Auf dem fünften Biogeflügeltag NRW auf Haus Düsse warben verschiedene Vermarktungspartner für einen Einstieg in die Bio-Eiererzeugung und die Biohähnchenmast. Beides können interessante Betriebszweige sein. Die Marktaussichten sind gut.
Axel Hilckmann ist Biogeflügelberater der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (NRW). Er hat den Biogeflügeltag NRW organisiert und stellte den aktuellen Markt für Bio-Eier und Biogeflügel mit wichtigen Kennzahlen vor. „NRW ist das bevölkerungsreichste Bundesland mit 18 Mio. Einwohnern und mehr als 8,65 Mio. Haushalten. Der Selbstversorgungsgrad für konventionelle Eier liegt bei etwa 30 Prozent. Von allen erzeugten Eiern in NRW sind rund 8,2 Prozent Bio-Eier“, gab er einen Überblick.
Der Eierverbrauch hierzulande ist deutlich gestiegen. Das Preisniveau bei Bio-Eiern sowohl in der Direktvermarktung als auch bei Verkauf an eine Packstelle ist aktuell sehr hoch. Deshalb kann die ökologische Legehennenhaltung für Landwirte in NRW ein interessanter und wirtschaftlicher Betriebszweig sein. Lea Hein von der Packstelle Hof Alpermühle in Gummersbach stellte die Zusammenarbeit ihres Betriebes mit den Eiererzeugern vor. „Die Auftragslage ist gut und Hof Alpermühle sucht aktiv Erzeuger, die in die ökologische Legehennenhaltung einsteigen möchten“, warb Lea Hein für eine Zusammenarbeit.
Deutsche essen viel Geflügel
Auch die Erzeugung von Biohähnchen kann in NRW ein attraktiver Betriebszweig werden für umstellungsinteressierte Landwirte. Der allgemeine Verbrauch von Geflügelfleisch ist mit 15 kg pro Kopf in Deutschland so hoch wie noch nie. Der Anteil von Biogeflügelfleisch beträgt um die drei Prozent. Auf dem Geflügeltag stellten sich drei Marktpartner vor, die an einer Zusammenarbeit mit Landwirten aus NRW sehr interessiert sind: Der Marktführer in Deutschland für ökologisch erzeugtes Geflügelfleisch, die Firma Biofino aus Emstek, Niedersachsen, die Firma Thönes Naturverbund aus Wachtendonk und die Firma Freilandputen mit Sitz in Mecklenburg-Vorpommern.
Clevere Vermarktungswege
Im Nachmittagsprogramm referierte Leonie Sulk, Landservice NRW, über clevere Vermarktungswege für Eier und Geflügelfleisch. Entscheidend für die Direktvermarktung sei einerseits die Lage, andererseits aber auch die ständige Kommunikation mit den Kunden. „Bei der Lage ist entscheidend, die Demographie und Kaufkraft der Kunden zu kennen, aber auch um die Wettbewerber zu wissen. Wichtig sind außerdem die Verkehrsanbindung und Verbundeffekte“, meinte Leonie Sulk. Zur Kommunikation mit dem Kunden müsse man sich klar machen, welche Zielgruppe man genau ansprechen möchte. Wichtig sei ein hoher Wiedererkennungswert. Ausführlich stellte die Referentin die verschiedenen Vermarktungswege, wie Hofladen, Warenautomat, Selbstbedienung, Wochenmarkt oder Smart Store, vor.
Ställe planen und bauen
Frank Hübner von der Landwirtschaftskammer NRW berichtete in einem interessanten Vortrag über Planung, Genehmigung und Förderung bei Stallbauten und Stallumbauten. Die Aufgabe der Landwirtschaftskammer sei die Bewertung von Bauvorhaben, um Hilfe zu leisten für die Genehmigungsbehörde. Unterschieden werde planungsrechtlich zwischen Landwirtschaft und Gewerbe. „Und dies hängt ausschließlich von der verfügbaren Futterfläche ab“, erläuterte der Berater.
Ganz wichtig war es Frank Hübner, zu betonen, dass der einzelne Betrieb bei Fragen zur Planung und Genehmigung immer ganz individuell zu betrachten sei, pauschale Empfehlungen gebe es nicht. „Bei allen Vorgaben, die es heute bei der Baugenehmigung gibt, ist die Zusammenarbeit mit einem Planungsbüro oder Architekten zu empfehlen“, ergänzte er außerdem.
Bis 35 Prozent AFP-Förderung möglich
Das Agrarinvestitionsförderprogramm, kurz AFP, werde in NRW weitergeführt. „Das AFP ermöglicht Zuschüsse bis zu 35 Prozent des Investitionsbedarfs.“, so Frank Hübner. In der Regel werde das Antragsverfahren durch einen Betreuer begleitet, wie die Landwirtschaftliche Unternehmensberatung Nordrhein-Westfalen GmbH.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Biogeflügeltags hatten zudem Gelegenheit, die Geflügelhaltung auf Haus Düsse sowie die mobile Geflügelschlachtung von Thorsten Beimborn zu besichtigen. Für viele Betriebe ist die Nutzung eines Schlachtmobils eine gute Möglichkeit, den zahlreichen Auflagen einer eigenen Schlachtung zu entgehen.
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