Dänemark will konventionelle Masthühner verbieten – doch wer kauft die Alternativen?

03 November 2026
Masthuhn
Bio Maststall

Dänemark erwägt ein Verbot schnell wachsender Masthühner. Während die Politik strengere Tierwohlstandards fordert, zeigt sich in Belgien ein anderes Problem: Fleisch von langsamer wachsenden Hühnern findet zu wenige Käufer. Geflügelhalter warnen vor wirtschaftlichen Folgen.

Dänemark könnte als erstes Land weltweit schnell wachsende Masthühner verbieten. Der dänische Minister für Natur und Tierwohl, Christian Rabjerg Madsen, will ein entsprechendes Verbot auf den Weg bringen, sofern es rechtlich und wirtschaftlich umsetzbar ist. Langfristig spricht er sich für eine EU-weite Regelung aus.

Doch ein Blick nach Belgien zeigt, welche Schwierigkeiten eine Umstellung der Masthähnchenproduktion mit sich bringen kann. Dort hatten mehrere Supermarktketten zugesagt, ab 2026 ausschließlich Hähnchenfleisch von langsamer wachsenden Tieren anzubieten. Die Nachfrage blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück. Inzwischen haben die Handelsunternehmen ihre ursprünglichen Zusagen abgeschwächt.

Versteckte Kameraaufnahmen lösen Debatte in Dänemark aus

Auslöser der aktuellen Diskussion in Dänemark waren verdeckte Kameraaufnahmen, die der Fernsehsender TV2 am 27. Oktober veröffentlichte. Sie stammen aus einem der größten Geflügelbetriebe des Landes.

Die Aufnahmen zeigten nach Angaben des Senders, dass die Masthühner lediglich drei Stunden Dunkelheit pro Tag erhielten. Vorgeschrieben seien jedoch mindestens sechs Stunden. Kürzere Dunkelphasen sollen dazu führen, dass die Tiere länger fressen und höhere Schlachtgewichte erreichen.

Minister Madsen kritisierte die gezeigten Haltungsbedingungen. Die Aufnahmen entsprächen nicht dem angestrebten Tierwohlstandard. Zudem verwies er darauf, dass bei einer von drei Kontrollen Sanktionen verhängt würden. Für ihn deutet dies auf grundsätzliche Probleme beim Tierwohl hin.

Das geplante Verbot schnell wachsender Masthühner ist Teil einer umfassenderen Reform der dänischen Nutztierhaltung. Auch die Schweinehaltung steht dabei im Fokus.

Neu ist die Forderung allerdings nicht. Bereits 2024 hatte die linke Oppositionspartei Enhedslisten ein entsprechendes Verbot vorgeschlagen. Damals lehnten unter anderem die Sozialdemokraten, denen auch der heutige Tierwohlminister angehört, den Vorstoß ab.

Auch die Niederlande wollen schnell wachsende Masthühner abschaffen

Neben Dänemark verfolgen auch die Niederlande strengere Vorgaben für die Masthähnchenhaltung. Staatssekretär Silvio Erkens schlug im September vor, ab 2040 nur noch robuste Hühnerrassen zuzulassen. Über den Vorschlag soll das Parlament voraussichtlich 2027 entscheiden.

Im niederländischen Lebensmitteleinzelhandel hat die Umstellung bereits weitgehend stattgefunden. Große Supermarktketten wie Albert Heijn, Jumbo und Lidl verkaufen im Frischfleischsortiment ausschließlich Hähnchenfleisch, das mindestens die Anforderungen der ersten Stufe des Tierwohllabels Beter Leven erfüllt.

Dazu gehören unter anderem langsamer wachsende Rassen, mehr Platz je Tier und eine längere Mastdauer.

Nach Angaben des niederländischen Statistikamtes CBS gehörten 2025 bereits vier von zehn Masthühnern in den Niederlanden einer langsamer wachsenden Rasse an.

Allerdings besteht weiterhin Nachfrage nach konventionell erzeugtem Hähnchenfleisch. Dieses wird unter anderem für Tiefkühlprodukte und verarbeitete Lebensmittel benötigt. Auch Gastronomie, Metzgereien und Exportmärkte nehmen weiterhin Fleisch von schnell wachsenden Masthühnern ab.

Belgien: Langsam wachsende Masthühner finden zu wenige Käufer

Anders sieht die Situation im belgischen Flandern aus. Dort dominieren weiterhin konventionelle Masthühner. Danny Coulier vom belgischen Geflügelhalterverband Landsbond Pluimvee schätzt, dass weniger als 5 % der flämischen Masthähnchenbetriebe langsam wachsende Rassen halten. Das sagte er gegenüber dem flämischen Informationszentrum für Land- und Gartenbau VILT.

Dabei sollte 2026 eigentlich das Jahr der großen Umstellung werden. Bereits 2021 hatten mehrere Supermarktketten zugesagt, bis 2026 vollständig auf Hähnchenfleisch umzustellen, das den Anforderungen des Better Chicken Commitment (BCC) entspricht.

Die Standards sehen unter anderem langsamer wachsende Rassen und strengere Vorgaben für die Haltung vor.

Zwar bauten die Handelsunternehmen ihr Angebot teilweise aus. Doch die Verbraucher kauften das Fleisch nicht in dem erwarteten Umfang. Daraufhin rückten mehrere Supermarktketten von ihren ursprünglichen Zusagen ab.

Für Geflügelhalter, die ihre Produktion bereits umgestellt hatten, hatte dies wirtschaftliche Folgen. Sie verloren Absatzmöglichkeiten und mussten sich erneut nach Alternativen umsehen.

Geflügelhalter warnen: Ohne Nachfrage funktioniert die Umstellung nicht

Für Coulier, der selbst Masthähnchen hält, steht die Wirtschaftlichkeit im Mittelpunkt. Ob er schnell oder langsam wachsende Tiere mäste, sei für ihn zweitrangig. Entscheidend sei, dass sich die Produktion rechne.

„Wir produzieren, was der Markt verlangt“, erklärte er gegenüber VILT.

Das Beispiel Flandern zeige, dass der Markt für eine vollständige Umstellung noch nicht bereit sei. Deshalb hält Coulier wenig davon, den Wechsel zu langsam wachsenden Masthühnern allein durch staatliche Verbote zu erzwingen.

Aus seiner Sicht muss die Nachfrage der Verbraucher und des Handels die Produktion bestimmen. Ein staatlich verordneter Wechsel könne dagegen dazu führen, dass Geflügelhalter höhere Produktionskosten tragen, ohne ihre Erzeugnisse entsprechend vermarkten zu können.

Langsameres Wachstum kann Umweltbilanz verschlechtern

Coulier weist zudem auf einen weiteren Zielkonflikt hin. Strengere Tierwohlanforderungen könnten die Umweltbilanz der Geflügelfleischerzeugung verschlechtern.

Langsamer wachsende Masthühner benötigen mehr Zeit bis zur Schlachtreife. Nach den von Coulier angeführten Untersuchungen steigen dadurch unter anderem der CO₂-Fußabdruck, die Emissionen sowie der Wasser- und Energieverbrauch.

Damit geraten unterschiedliche gesellschaftliche Ziele in Konflikt: Einerseits soll sich das Tierwohl verbessern, andererseits sollen Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion ihre Umweltbelastung senken.

Coulier bezweifelt außerdem, dass nationale Verbote ohne gemeinsame europäische Regeln sinnvoll sind. Wenn einzelne Länder die Haltung schnell wachsender Masthühner verbieten, könnten andere Staaten die Produktion übernehmen.

Die Folge wäre aus seiner Sicht eine Verlagerung der Erzeugung, ohne dass sich die Nachfrage nach konventionellem Hähnchenfleisch verändert.

EU plant neue Tierschutzregeln für die Geflügelhaltung

Auch auf europäischer Ebene stehen Änderungen bevor. Die Europäische Kommission will noch 2026 neue Vorschläge für das Tierschutzrecht vorlegen.

Dabei geht es unter anderem um ein Verbot der Käfighaltung und um das Töten männlicher Eintagsküken.

Ein ausdrückliches Verbot bestimmter Masthühnerrassen hat die Kommission bislang nicht angekündigt.

Für Geflügelhalter bleibt damit offen, ob künftig strengere nationale Vorgaben oder einheitliche europäische Regeln die Masthähnchenhaltung verändern werden.

Die Erfahrungen aus Flandern zeigen jedoch bereits, dass höhere Tierwohlstandards allein noch keinen wirtschaftlichen Erfolg garantieren. Entscheidend ist, ob Handel und Verbraucher bereit sind, die höheren Produktionskosten dauerhaft zu tragen.

Geflügelnews
Bild: GWÖ
Quelle: Tom Schotman, Sterke Erven Pluimvee, VILT

Reagieren

Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.