Mobilställe im Winter: So managen Sie Hennen, Stall, Auslauf und Technik sicher durch die kalte Jahreszeit
21 November 2025
Mobilstall
Hier wurde der Winterstellplatz mitsamt Zuwegung durch eine Hackschnitzelauflage ertüchtigt. Im Hintergrund sind die Strukturen von Altgras zu erkennen. Das graue und trübe Wetter ist, wenn länger anhaltend, eine Belastung für die Energieversorgung der Ställe.
Wenn Regen, Frost und Wind zunehmen, stoßen Mobilställe schnell an ihre Grenzen. Die leichten Systeme lassen sich im Sommer problemlos versetzen – im Winter dagegen nicht. Wer früh plant, schützt Stall, Tiere und Auslaufflächen. Der Fachmann Christian Cypzirsch erklärt, worauf Betriebe achten müssen.
Mobilställe brauchen im Winter Planung und Weitsicht
Im Sommer zeigt die Mobilstallhaltung ihre Stärken: viel Freiraum, flexibler Standortwechsel, intakte Grasnarbe. Doch sobald Dauerregen, Frost und tiefe Böden den Untergrund aufweichen, wird jeder Standortwechsel zur Herausforderung. Wer das Gewicht der Ställe unterschätzt, steht schnell vor Problemen. Schon kleine Einheiten für rund 130 Hennen wiegen mit Wasser, Futter und Tieren mehr als zwei Tonnen. Größere Modelle mit 200 bis 300 Plätzen erreichen vier Tonnen und mehr.
Besonders riskant wird es bei kleineren Eigenbauten mit schmaler Pkw-Bereifung. Sie sind nicht dafür gebaut, erst im nassen Spätherbst oder Winter bewegt zu werden. Deshalb sollten Halter rechtzeitig geeignete Winterstellplätze planen und diese belegen, bevor der Boden nachgibt.
Christian Cypzirsch vom Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau betont: Winterstellplätze sollten möglichst lange genutzt werden, um andere Auslaufflächen gezielt zu entlasten.
Im Winter erlauben fast nur die seltener werdenden Frosttage ein geordnetes Umsetzen von Mobilställen. Umsetzen ist daher nicht plan- und kalkulierbar, was wiederum klar für einen Winterstellplatz ab dem Spätherbst spricht.
Was ein guter Winterstellplatz leisten muss
Ein Winterstellplatz darf weder versumpfen noch Staunässe bilden. Senken oder überflutungsgefährdete Uferbereiche fallen damit aus. Besser eignen sich Kuppen oder flachgründige Böden – auch wenn der Wind dort stärker angreift. Ein Standort in der Nähe eines befestigten Wegs vereinfacht Versorgung und Kontrolle bei jeder Wetterlage.
Der Platz sollte mindestens eine Reservefläche bieten, damit der Auslauf bei Bedarf umgesteckt werden kann. Vollmobile Ställe stehen idealerweise bereits in Zugrichtung, um einen schnellen Standortwechsel auf festen Wegen zu ermöglichen. Zugleich muss die Ausrichtung die Hauptwindrichtung berücksichtigen, um Zugluft zu vermeiden.
Hackschnitzel sorgen für Tragfähigkeit
Die Standfläche rund um den Stall sollte mindestens 20 Zentimeter tief ausgekoffert und mit Hackschnitzeln aufgefüllt werden. Das gilt auch für Zuwegungen. Hackschnitzel sind trocken, isolierend und bieten jederzeit sicheren Zugang. Alternativen wie Kunststoffgitter oder Paddockplatten funktionieren ebenfalls – erfordern im Frühjahr aber zusätzlichen Aufwand bei der Flächenpflege.
Strohballen taugen hingegen kaum: Sie sind nicht tragfähig, nehmen wenig Feuchtigkeit auf und verleiten Hennen zum Eierlegen im Auslauf.
Eine Hackschnitzelschicht senkt zudem den Feuchtigkeitseintrag in den Stall. Sie dient als Scharrfläche und Beschäftigungszone – besonders wichtig, weil Vegetation im Winter fehlt und der Bereich um den Stall schnell zu Matsch wird.
Hier ist der Stall durch Dauerregen quasi „schachmatt“. Das Stroh soll den Bereich um den Stall einigermaßen ertüchtigten und den Zugang ermöglichen. Solche Situationen können auf einem Winterstellplatz besser kontrolliert werden.
Ausläufe attraktiv halten – auch ohne frisches Grün
Hennen aus Mobilställen kennen viel Freigang und suchen im Winter Ersatz für frisches Grün. Auf Ackerflächen eignen sich hohe Bestände aus Klee, Luzerne oder Zwischenfrüchten. Auf Dauergrünland bieten Altgrasstreifen strukturreiche Bereiche, die lange tragfähig bleiben.
Die Tiere treten zwar alles nieder, doch das verholzte Material schützt den Boden und wirkt wie Mulch. Gleichzeitig finden die Hennen Samen und Insekten, was den Auslauf attraktiver macht. In Hanglagen drücken die Tiere das Material hangabwärts – im Frühjahr ist eine gründliche Pflege mit Abfuhr der Reste nötig.
Zwischenfruchtbestände bieten den Hennen Deckung und ein attraktives Angebot für die Futtersuche. Wichtig ist, dass die Bestände frühzeitig etabliert werden, um ausreichend Aufwuchs vor der Nutzung aufbauen zu können.
Grobstängelige Pflanzen wie Senf oder Sonnenblumen aus alten Blühmischungen bieten Deckung und stabilisieren den Boden durch ihr Wurzelwerk. Damit sie den Winter überstehen, müssen Zwischenfrüchte früh gesät oder als Untersaat etabliert sein.
Fehlt Vegetation völlig, helfen Beschäftigungsangebote: Siloballen oder Klee- und Luzerneheu eignen sich zum Scharren und Picken. Grasheu bleibt tabu, da es das Risiko von Kropfverstopfungen erhöht. Besonders beliebt sind Kisten mit gekeimtem Getreide oder Runkelrüben – sie lenken die Tiere und verhindern Langeweile, vor allem wenn der Auslauf zeitweise eingeschränkt ist.
Altgrasbestände bieten den Hennen Beschäftigung und Erhöhen die Tragfähigkeit der Flächen. Das überständige Gras wird niedergetrampelt und schützt als Mulchauflage den Boden. Ausgefallene Gräser und Insekten (-larven) bieten ein Angebot, welches zum Scharren und Picken einlädt.
Wind ist ein unterschätzter Stressfaktor
Neben Nässe setzt Wind die Tiere besonders unter Druck. Durch den Windchill-Effekt sinkt die gefühlte Temperatur drastisch. Ställe sollten deshalb mit der Stirnseite in Hauptwindrichtung stehen, damit die Auslauf- und Lüftungsklappen an den Längsseiten geschützt bleiben.
In exponierten Lagen schützen Windschutzplatten den offenen Scharrraum – mindestens auf der Wetterseite, oft rundum. Bei extremen Bedingungen dürfen einzelne Auslaufklappen geschlossen werden, solange die Mindestmaße der EU-Öko- und Tierschutzvorgaben eingehalten bleiben.
Zäune und Netze benötigen zusätzliche Abspannungen, weil sie im Wind große Angriffsflächen bieten und Haltestäbe im nassen Boden instabil werden.
Im Stall: Feuchtigkeit kontrollieren und Verletzungen vermeiden
Der größte Feind im Stall ist Feuchtigkeit. Hennen tragen Nässe über die Füße ein, die Einstreu verdichtet und bildet Platten. Nur ein regelmäßiger Austausch hält Füße und Stallhygiene in gutem Zustand. Überstreuen bringt wenig, da Feuchtigkeit von oben und unten eindringt.
Nasse Füße erhöhen das Risiko für Verletzungen. Besonders gefährlich ist aufgerautes Holz – zum Beispiel an Sitzstangen, die beim Reinigen mit Hochdruck zu stark beschädigt wurden. Hühner greifen beim Aufbaumen fest zu und verletzen sich schnell. Deshalb sollten Sitzstangen so schonend wie möglich gereinigt werden.
Hier wurde der Scharrraum stärker eingestreut, um den Feuchtigkeitseintrag über die Füße zu reduzieren. Als Einstreu wurde Luzerneheu verwendet. Der Aufwand für den regelmäßigen Austausch der Einstreu ist natürlich entsprechend hoch.
Feuchte Einstreu und hohe Luftfeuchtigkeit steigern zudem die Ammoniakbelastung. Der stechende Geruch zeigt, dass die zulässigen 10 ppm meist überschritten sind. Windschutzplatten können den Kamineffekt der Lüftung stören. Dann helfen nur häufigeres Entmisten und konsequente Kontrolle.
Energieversorgung sichern: Notstrom ist Pflicht
Winterwetter fordert auch die Technik heraus. Viele Mobilställe laufen im Inselbetrieb mit Photovoltaik und Batteriespeicher. Doch Lichtsteuerung, Futterkette, Lüftung, Nestaustrieb und Klappen verbrauchen Energie – bei gleichzeitig geringen Erträgen in Dunkelflauten oder Hochnebel.
Schnee lässt sich zwar vom Modul schieben, doch längere dunkle Phasen bleiben ein Risiko. Deshalb gehört eine Notstromversorgung zwingend zur Winterstrategie: geladene Ersatzakkus oder ein Aggregat. Ein geübter Notfallplan, der den Stromausfall simuliert, schafft Sicherheit und verhindert Fehler im Ernstfall.
Geflügelnews
Bild:
Christian Cypzirsch
Quelle:
Land und Forst, Christian Cypzirsch, Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau
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