Bio- Masthühner: wie sich Alter, Haltung und Auslauf auf das Darm-Mikrobiom auswirken

27 Juni 2026
Masthuhn
Seppenhagen

Der Auslauf beeinflusst die Darmgesundheit von Bio-Masthühnern stärker als bisher angenommen. Forschende der Universität Hohenheim zeigen zudem: Alter, Masttyp und Haltung verändern die Zusammensetzung des Mikrobioms deutlich. Die Ergebnisse liefern neue Hinweise für Tiergesundheit, Fütterung und Stallmanagement im Ökolandbau.

Forschende untersuchen Darmflora von Bio-Masthühnern

Mit den Zusammenhängen zwischen Haltung und Darmmikrobiom bei Bio-Masthühnern befasste sich Prof. Amélia Camarinha-Silva vom Fachgebiet mikrobielle Ökologie bei Nutztieren der Universität Hohenheim im Rahmen des Projektes ProBioHuhn und teilte ihr Wissen bei einer Veranstaltung des Netzwerkes Fokus Tierwohl.

Grundlage der Untersuchung waren Proben aus 14 ökologisch wirtschaftenden Betrieben mit drei unterschiedlichen Masttypen: Masthybride, Zweinutzungshähne und männlichen Legehybride. Die Tiere wurden an mehreren Zeitpunkten vom Schlupf bis zum Ende der Mastperiode beprobt. Die Analyse erfolgte mittels DNA-Extraktion, PCR, Sequenzierung und bioinformatischer Auswertung.

Ein zentrales Ergebnis ist die altersabhängige Entwicklung des Darmmikrobioms. Die Diversität der Bakteriengemeinschaften, gemessen über den Shannon-Index, war im Mekonium unmittelbar nach dem Schlupf am geringsten und nahm anschließend deutlich zu. Dabei zeigten sich Unterschiede zwischen den Masttypen: Während bei Masthybriden die Diversität kontinuierlich anstieg, verzeichneten Zweinutzungshähne einen deutlichen Entwicklungsschub nach Beginn des Auslaufs. Bei männlichen Legehybriden stabilisierte sich das Mikrobiom bereits früh und reagierte später kaum noch auf den Zugang zum Freiland.

Von frühen Besiedlern zum stabilen Darmökosystem

Die Zusammensetzung des Mikrobioms veränderte sich im Verlauf der Aufzucht grundlegend. Direkt nach dem Schlupf dominierten Enterococcus sowie Escherichia-Shigella, während Clostridium-Arten bereits nach kurzer Zeit weitgehend verschwanden. Diese frühe Besiedlung wird vor allem durch Brutumgebung, Schlupf und Transport beeinflusst. Mit zunehmendem Alter entwickelte sich ein komplexeres und stabileres Mikrobiom, das von Milchsäurebakterien wie Lactobacillus, Ligilactobacillus und Limosilactobacillus geprägt war. Diese Gruppen unterstützen die Immunfunktion, stärken die Darmbarriere und erschweren die Ansiedlung von Krankheitserregern. Ergänzt werden sie durch Bifidobacterium als wichtiger Vertreter einer gesunden Darmflora sowie Bacteroides als Produzent kurzkettiger Fettsäuren. Enterococcus und Escherichia-Shigella blieben als Teil des Kern-Mikrobioms über die gesamte Mastdauer nachweisbar.

Auslauf bringt Vielfalt – aber auch neue Risiken

Der Zugang zum Freiland beeinflusste die Darmflora in allen Masttypen. Nach Auslaufbeginn nahm die Häufigkeit umwelt- und faserassoziierter Bakteriengruppen wie Prevotellaceae UCG-001 und Rikenellaceae RC9 zu. Dies deutet auf einen stärkeren Kontakt mit Pflanzenmaterial und Umweltkeimen hin. Gleichzeitig gingen einige stallassoziierte Bakteriengruppen zurück. Vereinzelt wurden jedoch auch opportunistische Keime (Keime, die sich bei geschwächtem Immunsystem ausbreiten), wie Gallibacterium häufiger nachgewiesen. Die Ergebnisse zeigen, dass der Auslauf die mikrobielle Vielfalt erweitert, gleichzeitig aber neue Expositionsrisiken mit sich bringt.

Unterschiede zwischen den Masttypen

Alle untersuchten Masttypen wiesen insgesamt eine stabile, von probiotisch assoziierten Bakterien dominierte Darmflora auf. Darüber hinaus zeigten sich masttypspezifische Zusammenhänge zwischen Mikrobiom und Gesundheitsstatus.

Bei Masthybriden war ein Rückgang von Lawsonia mit einem schlechteren Gesundheitsstatus assoziiert. Bei Zweinutzungshähnen erwies sich Olsenella als möglicher Indikator für gutes Wohlbefinden. Bei männlichen Legehybriden könnte das vermehrte Auftreten bestimmter Umweltkeime auf eine verminderte Kolonisierungsresistenz hinweisen. Einheitliche Biomarker für Tierwohl ließen sich jedoch nicht identifizieren.

Mikrobiomanalysen könnten Betrieben künftig helfen

Während Brüterei, Transport, Einstreu und Ankunftsmanagement das Startmikrobiom nachhaltig prägen, kann der Auslauf die Entwicklung nützlicher Bakterien fördern, erfordert aber ein sorgfältiges Management von Vegetation, Feuchtstellen und möglichen Einträgen durch Wildvögel.

Die Befunde sprechen zudem für masttypspezifische Managementansätze: Während sich das Mikrobiom männlicher Legehybriden früh stabilisiert, bleibt es bei Masthybriden über einen längeren Zeitraum in Entwicklung.

Langfristig könnten Mikrobiomanalysen als Instrument für Monitoring und Benchmarking genutzt werden. Ihre Aussagekraft entfaltet sich jedoch nur in Verbindung mit Gesundheits- und Betriebsdaten.

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Magdalena Esterer
Bild: Seppenhagen

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