Für gesunde Tiere ist neben einer gezielten, medikamentösen Behandlung auch das Impfkonzept entscheidend. Damit Impfungen einen verlässlichen Schutz bieten können, müssen mehrere Faktoren beachtet werden.
Bedeutung von Impfungen
Eine gute vorbeugende Maßnahme, um Infektionen zu verhindern, sind Impfungen. Zudem kann so die Verbreitung von Zoonoseerregern und Tierseuchen verringert werden. Es ist davon auszugehen, dass Impfkonzepte in den kommenden Jahren immer wichtiger werden. Denn Antibiotika stehen wegen zunehmender Resistenzen und möglicher Rückstände in Lebensmitteln in der Kritik. Von Seiten der EU wird daher gefordert, Impfstrategien gezielt durchzuführen, um therapeutische Behandlungen zu reduzieren.
Grundsätzlich gilt jedoch, dass Impfungen als Einzelmaßnahme nicht ausreichend sind, um die Tiergesundheit und somit auch das Tierwohl sicherzustellen. Impfungen sollten vielmehr als Teil eines Gesamtkonzeptes gesehen werden, in dem ebenso der Hygiene und dem Management eine große Bedeutung zukommt. Daher sind Impfkonzepte auch auf die jeweilige Situation des einzelnen Betriebes abzustimmen und sollten in enger Absprache mit dem bestandsbetreuenden Tierarzt bzw. der bestandsbetreuenden Tierärztin erstellt werden.
Verfügbare und empfohlene Impfungen
In der Tabelle sind die Erkrankungen aufgeführt, bei denen üblicherweise eine Impfung durchgeführt wird. Die Newcastle Disease ist dabei die einzige Erkrankung, bei der die Impfung verpflichtend ist. Ziel einer jeden Impfung ist es, bei möglichst vielen Tieren einer Herde einen Impfschutz aufzubauen.
Jedoch sollte nicht davon ausgegangen werden, dass nach einmaliger Impfung auch 100 % der Herde vor einer Infektion geschützt sind. So gibt es in jeder Herde auch immer Tiere, die nach der erfolgten, sachgerechten Impfung keine Immunantwort zeigen. Diese Tiere bezeichnet man als sogenannte „Non Responder“. Mit Hilfe von Mehrfachimpfungen kann der Anteil an Non-Respondern reduziert werden.
Masthühner werden in der Regel aufgrund der kurzen Haltungsdauer nur einmalig geimpft. Je nach Betriebssituation können aber auch Mehrfachimpfungen sinnvoll sein. Auch bei erfolgreich durchgeführter Impfung gibt es verschiedene Situationen, die trotz Impfung zur Erkrankung der Herde führen können. In diesem Fall spricht man von einem sogenannten Impfdurchbruch.
Stress als Risikofaktor für Impfdurchbrüche
Im ungünstigen Fall können die Masthühner selbst nach erfolgreicher Immunisierung erkranken. So führt Stress, der sowohl durch infektiöse als auch nichtinfektiöse Faktoren ausgelöst wird, zu einer allgemeinen Schwächung des Immunsystems. Eine Neutralisierung der Infektionserreger kann in diesem Fall unzureichend erfolgen oder ausbleiben, so dass die Tiere dennoch Symptome zeigen. Die Stressvermeidung ist daher neben der Impfung ein wichtiger Faktor, um die Tiergesundheit sicherzustellen.
Impfstoffe und ihre Anwendung in der Praxis
Abhängig von den Eigenschaften des verwendeten Impfstoffes erfolgt die Applikation auf unterschiedliche Art und Weise.
Lebendimpfstoffe enthalten vermehrungsfähige Erreger, deren krankmachende Eigenschaften stark eingeschränkt wurden. Die Tiere erkranken nach der Impfung nicht. Verabreicht werden diese Impfstoffe meist über das Tränkwasser oder als Spray. Eine Ausnahme ist die Marek-Impfung, die per Nadel unter die Haut oder in den Muskel gegeben wird.
Inaktivimpfstoffe mit inaktivierten, nicht vermehrungsfähigen Erregern kommen bei Masthühnern nicht zum Einsatz.
In-Ovo-Impfungen werden am 18./19. Bruttag direkt in das Ei appliziert und spielen vor allem bei langsam wachsenden Genetiken eine Rolle. Auch die Marek-Impfung kann bereits vor dem Schlupf als In-Ovo-Impfung erfolgen.
Impfstoffapplikation über das Tränkwasser
Bei Masthühnern erfolgt die Verabreichung von Impfstoffen überwiegend über das Tränkwasser. Stressfaktoren wie Futterumstellungen sollten dabei möglichst vermieden werden, auch wenn dies nicht in allen Fällen realisierbar ist.
Um den Impfstoff nicht zu schädigen, ist eine sehr gute Wasserqualität sicherzustellen. Das Auflösen sollte in Wasser mit Trinkwasserqualität oder destilliertem Wasser erfolgen. Der Impfstoff ist nur wenige Stunden haltbar und muss direkt vor der Anwendung in sauberen Gefäßen angerührt werden.
Lebendimpfstoffe, die über das Tränkwasser verabreicht werden, sind besonders empfindlich gegenüber hohen Temperaturen, Zusätzen wie Chlor oder organischen Säuren, hohen Ionengehalten sowie Verunreinigungen durch Biofilme und Algen. Deshalb sind frisches, kühles Wasser, regelmäßige Überprüfungen der Wasserqualität und eine gründliche Hygiene notwendig.
Aufnahme und Wirkung über das Tränkwasser
Laut Tierschutznutztierhaltungsverordnung müssen Masthühner 24 Stunden Zugang zu Wasser haben. Ein Wasserentzug ist nur mit tierärztlicher Indikation erlaubt. Für eine wirksame Immunität sollte der Impfstoff innerhalb von zwei Stunden nach dem Anmischen aufgenommen werden.
Die Wassermenge richtet sich nach dem Verbrauch des Vortags sowie den klimatischen Bedingungen. Zusätzlich können Stabilisatoren zugegeben werden, die den Impfstoff schützen und Farbstoffe enthalten. Diese ermöglichen es, den Impfprozess zu kontrollieren (z. B. Blaufärbung der Zunge).
Fehlerquellen bei der Impfung vermeiden
Eine unsachgemäße Impfung kann zu unvollständiger Immunität führen. Häufige Fehlerquellen sind: falsche Lagerung, mangelhafte Kühlung, Überschreitung des Haltbarkeitsdatums, unsaubere Aufbereitung, falsche Dosierung, mangelhafte Wasserqualität oder Rückstände von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln.
Um dies zu vermeiden, sind eine sorgfältige Vorbereitung, sauberes Arbeiten und eine enge Abstimmung mit dem betreuenden Tierarzt erforderlich.
Fazit
Impfungen sind ein zentrales Instrument, um die Tiergesundheit von Masthühnern zu sichern, Infektionen vorzubeugen und Tierseuchen wie die Newcastle Disease einzudämmen. Sie leisten zudem einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes.
Allein reichen Impfungen jedoch nicht aus – erst im Zusammenspiel mit konsequenter Hygiene, einem guten Management und der Berücksichtigung der betrieblichen Gegebenheiten entfalten sie ihre volle Wirkung. Entscheidend für den Impferfolg sind eine sorgfältige Vorbereitung, die Einhaltung der richtigen Dosierung sowie eine einwandfreie Tränkwasserqualität.
Faktoren wie Stress, fehlerhafte Durchführung oder sogenannte „Nonresponder“ können den Impfschutz schwächen und im schlimmsten Fall zu Impfdurchbrüchen führen. Daher ist es essenziell, typische Fehlerquellen wie unsachgemäße Lagerung oder mangelnde Wasserhygiene zu vermeiden, um eine stabile Immunität in der Herde sicherzustellen.
Reagieren
Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.