Gehölzstreifen machen den Auslauf für Freilandhennen attraktiver. Für Betriebe in Niedersachsen ist das auch finanziell interessant: Das Bundesland fördert Agroforstsysteme auch im Hennenauslauf mit bis zu über 5.000 Euro je Hektar.
Es ist eine gute Nachricht für Freiland-Legehennenhalterinnen und -Legehennenhalter: Das Land Niedersachsen unterstützt die Neuanlage von Agroforst auf Acker- und Grünlandflächen im Rahmen einer Investitionsförderung. Diese kann auch für Legehennen-Ausläufe beantragt werden. Abhängig von der Art und vorgesehenen Nutzung der Gehölze können bis zu 5.271 Euro je Hektar Gehölzstreifen gewährt werden. Diese maximale Summe ist auch für die Bepflanzung von Legehennen-Ausläufen möglich.
Anträge bei der Landwirtschaftskammer stellen
Förderfähig sind unter anderem Ausgaben für Gehölze und Wuchshüllen, die Vorbereitung und Bepflanzung der Flächen, Maßnahmen zum Schutz vor Wildverbiss sowie Beratungs- und Planungsleistungen durch Dritte. Anträge können nach aktuellem Stand bis zum 30. September 2027 bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen eingereicht werden.
Über das Förderprogramm informierte die Landwirtschaftskammer auf ihrem Infostand beim Fachgespräch Legehenne, das vergangene Woche in Haselünne (Landkreis Emsland) stattfand. Dort war die Auslaufgestaltung ein Schwerpunktthema. Michael Engling, Landwirt aus dem emsländischen Geeste, stellte seine Erfahrungen mit seinen bereits vor einigen Jahren gepflanzten Pappelreihen vor.
Pappelreihen beginnen ab 12 m vom Stall
Michael Engling hält seit 2019 rund 15.000 Legehennen in Freilandhaltung und pflanzte im gleichen Jahr Pappeln in den Auslauf. Die Pappelreihen beginnen etwa 12 m entfernt vom Stall. Fünf Gruppenpflanzungen gehen strahlenförmig vom Stall weg. Pro Strahl gibt es sechs Reihen Bäume, der Reihenabstand beträgt dabei 2 m. In einer Reihe stehen die Bäume im Abstand von je 1 m.
Insgesamt hat der Landwirt etwa 10.000 Bäume je ha gepflanzt. In Stallnähe bis etwa 50 m Entfernung setzte er 1,20 m hohe Ruten, weiter entfernt vom Stall nutzte er Stecklinge, die nur ca. 30 cm hoch sind. Letzteres machte er aus Kostengründen. In Stallnähe verwandte er die größeren Ruten zum Schutz vor Verbiss durch die Hühner. Sein Tipp für Interessierte: Zu den Zäunen des Auslaufs sollte immer ausreichend Platz gelassen werden, damit man für Pflege- und Erntearbeit dort noch mit dem Traktor entlangfahren kann.
Nicht ganz so einfacher Start
Nach der Pflanzung, die der Landwirt übrigens selbst durchführte, gab es starken Unkrautbewuchs zwischen den Pappelpflanzen, der per Hacke entfernt werden mussten. Zudem war das Pflanzjahr 2021 sehr trocken, obwohl bewässert wurde, vertrocknete ein Teil des Pflanzguts und musste ersetzt werden.
Trotz der „Startschwierigkeiten“ ist Michael Engling von seiner Pappel-Kurzumtriebsplantage sehr überzeugt: Die Pappelreihen sind ein guter Windschutz, es gibt kaum Staubeinträge in den Stall bei Wind. Passanten finden es toll, dass die Hühnerausläufe so begrünt sind. Und auch die Tiere selbst finden die Pappelreihen allem Anschein nach toll: „Erst mal volle Pulle raus, wenn die Stallluken aufgehen“, so umschrieb Michael Engling das Verhalten der Tiere.
Sehr positive Einschätzung für Tierwohl
Seiner Einschätzung nach wird der Auslauf deutlich besser genutzt, die Hühner gehen weiter in die Fläche. Die Verluste durch Greifvögel, ein großes Problem für viele Legehennenhalter, sind bei ihm gesunken. Bei Sommerhitze halten sich die Tiere zudem gern im Schatten der Bäume auf. Mit verlegten Eiern hatte er bislang wenig Probleme, erzählte er, ebenso wenig damit, dass die Hennen abends nicht in den Stall kommen. Für Michael Engling ist die Tatsache, dass seine Herden bislang immer bis zum Ende der Legeperiode noch ein schönes Federkleid hatten, auch Beweis dafür, dass die Tiere keinen Stress haben und sich draußen zwischen den Pappeln -als ursprüngliche Waldbewohner- sehr wohl fühlen.
Probleme gab es einmal mit einem Fuchs oder Jungfüchsen, die in den Auslauf gelangt waren und die natürlich durch die Pappeln eine gute Deckung hatten. „Die muss man einfach fernhalten vom Auslauf“, so der Legehennenhalter. Zwischen den Pappelreihen ist eine Kleegrasmischung gesät, hier wird dreimal jährlich gemäht – was natürlich mit viel Arbeit verbunden ist.
Doppelnutzung ist heute überall möglich
Die Pappeln im Auslauf werden regelmäßig zurückgeschnitten – jedes Jahr etwa ein Drittel des Bestandes. Begonnen wurde damit vier Jahre nach Pflanzung. Die Ernte ist laut Michael Engling schon arbeits- und kostenintensiv, er selbst hat seit der ersten Ernte „viel gelernt“. Heute nutzt er einen Mobilbagger sowie einen Fangsammelgreifer, den er von einem anderen Betrieb ausleiht. Das Schnittgut verkauft er an einen Nachbarn, der eine Hackschnitzelheizung besitzt. Heute dürfen bekanntlich auch konventionelle Freiland-Legehennenhalter den Aufwuchs im Auslauf nutzen.
Diskutiert wurde in Haselünne auch darüber, ob eine Bepflanzung mit Pappelreihen den Vorgaben des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) genügt, was Schutzmöglichkeiten/Unterstände im Auslauf angeht. Das LAVES hat für Niedersachsen hierzu gerade neue Vorgaben veröffentlicht. Thomas Mörler vom LAVES äußerte sich beim Fachgespräch grundsätzlich positiv zur „natürlichen“ Auslaufstrukturierung, betonte aber, dass es letztlich immer eine einzelbetriebliche Beurteilung gebe.
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