Viele Lebensmittelunternehmen haben höhere Tierwohlstandards für Masthühner zugesagt. Doch die Umsetzung kommt laut der Albert Schweitzer Stiftung nur langsam voran. Ihr Masthuhn-Report 2026 zeigt große Unterschiede zwischen Handel, Gastronomie, Herstellern und Fleischproduzenten. Einige Unternehmen haben ihre Zusagen sogar zurückgezogen.
70 % der untersuchten Unternehmen haben sich zu höheren Tierwohlstandards in der Masthähnchenhaltung verpflichtet. Doch zwischen den Zusagen und ihrer Umsetzung klafft nach Einschätzung der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt weiterhin eine große Lücke. Das zeigt der am 4. November veröffentlichte Masthuhn-Report 2026.
Die Stiftung bewertet darin zum fünften Mal Unternehmen aus dem Lebensmitteleinzelhandel, der Gemeinschaftsverpflegung, der Lebensmittelherstellung, der Systemgastronomie und der Geflügelfleischproduktion. Insgesamt vergab sie 64 Unternehmensbewertungen mit Ergebnissen zwischen 0 und 100 %.
Besonders kritisch sieht die Stiftung die Entwicklung im Lebensmittelhandel und bei Cateringunternehmen. Dagegen haben einzelne Gastronomieketten ihre Zusagen bereits vollständig umgesetzt. Auch mehrere Geflügelfleischproduzenten haben nach Angaben der Stiftung entsprechende Produktionsstrukturen aufgebaut.
Viele Unternehmen verschieben ihre Tierwohlziele auf 2030
Zahlreiche Unternehmen hatten ursprünglich zugesagt, ihre Lieferketten bis 2026 auf die Anforderungen der Masthuhn-Initiative umzustellen. Inzwischen haben viele die Frist bis 2030 verlängert.
„Ohne deutlich mehr Einsatz drohen sie jedoch auch dieses Ziel zu verfehlen“, warnt Esther Erhorn, Leiterin Lebensmittel-Fortschritt bei der Albert Schweitzer Stiftung. Die Organisation fordert deshalb verbindliche Zwischenziele und schnellere Fortschritte. Zudem bewertet sie die tatsächliche Umsetzung in diesem Jahr stärker als bisher.
Der Gesamtscore setzt sich aus vier Bereichen zusammen: Die öffentliche Zusage zählt 20 %, ein konkreter Umsetzungsplan 8 % und ein aktueller Fortschrittsbericht 12 %. Die dokumentierte Umsetzung macht mit 60 % den größten Anteil aus.
Innerhalb dieser Kategorie gewichtet die Stiftung insbesondere eine geringere Besatzdichte und den Einsatz robusterer, langsamer wachsender Zuchtlinien.
Lebensmittelhandel: Aldi Süd führt, Edeka bleibt zurück
Im Lebensmitteleinzelhandel haben 14 der 17 bewerteten Supermarkt- und Discounterunternehmen eine Zusage zur Masthuhn-Initiative abgegeben. Dennoch erreicht keines der Unternehmen im Gesamtranking 60 %.
Aldi Süd führt mit 54 % die Bewertung des Handels an. Unter den Supermärkten liegt Globus mit 48 % vorn. Rewe und Penny erreichen jeweils 42 % und gehören laut Stiftung bei der tatsächlichen Umsetzung zu den führenden Unternehmen. Die erstmals bewerteten Händler Wasgau und Hit kommen auf 40 beziehungsweise 38 %.
Edeka erhält mit 26 % erstmals Punkte. Nach Angaben der Stiftung fehlen bislang jedoch ein öffentlicher Umsetzungsplan und ein Fortschrittsbericht.
Netto ApS, K+K Klaas & Kock sowie Famila Nordost erhalten jeweils 0 %, weil sie nach Angaben der Stiftung noch keine entsprechende Zusage abgegeben haben.
Hersteller: Dr. Oetker vorn, Nestlé zieht Zusage zurück
Bei den Lebensmittelherstellern führt Dr. Oetker das Ranking mit 88 % zum zweiten Mal in Folge an. Frosta folgt mit 64 %. Das Unternehmen hat erstmals einen vollständigen Umsetzungsplan mit jährlichen Zielen bis 2030 veröffentlicht.
Andere Hersteller bleiben nach Einschätzung der Stiftung deutlich hinter ihren Zusagen zurück. Bofrost erreicht 40 %, Apetito 26 % und Nomad Foods, zu dem Iglo gehört, 24 %.
Besonders kritisch bewertet die Stiftung Nestlé und Rügenwalder Mühle. Beide Unternehmen haben ihre bisherigen Zusagen zur Masthuhn-Initiative zurückgezogen und erhalten deshalb 0 %.
Eismann und OSI Food Solutions liegen ebenfalls bei 0 %, da sie nach Angaben der Stiftung bislang keine entsprechende Verpflichtung eingegangen sind.
Systemgastronomie: Drei Unternehmen erfüllen alle Kriterien
In der Systemgastronomie sieht die Stiftung deutliche Unterschiede. Die Bahnhofsgastronomiekette Yorma’s und die Pizzakette 60 seconds to Napoli erreichen jeweils 100 %. Damit erfüllen sie nach Angaben der Stiftung sämtliche Kriterien der Masthuhn-Initiative. Die Burgerkette Hans im Glück hatte die Umstellung bereits Ende 2024 abgeschlossen.
L’Osteria kommt auf 52 % und plant, die Anforderungen bis 2027 vollständig umzusetzen. Dean & David erreicht 42 %, KFC 38 %.
Die großen Fast-Food-Ketten McDonald’s und Burger King erhalten jeweils 0 %. Laut Stiftung haben beide bislang keine verbindliche Zusage abgegeben, die Standards der Masthuhn-Initiative umzusetzen. Burger King kündigt auf seiner Webseite allerdings an, mögliche Verbesserungen zu prüfen.
Geflügelfleischproduzenten bauen Tierwohlangebot aus
Und wie werden die Geflügelfleischproduzenten bewertet? Nach Angaben des Masthuhn-Reports bieten mehrere Unternehmen bereits Hähnchenfleisch an, das den Kriterien der Initiative entspricht. Dazu zählen TLC Landgeflügel, LDC, PHW und Plukon.
Diese Unternehmen erhalten in der Kategorie „Umsetzung“ die volle Punktzahl. Das bedeutet nach Angaben der Albert Schweitzer Stiftung allerdings nicht, dass sie ihre gesamte Produktion bereits umgestellt haben. Vielmehr berücksichtigt die Stiftung, dass die Unternehmen entsprechende Produktionsstrukturen aufgebaut haben. Dazu gehören neue Zuchtlinien, Partnerschaften mit Mästerbetrieben und teilweise auch Stallumbauten.
Auch Borgmeier produziert laut Report Hähnchenfleisch nach höheren Tierwohlstandards. Da das Unternehmen dies jedoch nicht öffentlich kommuniziert, erhält es dafür keine entsprechenden Punkte. Bei Sprehe und Rothkötter vermisst die Stiftung weiterhin verbindliche Zusagen.
Cateringunternehmen bleiben bei der Umsetzung zurück
Auch in der Gemeinschaftsverpflegung sieht die Stiftung erheblichen Nachholbedarf. Zwölf der 15 bewerteten Cateringunternehmen unterstützen die Masthuhn-Initiative. Dennoch erreichen die beiden bestplatzierten Unternehmen, Dussmann und Primus, jeweils nur 36 %.
Aramark kommt auf 32 %, Wisag auf 26 %. Die Stiftung kritisiert insbesondere die langsame Umsetzung sowie fehlende oder unvollständige Umsetzungspläne und Fortschrittsberichte.
Consortium Gastronomie und Vielfalt Menü erhalten jeweils 0 %, weil sie keine entsprechende Zusage abgegeben haben. Genuss & Harmonie hat seine frühere Verpflichtung 2026 zurückgezogen und erreicht ebenfalls 0 %.










































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