Mehr Bewegung, weniger Langeweile: Larven machen Masthühner aktiver

12 Mai 2026
Masthuhn
Insekten

Larven der Schwarzen Soldatenfliege könnten die Haltung von Masthühnern verändern. Eine Studie der Nottingham Trent University zeigt, dass die Tiere aktiver werden, häufiger scharren und ihr natürliches Futtersuchverhalten ausleben, wenn Larven im Stall verteilt werden. Die Forscher sehen darin eine neue Möglichkeit, Tierwohl und Stallmanagement zu verbessern.

Larven fördern natürliches Verhalten im Stall

Das Ausstreuen von Larven der Schwarzen Soldatenfliege kann das Verhalten von Masthühnern deutlich verändern. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Nottingham Trent University, die im Fachjournal Applied Animal Behaviour Science veröffentlicht wurde.

Die Forscher integrierten Larven der Schwarzen Soldatenfliege – international als BSFL bekannt – in die Stallhaltung von Masthühnern. Ziel war es, den Tieren mehr Möglichkeiten zum natürlichen Picken, Scharren und Futtersuchen zu bieten.

Das Projekt entstand in enger Zusammenarbeit mit Geflügelhaltern, Integrationen und praktizierenden Tierärzten.

Hähnchen bewegen sich deutlich mehr

Während der Untersuchung analysierten die Wissenschaftler das Verhalten der Tiere mit Kamerasystemen und speziellen Messverfahren. Die Ergebnisse zeigen deutliche Veränderungen im Aktivitätsverhalten der Tiere.

Wurden die Larven direkt im Stall verteilt, stieg die allgemeine Aktivität der schnell wachsenden Masthühner um mehr als elf Prozent. Das Futtersuchverhalten nahm sogar um 32 Prozent zu – verglichen mit Gruppen, die die Larven lediglich über den Futtertrog erhielten.

Nach Einschätzung der Forscher unterstützt diese Form der Beschäftigung wichtige natürliche Verhaltensweisen, ohne die Produktionsabläufe im Stall zu beeinträchtigen.

Forscher sehen Vorteile für Tierwohl und Stallmanagement

Hühner besitzen einen ausgeprägten natürlichen Drang zu picken, zu scharren und ihre Umgebung zu erkunden. Können sie dieses Verhalten im Stall nicht ausleben, steigt das Risiko für Stress, Federpicken und unausgewogene Bewegungsmuster innerhalb der Herde.

Die Wissenschaftler sehen deshalb in der gezielten Stallanreicherung einen wichtigen Ansatz für bessere Haltungsbedingungen. Systeme, die natürliches Verhalten fördern, könnten langfristig stabiler, besser steuerbar und gesellschaftlich akzeptierter sein.

Zudem liefern Insektenlarven wertvolle Nährstoffe. Sie enthalten viel Protein sowie Laurinsäure, eine Fettsäure mit antimikrobiellen und antibakteriellen Eigenschaften.

Vogelgrippe erhöht Bedeutung von Stallanreicherung

Die Forscher betonen auch die praktische Bedeutung ihrer Ergebnisse. Wegen der Ausbreitung der hochpathogenen Vogelgrippe müssen Geflügelhalter ihre Tiere immer häufiger über längere Zeiträume im Stall halten.

Dadurch gewinnen Beschäftigungsmöglichkeiten an Bedeutung, die natürliches Verhalten trotz Stallpflicht ermöglichen. Das Verfüttern lebender Insekten könnte helfen, Belastungen durch die dauerhafte Innenhaltung abzumildern.

Insektenzucht gilt weiter als Herausforderung

Neben dem Tierwohl sehen die Wissenschaftler auch ökologische Vorteile. Larven der Schwarzen Soldatenfliege eignen sich zur sogenannten Biokonversion. Dabei verwerten Insekten organische Nebenprodukte wie Lebensmittelreste, Mist oder andere landwirtschaftliche Reststoffe und wandeln sie in hochwertige Biomasse um.

Dadurch könnte die Geflügelbranche Nährstoffe besser nutzen und Abfälle reduzieren.

Allerdings bleibt die wirtschaftliche Seite der Insektenproduktion schwierig. Die Hoffnung, Insektenmehl im großen Stil als günstige Alternative im Tierfutter einzusetzen, hat sich bislang nur teilweise erfüllt. Viele Unternehmen der Branche kämpfen mit hohen Produktionskosten oder wirtschaftlichen Problemen.

Als Beschäftigungsmaterial im Geflügelstall könnten Insektenlarven jedoch neue Perspektiven für die Branche eröffnen.

Geflügelnews
Bild: Manna insect
Quelle: Reinout Burgers, Applied Animal Behaviour Science

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