Weniger Zugluft, weniger Coli-Probleme auch bei Frost: Legehennenhalter setzt auf Gleichdrucklüftung

04 November 2026
Legehenne
Hof scholtmann

Selbst bei Frost hält Legehennenhalter Nico Scholtmann seine Freilandställe auf 21 bis 22 °C. Dafür setzt er auf eine teurere Gleichdrucklüftung. Sie soll Zugluft vermeiden und die Tiergesundheit unterstützen. Welche Erfahrungen hat der Betrieb gemacht?

Wenn im Winter die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen, kann es in Freilandställen schnell ungemütlich werden. Besonders die geöffneten Auslaufklappen stellen hohe Anforderungen an die Stalllüftung. Kalte Außenluft kann in den Tierbereich gelangen und das Stallklima belasten.

Legehennenhalter Nico Scholtmann aus Laar in der Grafschaft Bentheim will das vermeiden. Der 22-Jährige setzt deshalb gemeinsam mit seinen Eltern Hermann (55) und Bärbel (53) auf Gleichdrucklüftung.

„Dank der Gleichdrucklüftung halten wir die Stalltemperatur in unseren Freilandställen auch im Winter zwischen 21 und 22 °C und vermeiden Coli-Probleme bei unseren Hennen“, berichtet Scholtmann.

Die Familie hält rund 43.000 Legehennen in Freilandhaltung in zwei Ställen. Der Betrieb liegt nur etwa 100 m von der niederländischen Grenze bei Hardenberg entfernt. Neben der Geflügelhaltung bewirtschaftet die Familie Ackerflächen. Auch Großvater Hindrik-Jan (80) hilft regelmäßig mit.

Unterdrucklüftung: Kalte Luft strömt durch die Auslaufklappen

Wie wichtig die richtige Lüftung ist, erlebte Nico Scholtmann während seiner landwirtschaftlichen Ausbildung in Nordhorn. Er absolvierte mehrere Praktika auf Legehennenbetrieben, die mit Unterdrucklüftung arbeiteten. Dabei beobachtete er, wie stark die Stalltemperatur im Winter sinken kann. „Wenn es nachts minus 5 °C hatte, fiel die Temperatur in Ställen mit Unterdrucklüftung teilweise auf 14 °C“, berichtet er.

Das Problem entsteht nach seinen Erfahrungen vor allem beim Öffnen der Auslaufklappen. Bei einer Unterdrucklüftung saugen Ventilatoren Luft aus dem Stall. Dadurch entsteht ein Unterdruck, der Frischluft durch die vorgesehenen Zuluftöffnungen nachströmen lässt.

Sind die Auslaufklappen geöffnet, kann kalte Außenluft jedoch auch auf diesem Weg unkontrolliert in den Stall gelangen. „Luft sucht sich immer den einfachsten Weg“, erklärt Scholtmann.

Besonders an kalten Wintertagen könne dadurch Zugluft im Tierbereich entstehen. Scholtmann sieht darin ein Risiko für die Tiergesundheit.

Gleichdrucklüftung verhindert kalte Zugluft im Hühnerstall

Um die Temperatur stabil zu halten, hat die Familie beide Freilandställe mit einer Gleichdrucklüftung ausgestattet. Beide Gebäude verfügen an zwei Seiten über einen überdachten Auslauf.

Das System unterscheidet sich deutlich von einer herkömmlichen Unterdrucklüftung. Ein Klimacomputer stimmt die Menge der eingeblasenen Luft auf die abgesaugte Luft ab.

Dadurch herrscht im Stall annähernd der gleiche Luftdruck wie außerhalb des Gebäudes. An besonders kalten Wintertagen schaltet die Lüftung nach Angaben Scholtmanns auf einen leichten Überdruck um.

So soll verhindert werden, dass kalte Außenluft durch die geöffneten Auslaufklappen in den Stall gezogen wird.

Die Frischluft gelangt stattdessen kontrolliert über die Zuluftventile ins Gebäude. Im Firstbereich vermischt sie sich mit der wärmeren Stallluft, bevor sie den Tierbereich erreicht.

Nach Scholtmanns Erfahrungen bleibt die Stalltemperatur dadurch auch bei Frost stabil. Gleichzeitig vermeidet die Familie kalte Zugluft im Bereich der Hennen.


Beide Ställe sind an beiden Längsseiten mit einem Wintergarten ausgestattet.

Höhere Kosten, aber weniger Probleme mit E. coli?

Die Gleichdrucklüftung hat allerdings ihren Preis. Scholtmann betont, dass sowohl die Anschaffung als auch der Energieverbrauch deutlich teurer seien als bei einer herkömmlichen Unterdrucklüftung.

Trotzdem ist die Familie mit ihrer Entscheidung zufrieden. Für sie überwiegen die Vorteile eines stabilen Stallklimas.

Gerade in der geflügelreichen Grafschaft Bentheim spielt die Tiergesundheit eine wichtige Rolle. Nach Scholtmanns Angaben treten in der Region regelmäßig Infektionen mit dem Virus der Infektiösen Bronchitis (IB) auf.

Eine IB-Infektion kann die Atemwege und den Legeapparat der Hennen schädigen. Hinzu kommen mögliche Sekundärinfektionen mit E. coli. Diese können unter anderem Atemwegserkrankungen und Eileiterentzündungen verursachen.

Scholtmann möchte deshalb vermeiden, dass kalte Zugluft die Tiere zusätzlich belastet. Nach seinen Erfahrungen hilft ihm die Gleichdrucklüftung dabei, die Haltungsbedingungen auch im Winter stabil zu halten.

Allerdings unterscheiden sich die Bedingungen zwischen seinen beiden Ställen. Rund um das ältere Gebäude stehen mehr Bäume. Sie bremsen den Wind und beeinflussen damit auch die Lüftungsverhältnisse.

523 Eier je Henne bis zur 105. Lebenswoche

Dass Stallklima und Tiergesundheit wichtige Voraussetzungen für hohe Leistungen sind, steht für Scholtmann außer Frage.

Im Jahr 2023 nahm die Familie ihren zweiten Freilandstall mit 14.990 Hennenplätzen in Betrieb. Im ersten Durchgang sammelte sie bis zur 105. Lebenswoche insgesamt 523 Eier je Henne. Mit diesem Ergebnis ist der junge Geflügelhalter zufrieden. Dennoch möchte er sich weiter verbessern.

Besonders beeindruckt ist er von Berufskollegen, die noch höhere Leistungen erreichen. Einige sammeln nach seinen Angaben beispielsweise 540 Eier je Henne.

Um von ihren Erfahrungen zu profitieren, engagiert sich Scholtmann in einem Arbeitskreis mit anderen Legehennenhaltern. Die Mitglieder treffen sich in der Regel einmal jährlich auf einem der beteiligten Betriebe. Die Besuche finden nach der Stallreinigung und vor der Desinfektion statt.

Dabei sprechen sie über Tiergesundheit, Coli-Infektionen, Infektiöse Bronchitis, Kannibalismus und Federpicken. Auch praktische Erfahrungen mit verschiedenen Picksteinen tauschen die Geflügelhalter aus.

Hofscholtmann

Fachlicher Austausch mit Berufskollegen ist wichtig

Neben der Lüftung spielen für Scholtmann auch die Aufzucht, Fütterung und Impfungen eine wichtige Rolle. Wie stark sich die Anforderungen verändert haben, zeigt ein Vergleich mit den Anfängen des Familienbetriebs.

Als seine Eltern 1999 ihre erste Legehennenherde einstallten, waren die Tiere nach seinen Angaben gegen Salmonellen und Infektiöse Bronchitis geimpft.

Heute erhielten die Hennen während der Aufzucht dagegen 13 bis 15 Impfungen. Scholtmann führt dies auf den gestiegenen Infektionsdruck zurück. Seit 1999 seien in der Umgebung zahlreiche neue Geflügelställe entstanden.

Wie schnell sich Krankheiten bemerkbar machen können, erlebte die Familie, als in der Region die IB-Variante QX auftrat. Auch der eigene Bestand blieb nicht verschont. „Wir haben damals vorübergehend weniger Eier gesammelt, weil die Legeleistung etwas zurückging“, erinnert sich Scholtmann.

Solche Erfahrungen bespricht er ebenfalls im Arbeitskreis. Die Geflügelhalter tauschen sich darüber aus, wie sie auf Krankheitsausbrüche reagiert haben und welche Maßnahmen sich bewährt haben.

Für Scholtmann steht fest: Wer dauerhaft hohe Leistungen erzielen will, muss Stallklima, Tiergesundheit und Management gemeinsam betrachten. Die Gleichdrucklüftung ist für ihn dabei ein wichtiger Baustein.


Die aufwendige Stalltechnik hat ihren Preis: Warum der neue Freilandstall der Familie Scholtmann trotz halb so vieler Hennenplätze teurer war als das alte Gebäude, lesen Sie in unserem zweiten Betriebsbericht.

Geflügelnews / Cordula Möbius
Bild: Ellen Meinen
Quelle: Tom Schotman, Sterke Erven Pluimvee

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