Legehennen ausstallen: Nicht nur die Fangmethode zählt

05 November 2026
Stallmanagement
Fangen Hühner

Wenn Legehennen beim Ausstallen gefangen und verladen werden, zählt jeder Handgriff. Die Frage, welche Fangmethode die Tiere weniger belastet, beschäftigt Betriebe, aber aktuell auch die Gesetzgebung. Eine experimentelle Studie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover zeigt, dass sich Tierwohl dabei nicht allein an einer bestimmten Fangposition festmachen lässt. 

In der Studie der TiHo Hannover wurden jeweils 100 Legehennen der Genetiken Lohmann Brown und Dekalb White am Ende der Legeperiode untersucht. Die Tiere wurden entweder aufrecht gefangen und bei angelegten Flügeln seitlich umfasst oder kopfüber an beiden Beinen gehalten. Es gab vier unterschiedliche Varianten (die Kontrollgruppe wurde nicht gehalten): 

  • aufrecht 5 Sekunden
  • aufrecht 60 Sekunden
  • kopfüber 5 Sekunden
  • kopfüber 60 Sekunden 

Vier verschiedene Parameter wurden gemessen

Um die unmittelbaren Reaktionen der Tiere differenziert zu erfassen, untersuchte das Forschungsteam vier Parameter: die Konzentration des Stresshormons Corticosteron im Blut, das Hetrophil:Lymphozyt Verhältnis im Blut, die Herzfrequenz sowie die Oberflächentemperatur des Kamms.

Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild. Bei den hormonellen und hämatologischen Parametern ließen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen aufrechter und kopfüber ausgeführter Handhabung feststellen. Sie waren grundsätzlich auf einem sehr niedrigen Niveau. Das ist möglicherweise auf den intensiven Mensch-Tier-Kontakt im Rahmen der Eingewöhnung und Haltung der Tiere in den experimentellen kleinen Gruppen zurückzuführen. 

Dauer des Haltens machte keinen Unterschied

Auch die Dauer des Haltens – fünf oder 60 Sekunden – hatte keinen nachweisbaren Einfluss auf diese Messwerte. Selbst zwischen den gefangenen Tieren und der Kontrollgruppe, die nicht gefangen wurde, bestanden keine signifikanten Unterschiede.

Anders sah es bei den kurzfristig reagierenden Kreislaufparametern aus. Während des kopfüber Haltens war die Herzfrequenz insgesamt höher als beim aufrechten Halten. Besonders deutlich war dieser Unterschied bei den weißen Dekalb-White-Hennen: Ihre Herzfrequenz lag im Mittel bei rund 414 anstelle von 375 Schlägen pro Minute. Bei den Lohmann-Brown-Hennen zeigte sich ebenfalls ein Anstieg, der statistisch jedoch nicht signifikant war.

Auch die Kammtemperatur reagierte auf die Körperposition. Bei Lohmann Brown sank sie innerhalb von 60 Sekunden beim kopfüber Halten im Mittel um 2,64 °C, beim aufrechten Halten dagegen nur um 0,43 °C. Bei Dekalb White zeigte sich dieser Unterschied nicht. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich kurzfristige physiologische Reaktionen je nach Umgebung, Messparameter und Genetik unterschiedlich darstellen können.

Das Drumherum macht entscheidenden Unterschied

Besonders aufschlussreich ist der Vergleich mit Untersuchungen unter Praxisbedingungen. Während die vorliegende Studie keine Unterschiede zwischen den Fangpositionen bei den hormonellen Stressindikatoren nachweisen konnte, wurden bei kommerziellen Ausstallungen bereits ausgeprägte Stressreaktionen und Verletzungen beschrieben.

Ein möglicher Grund liegt in den unterschiedlichen Versuchsbedingungen: Im kontrollierten Experiment wurde jeweils nur eine Henne von einer geschulten Person und kopfüber immer an zwei Beinen gehalten. Die Tiere wurden weder über längere Strecken getragen noch an andere Personen weitergereicht oder in Transportkisten gesetzt. Auch Futterentzug, die veränderte Beleuchtung, Lärm und die ungewohnte längere Anwesenheit von Menschen als zusätzliche Belastungsfaktoren waren nicht Bestandteil der Versuchsanordnung.

In der Praxis andere Bedingungen 

In der Praxis kommen diese Faktoren jedoch häufig zusammen. Die Hennen müssen aus dem Haltungssystem geholt, über Wege transportiert, teilweise in Menschenketten weitergereicht und in Transportkisten untergebracht werden. Dabei können Zeitdruck, ungünstige Zugangsbedingungen, schnelle Bewegungen, Kollisionen mit Einrichtungselementen und die Ermüdung der Fänger die Situation zusätzlich erschweren.

Die Studienergebnisse legen deshalb nahe, dass die Belastung bei der Ausstallung wesentlich durch das Zusammenspiel der einzelnen Arbeitsschritte und deren Organisation geprägt wird. Sie beweisen allerdings nicht, welcher einzelne Faktor den größten Anteil hat. Dafür müssen die verschiedenen Bestandteile des kommerziellen Ablaufs künftig gezielt untersucht werden.

Botschaft: Der gesamte Prozess ist zu optimieren

Für die Praxis ergibt sich eine klare Botschaft: Tierwohl bei der Ausstallung lässt sich nicht allein an einer bestimmten Fangposition festmachen. Entscheidend ist auch, wie ruhig, zügig und sorgfältig der gesamte Ablauf organisiert wird. Angefangen mit einer guten Planung der gesamten Arbeitsabläufe und einer Stallvorbereitung, die dafür sorgt, dass die Transportkisten in direkte Nähe der Tiere gelangen. Kurze Transportwege innerhalb des Stalls, möglichst wenige Übergaben, eine angemessene Anzahl gehaltener Tiere, das Vermeiden von Zusammenstößen und gute Arbeitsbedingungen für die Fänger sind weitere wichtige Ansatzpunkte.

Zukünftige Untersuchungen sollten deshalb nicht nur Fangpositionen vergleichen, sondern die einzelnen Schritte der Ausstallung systematisch erfassen. Ziel muss es sein, die Belastung der Tiere entlang des gesamten Prozesses zu reduzieren – von der Nüchterung über die Stallvorbereitung hin zu notwendigen Managementmaßnahmen der ersten Annäherung bis zum Verladen in die Transportkiste.

Gefördert wird das beschriebene Projekt durch das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Lisa Jung, Birgit Spindler & SmartCatching-Team
Bild: Lisa Jung

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