sekrete infizierter Tiere als auch indirekt – und genau darin liegt eine besondere Gefahr.

„Bei ND ist deutlich der indirekte Übertragungsweg wichtiger als bei der Vogelgrippe“, betont Dr. Stolle. Kontaminierte Kleidung, Geräte, Futter, Wasser oder Einstreu können das Virus in einen Bestand tragen. Wildvögel gelten zudem als mögliches Reservoir, auch wenn hierzu noch nicht alle Fragen geklärt sind.

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwei bis 15 Tage – unter bestimmten Umständen auch länger. In dieser Zeit kann sich das Virus bereits im Bestand ausbreiten, häufig unbemerkt.

Dramatische Verläufe und enorme Verluste

Ist ein Bestand ungeschützt, kann die Krankheit verheerende Folgen haben.

„In der Regel durchseucht sich der gesamte Bestand relativ schnell“, betont Dr. Stolle. Im schlimmsten Fall endet ein Ausbruch mit vollständigem Tierverlust. Aktuelle Beispiele zeigen die Wucht der Erkrankung: „Die Verluste sind ganz rasant angestiegen – bis zu 10.000 tote Tiere an einem Tag.“

Die klinischen Symptome reichen von milden Atemwegsproblemen bis hin zu schweren, oft tödlichen Verläufen. Typische Anzeichen, die in vielen Beständen beobachtet werden, sind:

  • Atemgeräusche wie Keuchen, Husten oder Niesen
  • Apathie und allgemeine Schwäche
  • Deutlich verringerte Futteraufnahme
  • Rückgang der Legeleistung
  • Grüner Durchfall
  • Dünnschalige Eier
  • Farbveränderungen Ei: braunschalige Eier deutlich heller oder weiß

Besonders gefürchtet sind velogene Stämme, die entweder innere Organe angreifen oder das Nervensystem schädigen. Zittern, Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen oder eine verdrehte Kopfhaltung sind typische Anzeichen. Hinzu kommen massive wirtschaftliche Schäden: sinkende Legeleistung, Qualitätsverluste bei Eiern sowie hohe Mortalitätsraten bei Masthähnchen.

Diagnose nur im Labor eindeutig

Die amtliche Diagnose erfolgt über das zuständige Veterinäramt und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Wichtig ist, dass nicht jeder Paramyxovirus-1-Stamm als ND-Erreger gilt – entscheidend ist die Virulenz. Moderne Methoden wie PCR oder Sequenzierung des F-Gens unterscheiden zwischen Impf- und Feldstämmen. Viele Tierärzte nutzen zusätzlich Inhouse-Tests (DIVA-PCR), um den Impfstatus von Herden zu überprüfen. Differenzialdiagnosen umfassen unter anderem Vogelgrippe, Geflügelcholera, Mykoplasmose, infektiöse Bronchitis oder Aspergillose.

Prävention: Impfen und Biosicherheit

Die wichtigste Maßnahme für Tierhaltende ist ein konsequentes Impfprogramm:

  • Lebendimpfstoffe aktivieren die zelluläre Immunität und verhindern die Virusvermehrung.
  • Vektor- und Totimpfstoffe ergänzen den Schutz.
  • Regelmäßige Nachimpfungen nach Packungsbeilage (z. B. alle sechs Wochen in Krisenzeiten) erhöhen die Sicherheit.

Zudem schützt eine strikte Biosicherheit: getrennte Kleidung, sauberes Futter und Wasser, sowie Kontrolle von Besuchern und Geräten.

"Man kann im Grunde nicht wissen, ob eine subklinische Infektion im Bestand besteht."

Harte Maßnahmen im Ernstfall

Kommt es dennoch zu einem Ausbruch, sind drastische Schritte unvermeidlich. Stark betroffene Bestände mit hoher Viruslast müssen gekeult werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Gleichzeitig werden Kontaktbetriebe über längere Zeit überwacht. Denn gerade bei geimpften Tieren kann die Infektion unbemerkt verlaufen – mit der Gefahr, dass das Virus weitergetragen wird.

„Man kann im Grunde nicht wissen, ob eine subklinische Infektion im Bestand besteht“, so Dr. Stolle. Genau darin liegt eines der größten Risiken für die gesamte Branche.

Fazit für Tierhaltende

  • Beobachten Sie Ihre Tiere regelmäßig auf typische Symptome.
  • Halten Sie die Impfpläne strikt ein, besonders in Krisenzeiten.
  • Achten Sie auf Biosicherheitsmaßnahmen in Ihrem Betrieb.
  • Bei Verdacht auf ND sofort das Veterinäramt informieren.
Magdalena Esterer
Bild: Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V.

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