Insektenprotein im Geflügelfutter: Nachhaltige Lösung oder überschätzter Hoffnungsträger?

27 Februar 2026
Deutschland
insekten

Seit die EU verarbeitetes Insektenprotein für Nichtwiederkäuer zugelassen hat, wächst das Interesse in der Geflügelbranche. Auf der 30. Internationalen Bioland Geflügel-Fachtagung in Kiel stellte Fabian Rehklau von der Georg-August-Universität Göttingen aktuelle Erkenntnisse vor. Das Projekt „InseG2“ prüft, wie ökologisch und wirtschaftlich tragfähig Insektenfutter in der Hähnchenmast tatsächlich ist.

Fabian Rehklau von der Georg-August-Universität Göttingen ging auf der 30. Internationalen Geflügel-Fachtagung, die Bioland am 5. und 6. Februar 2026 in Kiel veranstaltete, der Frage nach, ob Insekten das Protein der Zukunft seien und stellte das Projekt InseG2 vor, das die ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit der Hähnchenmast mit Insektenfutter untersucht.

Seit die Europäische Kommission mit der Verordnung (EU) 2021/1372 die Verfütterung von verarbeitetem Insektenprotein an Nichtwiederkäuer erlaubt hat, rückt das Thema stärker in den Fokus. Zugelassen sind unter anderem Larven der Schwarzen Soldatenfliege, Mehlwürmer, Getreideschimmelkäfer, Stubenfliegenlarven sowie verschiedene Grillenarten. Doch wie nachhaltig und leistungsfähig sind diese Proteinquellen tatsächlich?

Nährstoffprofil mit Einschränkungen

Insekten liefern hochwertiges Protein, vergleichbar mit guten pflanzlichen Futtermitteln, jedoch meist unter dem Niveau klassischer tierischer Eiweißträger wie Fischmehl. Eine Besonderheit ist das Exoskelett: Es enthält Chitin, das für Geflügel kaum verdaulich ist. Ein Teil des Stickstoffs bleibt daher ungenutzt – je nach Art in unterschiedlichem Ausmaß.

Auch als Energieträger sind Insekten relevant, vor allem wegen ihres Fettgehalts. Dessen Höhe variiert stark nach Art, Entwicklungsstadium und Verarbeitung. Gleichzeitig begrenzt die hohe „Fettenergie“ den maximal sinnvollen Mischungsanteil im Futter.

Effizienz und Emissionen – differenzierte Bilanz

Insekten gelten als effiziente Futterverwerter mit geringem Emissionspotenzial. Tatsächlich zeigen Untersuchungen: Eine mit Masthähnchen vergleichbare Effizienz wird nur bei hochwertigem Substrat erreicht. Minderwertige Futtermittel führen zu höheren Stickstoffausscheidungen – und damit zu steigenden Emissionen wie Ammoniak sowie klimarelevanten Gasen.

Messungen weisen darauf hin, dass das Emissionspotenzial verschiedener Insektenarten für CO₂, CH₄ und N₂O in einer Größenordnung liegt, die mit Geflügel und Schweinen vergleichbar ist. Wie Geflügel scheiden terrestrische Insekten Stickstoff überwiegend als Harnsäure aus, die mikrobiell zu Ammoniak umgesetzt wird. Geringe Exkrementfeuchte wirkt zunächst dämpfend, kann bei Anfeuchtung jedoch zu Emissionsanstiegen führen. Die verbreitete Annahme deutlich geringerer Umweltwirkungen ist daher kritisch zu prüfen.

Der Faktor „multiple Transformation“

Ökologisch entscheidend ist die Produktionskette. Werden Insekten zunächst mit pflanzlichen Rohstoffen gefüttert und anschließend an Geflügel verfüttert, entsteht eine zusätzliche Umwandlungsstufe. Jede Stufe erhöht Futterbedarf und Emissionen pro Kilogramm erzeugtem Lebensmittel.

Sinnvoll erscheint der Einsatz daher vor allem dann, wenn Insekten auf Substraten wachsen, die weder für Menschen noch für andere Nutztiere geeignet sind – etwa regional anfallende Restbiomasse.

Gerade dieser Punkt bewegte das Publikum: Könnten Insekten verdorbene Lebensmittel veredeln? Könnten Insekten tierisches Eiweiß, dass so nicht verfüttert werden darf, in Futtermittel verwandeln? Hier ist noch viel Forschungsarbeit notwendig, da bis jetzt nur gesicherte Ergebnisse darüber vorliegen, dass sich Schwermetalle in Insekten anreichern.

Forschung im Praxistest

Das Projekt „InseG2“ untersucht die ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit der Hähnchenmast mit Insektenfutter. Koordiniert wird es von der Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, beteiligt sind unter anderem die Georg-August-Universität Göttingen und das Max-Rubner-Institut. Neben Ökobilanzen werden Leistungsmerkmale, Verdaulichkeit und Wirtschaftlichkeit analysiert.

Im Fokus stehen vollfette Larven der Schwarzen Soldatenfliege. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass Masthühner bei separatem Angebot getrockneter Larven ihre Futteraufnahme nicht ausreichend an Energie- und Aminosäurenbedarf anpassen. Das Auditorium wies darauf hin, dass sich Tiere bei freier Futterwahl in den Zuchtstatus, nicht in Maststatus fressen - für Legehennen könnte diese Wahlmöglichkeit positivere Ergebnisse liefern.

Fazit

Insekten sind als Futtermittel grundsätzlich geeignet, ihre Nährstoffzusammensetzung ist jedoch stark abhängig von Art, Entwicklungsstadium, Substrat und Verarbeitung. Ein nachhaltiger Beitrag zur Nutztierfütterung ist vor allem dort zu erwarten, wo ihre Aufzucht ohne Konkurrenz zur menschlichen Ernährung erfolgt. Insekten sind damit kein Selbstläufer – wohl aber ein Baustein mit Potenzial unter klar definierten Bedingungen.

Magdalena Esterer
Bild: Farminsect
Quelle: Bioland

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