Erkenntnisse des Projekts ProBioHuhn: Diese Maßnahmen verbessern Tierwohl und Tiergesundheit in der Öko-Hühnermast

30 Juni 2026
Bio
Mathühner

Wie lassen sich Tierwohl und Tiergesundheit in der ökologischen Masthühnerhaltung gezielt verbessern? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Verbundprojekt ProBioHuhn. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Entscheidend sind nicht Einzelmaßnahmen, sondern das Zusammenspiel aus Stallmanagement, Tierbeobachtung, Darmgesundheit und praxisnaher Betreuung der Betriebe.

Wie lassen sich Tierwohl und Tiergesundheit in der ökologischen Hühnermast gezielt verbessern? Das Verbundprojekt ProBioHuhn mit dem Titel „Neue Strategien zur Reduktion von Erkrankungen auf ökologischen Masthühnerbetrieben unter besonderer Berücksichtigung des Darmmikrobioms” suchte Antworten und präsentierte die Ergebnisse im Rahmen einer Netzwerk-Fokus-Tierwohl-Veranstaltung.

Haut, Fußballen und Gewicht im Fokus: Tierwohl erfassen und verbessern

Im Projekt wurden 20 Tierwohlindikatoren an jeweils 50 Tieren zu vier Zeitpunkten während der Mast erhoben. Im Fokus standen Kamm- und Hautverletzungen, Fußballenveränderungen sowie die Uniformität der Tiergewichte.

Die Ergebnisse zeigen, dass Tierwohlprobleme meist durch das Zusammenspiel verschiedener Haltungs- und Managementfaktoren entstehen. Entsprechend wurden gemeinsam mit den Betrieben betriebsindividuelle Maßnahmen entwickelt. Gegen Haut- und Kammverletzungen erwiesen sich beispielsweise Beschäftigungsmaterialien, strukturreichere Einstreu, Raufutter, attraktive Ausläufe und mehr Platz als hilfreich. Zur Vorbeugung von Fußballenveränderungen spielen trockene Einstreu, ein gutes Stallklima und gut strukturierte Scharr- und Außenbereiche eine zentrale Rolle.

Betriebe wünschen mehr praktische Unterstützung

Viele Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter sehen die fachliche Einordnung von Tierwohlindikatoren als Herausforderung: „Weil mir die Erfahrung fehlt“, formulierte ein Betrieb die Schwierigkeit. Besonders geschätzt wurden daher Schulungen direkt am Tier, Exkursionen sowie der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen und spezialisierten Beraterinnen, Beratern oder Tierärztinnen und Tierärzten.

Über alle Betriebe hinweg wurden durchschnittlich 24 Handlungsmöglichkeiten identifiziert, umgesetzt wurden meist zehn bis fünfzehn. Als wichtigste Hemmnisse nannten die Betriebe begrenzte Zeit-, Personal- und Finanzressourcen sowie Schwierigkeiten bei der Priorisierung. Checklisten, regelmäßige Rückmeldungen und die Einbindung aller Beteiligten fördern nach Einschätzung der Teilnehmenden den Umsetzungserfolg.

Darmmikrobiom als Schlüssel zur Tiergesundheit

Die Untersuchungen des Darmmikrobioms, ein Teilprojekt, das vom Fachgebiet für Mikrobielle Ökologie bei Nutztieren der Universität Hohenheim erforscht wurde, verdeutlichte die Bedeutung der frühen Lebensphase. Brüterei, Transport, Einstreu und Ankunftsmanagement prägen die bakterielle Besiedlung nachhaltig. Ein gut gestalteter Auslauf kann die Entwicklung nützlicher Mikroorganismen fördern, erfordert jedoch ein sorgfältiges Management von Vegetation, Feuchtstellen und möglichen Einträgen durch Wildvögel.

Zudem weisen die Ergebnisse auf unterschiedliche Entwicklungsverläufe bei verschiedenen Masttypen hin: Während sich das Mikrobiom männlicher Legehybriden vergleichsweise früh stabilisiert, bleibt es bei Masthybriden länger in Entwicklung. Langfristig könnten Mikrobiomanalysen das betriebliche Monitoring ergänzen, sofern sie gemeinsam mit Gesundheits- und Betriebsdaten ausgewertet werden.

Weniger antibiotikaresistente Bakterien

Die Untersuchungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zeigen, dass in der ökologischen Hühnermast insgesamt weniger antibiotikaresistente Bakterien nachweisbar sind als in konventionellen Geflügelhaltungssystemen. Gleichzeitig verdeutlichen die Ergebnisse, dass resistente Keime auch ohne Antibiotikaeinsatz im Mastbetrieb auftreten können. Entscheidend für die Reduktion von Resistenzen ist daher eine Betrachtung der gesamten Produktionskette. Neben dem Management im Mastbetrieb spielen bereits Brüterei, Transport sowie Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen eine wichtige Rolle. Die ökologische Hühnermast bietet damit günstige Voraussetzungen, um die Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien weiter zu begrenzen.

Früh erkennen, gemeinsam handeln, kontinuierlich zusammenarbeiten

Die Ergebnisse von ProBioHuhn zeigen, dass Tierwohl, Tiergesundheit und Management eng miteinander verzahnt sind. Verbesserungen entstehen meist durch das Zusammenspiel mehrerer Maßnahmen und werden durch praxisnahe Beratung, Erfahrungsaustausch und kontinuierliche Begleitung unterstützt. Zugleich unterstreichen die Befunde zu Antibiotika-Resistenzen und Darmmikrobiom das Potenzial der ökologischen Hühnermast für eine nachhaltige und gesundheitsorientierte Geflügelhaltung.

Weitere Artikel zu dieser Veranstaltung des Netzwerks Fokus Tierwohl

Magdalena Esterer
Bild: Cordula Möbius
Quelle: Netzwerk Fokus Tierwohl

Reagieren

Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.