Weniger Antibiotikaresistenzen in der ökologischen Hühnermast: Was Geflügelhalter aus dem ProBioHuhn-Projekt lernen können

02 Juli 2026
Masthuhn
Hähnchen vor einem Auslauf

Anna Maria Korves-Wilm vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erläuterte im Rahmen einer Netzwerk-Fokus-Tierwohl-Veranstaltung, welche Erkenntnisse das Forschungsprojekt ProBioHuhn in Bezug auf den Einfluss von unterschiedlichen Haltungsformen auf das Entstehen und die Verbreitung von antibiotikaresistenten Bakterien erbrachte.

Resistenzen entstehen unabhängig vom Antibiotikaeinsatz

Antibiotikaresistenzen entwickeln sich, indem zufällige genetische Veränderungen bei einzelnen Bakterien bewirken, dass diese gegenüber bestimmten Wirkstoffen unempfindlich werden. Diese Resistenzgene können Bakterien untereinander austauschen und damit Resistenzeigenschaften weitergeben. Der Einsatz von Antibiotika begünstigt anschließend die Vermehrung jener Bakterien, die entsprechende Resistenzmechanismen besitzen.

Dementsprechend entstehen Resistenzen nicht durch den Antibiotikaeinsatz, sondern können bereits vorhanden sein und sich unabhängig davon weiterverbreiten.

Wege der Verbreitung im Betrieb

Resistente Bakterien gelangen auf unterschiedlichen Wegen in einen Geflügelbestand: Eine wichtige Rolle spielt die Übertragung von den Hennen auf die Küken. Darüber hinaus erfolgt die Verbreitung über die Umwelt sowie über den Kontakt zwischen Tieren, Menschen und Gegenständen im Stall. Deswegen ist ein konsequentes Hygienemanagement entlang der gesamten Produktionskette entscheidend, um die Einschleppung und Verbreitung resistenter Keime zu begrenzen.

ProBioHuhn untersuchte den gesamten Mastdurchgang

Im Rahmen des Forschungsprojektes ProBioHuhn wurden die Tiere beobachtet – vom ersten Lebenstag über verschiedene Mastphasen bis hin zur respektive bis nach der Schlachtung. Besonderes Augenmerk lag auf zwei Bakteriengruppen:

  • Escherichia coli (E. coli), die als wichtige Indikatoren für den Antibiotika-Einsatz dienen. Die Bakterien gehören zur normalen Darmflora, können jedoch unter bestimmten Bedingungen auch Krankheiten verursachen.
  • Campylobacter spp. sind bedeutende Durchfallerreger des Menschen. Bei Hühnern treten insbesondere die Arten Campylobacter jejuni und Campylobacter coli auf.

Zur Analyse wurden klassische Resistenztests mit modernen Methoden der Ganzgenomsequenzierung kombiniert.

E. coli: Die Mehrheit der Isolate war nicht resistent

Insgesamt wurden 696 E.-coli-Isolate untersucht. Das Ergebnis fällt aus Sicht des Resistenzgeschehens positiv aus: 78,2 % der Isolate waren gegenüber den getesteten Antibiotika empfindlich. Lediglich 5,6 % wurden als multiresistent eingestuft, also als resistent gegenüber mindestens drei Antibiotika-Klassen. Die Untersuchungen umfassten verschiedene Mastsysteme, darunter Masthybriden, Zweinutzungshähne und männliche Legehybriden.

Auffällig war, dass das Auftreten resistenter E.-coli-Stämme sowohl mit dem Antibiotikaeinsatz als auch mit der jeweils zuliefernden Brüterei zusammenhing. Dies unterstreiche die Bedeutung der vorgelagerten Produktionsstufen für das Resistenzgeschehen im späteren Mastbetrieb.

Für die ökologische Hühnermast spricht, dass am Ende der Mast ein höherer Anteil nicht resistenter E.-coli-Isolate gefunden wurde als bei der konventionellen Hühnermast.

Campylobacter: Häufig vorhanden, aber selten multiresistent

Die Campylobacter-Bakterien konnten in nahezu allen ökologischen Masthühnerbeständen nachgewiesen werden, insbesondere mit zunehmendem Alter der Tiere und nach dem Zugang zum Auslauf. Bei den 405 untersuchten Campylobacter-jejuni-Isolaten zeigten 52,8 % Resistenzen gegenüber zwei Wirkstoffklassen. Multiresistenzen waren dagegen selten: Nur 0,5 % der Isolate waren gegen mindestens drei Antibiotika-Klassen resistent.

Die Resistenzmuster unterschieden sich deutlich in Abhängigkeit von Masttyp, Alter der Tiere und Auslaufzugang. Gleichzeitig zeigte sich in verschiedenen Alters- und Mastgruppen ein höherer Anteil nicht resistenter Isolate als in vergleichbaren konventionellen Mastsystemen.

Was die Ergebnisse für Geflügelhalter bedeuten

Die Ergebnisse des ProBioHuhn-Projekts zeichnen insgesamt ein positives Bild der ökologischen Hühnermast: Im Vergleich zur konventionellen Geflügelhaltung wurden insgesamt weniger antibiotikaresistente Bakterien nachgewiesen. 

Die wichtigste Erkenntnis für die Praxis lautet: Resistente Bakterien können auch ohne direkten Antibiotika-Einsatz im Betrieb auftreten und verbreitet werden. Maßnahmen zur Reduktion von Resistenzen müssen deshalb die gesamte Produktionskette in den Blick nehmen – von der Brüterei über das Stallmanagement bis hin zu Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen im laufenden Betrieb. Zugleich zeigte sich, dass die ökologische Hühnermast einen wichtigen Beitrag zur Verringerung antibiotikaresistenter Bakterien leisten kann.

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Magdalena Esterer
Bild: Kristoffer Finn

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