Antibiotika zur Leistungssteigerung versprechen kurzfristig höhere Leistungen im Stall. Langfristig könnten sie die globale Tierproduktion jedoch erheblich belasten. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) warnt vor steigenden Antibiotikaresistenzen und beziffert die möglichen Folgekosten auf bis zu 276 Milliarden Euro. Gleichzeitig sieht die Organisation Investitionen in Biosicherheit, Tiergesundheit und ein konsequentes Resistenzmanagement als wirtschaftlich sinnvoll an.
FAO warnt vor langfristigen Produktionsverlusten
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sieht in Antibiotikaresistenzen eine wachsende Gefahr für die weltweite Nutztierhaltung. In einem aktuellen Bericht kommt die Organisation zu dem Schluss, dass kurzfristige Produktivitätsvorteile durch Antibiotika zur Leistungssteigerung langfristig deutlich höhere Kosten verursachen können.
Nach Einschätzung der FAO drohen bis zum Jahr 2040 erhebliche wirtschaftliche Schäden. Die Organisation spricht von einem möglichen „stillen Schock“, dessen Folgen sich über Jahre hinweg aufbauen und zunehmend auf die Produktion auswirken könnten.
Kosten der Resistenzen übersteigen mögliche Ertragsvorteile deutlich
Laut Bericht würde ein konsequenter Verzicht auf Antibiotika zur Leistungssteigerung weltweit bis 2040 entgangene Einnahmen von rund 46 Milliarden Euro verursachen.
Demgegenüber stehen jedoch deutlich höhere Belastungen durch zunehmende Resistenzen. Die FAO beziffert die möglichen Folgekosten auf bis zu 276 Milliarden Euro. Im ungünstigsten Szenario könnte das erwartete Wachstum der globalen Nutztierproduktion zwischen 2025 und 2040 um etwa 16 Prozent niedriger ausfallen als bislang prognostiziert.
Die jährlichen Verluste erscheinen zunächst überschaubar. Über einen längeren Zeitraum summieren sie sich jedoch zu einer erheblichen Belastung für die Tierhaltung und die gesamte Wertschöpfungskette.
Investitionen in Tiergesundheit und Biosicherheit gefordert
Um die Entwicklung einzudämmen, fordert die FAO einen umfassenden Ansatz. Die Organisation schätzt den notwendigen Investitionsbedarf auf mindestens 24,6 Milliarden Euro.
Aus Sicht der Experten reichen Verbote allein nicht aus. Vielmehr müsse die Politik regulatorische Vorgaben mit wirtschaftlichen Anreizen verbinden. Gleichzeitig sollten Tierärzte stärker eingebunden und amtliche Kontrollen weiter ausgebaut werden.
Auf den Betrieben sieht die FAO vor allem Verbesserungen bei Biosicherheit, Tiergesundheit und Haltungsbedingungen als zentrale Stellschrauben. Ziel sei es, den Antibiotikabedarf nachhaltig zu senken und Resistenzen vorzubeugen.
Antibiotikaeinsatz dürfte weltweit weiter steigen
Trotz der bekannten Risiken erwartet die FAO einen weiteren Anstieg des Antibiotikaeinsatzes in der Nutztierhaltung. Hintergrund ist die weltweit wachsende Nachfrage nach Fleisch, Milch und Eiern.
Im Vergleich zum Jahr 2019 könnte der globale Einsatz von Antibiotika bis 2040 um nahezu 30 Prozent zunehmen. Damit wächst auch die Bedeutung wirksamer Strategien zur Resistenzvermeidung.
EU hat Leistungsförderer bereits vor Jahren verboten
Für deutsche Geflügelhalter hat die Diskussion vor allem internationale Bedeutung. In Deutschland und der Europäischen Union ist der Einsatz von Antibiotika zur Leistungssteigerung bereits seit 2006 verboten.
Die aktuellen Warnungen der FAO zeigen jedoch, dass Antibiotikaresistenzen ein globales Thema bleiben. Entwicklungen in anderen Regionen der Welt können langfristig auch Auswirkungen auf internationale Märkte, Handelsströme und Wettbewerbsbedingungen haben.




































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