Symbolbild
Fachleute aus der Agrarbranche halten die aktuellen Vorgaben des Antibiotika-Minimierungskonzeptes für zu bürokratisch und ineffizient. Ein neues Positionspapier fordert klare Änderungen – und setzt stärker auf Prävention statt Kontrolle.
Branche kritisiert hohen Aufwand ohne Nutzen
Das Agrar- und Ernährungsforum Nord-West (AEF) stellt dem bestehenden Antibiotika-Minimierungskonzept ein schlechtes Zeugnis aus. In seiner jetzigen Form verursache es hohe Kosten und viel Bürokratie, ohne die Tiergesundheit messbar zu verbessern.
Ende April übergab der Verband sein Positionspapier „Fachkompetenz statt Bürokratie-Falle – Impulse für eine praxisnahe Reform des Tierarzneimittelgesetzes“ an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer. Darin fordert das AEF eine grundlegende Überarbeitung der bestehenden Regeln.
Einfachere Datennutzung statt komplexer Meldesysteme
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die Berechnung der Therapiehäufigkeit. Bislang müssen Betriebe umfangreiche, tagesaktuelle Daten melden und mit Datenbanken abgleichen. Das bindet Zeit und Ressourcen.
Das AEF schlägt vor, vorhandene Daten effizienter zu nutzen. Dazu zählen Stallplatzkapazitäten, rückblickende Bestandszahlen aus der HI-Tier-Datenbank sowie Arzneimittelmeldungen von Tierärzten, die bereits in Praxissoftware erfasst sind. So ließen sich Prozesse vereinfachen, ohne an Aussagekraft zu verlieren.
25-Prozent-Regel steht besonders in der Kritik
Deutlich widerspricht das AEF der sogenannten 25-Prozent-Regel. Aktuell gelten Betriebe mit einem überdurchschnittlich hohen Antibiotikaeinsatz automatisch als auffällig – rund ein Viertel aller Betriebe ist davon betroffen.
Nach Ansicht des Verbands verzerrt diese Regel die Realität. Nur wenige Betriebe mit besonders hohem Verbrauch hätten tatsächlich Potenzial, den Einsatz weiter zu senken. Deshalb fordert das AEF, die Schwelle auf die obersten 10 Prozent der Betriebe zu begrenzen.
Zudem sollten Behörden Ausnahmen zulassen, wenn äußere Faktoren wie Krankheitsausbrüche einen höheren Einsatz notwendig machen.
Prävention soll stärker in den Fokus rücken
Neben regulatorischen Anpassungen fordert das AEF einen Strategiewechsel. Statt Betriebe mit Maßnahmenplänen zu belasten, sollte die Politik gezielt in Prävention investieren.
Dazu zählen bessere Biosicherheitskonzepte, konsequente Impfprogramme und die Bekämpfung zentraler Krankheitserreger. Einige Tierseuchen ließen sich nicht allein auf Betriebsebene kontrollieren. Solange sich hochpathogene Erreger regional verbreiten, stoßen Einzelmaßnahmen an ihre Grenzen.
Reform soll Praxis stärker berücksichtigen
Mit seinen Vorschlägen will das AEF das Antibiotika-Minimierungskonzept näher an die Praxis heranführen. Weniger Bürokratie, gezieltere Maßnahmen und mehr Prävention sollen dazu beitragen, Tiergesundheit wirksam zu verbessern und Betriebe zu entlasten.




































Reagieren
Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.