Bio-Geflügel gewinnt an Fahrt: Warum Vermarkter weiter auf Wachstum setzen

01 Januar 2026
Verbände
ökomasthähnchen

Bio-Geflügelfleisch spielt im Gesamtmarkt noch eine Nebenrolle, doch die Dynamik nimmt zu. Auf der Naturland Öko-Mastgeflügeltagung Süd im November 2025 in Piding zeigte Jürgen Tölke von Biofino, warum Vermarkter dem Segment dennoch großes Potenzial zutrauen – und welche Voraussetzungen für weiteres Wachstum entscheidend sind.

Ein Biovermarkter mit gewachsener Struktur

Seit fast 25 Jahren zählt die niedersächsische Biofino GmbH & Co. KG zu den wichtigsten Akteuren im deutschen Bio-Geflügelmarkt. Das Unternehmen aus Lohne hat sich auf die Erzeugung, Veredlung und Vermarktung von Bio-Hähnchen, Bio-Puten sowie ein breites Sortiment an Convenience- und Tiefkühlprodukten spezialisiert. Mit rund 220 Mitarbeitenden und einem Umsatz von etwa 81 Millionen Euro (2024) beliefert Biofino vor allem den Lebensmitteleinzelhandel – jenes Segment also, über das drei Viertel des frischen Bio-Geflügelfleischs in Deutschland verkauft werden.

Vom Elterntier bis zur Ladentheke

Die Grundidee des Unternehmens: Glaubwürdigkeit durch vollständige Kontrolle der Wertschöpfungskette. Fünf Elterntierfarmen und eine eigene Brüterei bilden den Ausgangspunkt für die Produktion von Bio-Hähnchenküken. Es folgen Futtermühlen, Aufzucht und Mast, Schlachtung sowie Zerlegung, Verpackung und Versand – alles unter dem Dach beziehungsweise in enger Kooperation mit Biofino. Auf insgesamt 7.500 Quadratmetern Produktionsfläche an zwei Standorten entstehen frische Fleischteile ebenso wie saisonale Sortimente und ein wachsendes Angebot an Bio-Convenience-Artikeln, darunter Pulled Chicken, Cordon bleu oder Chicken Nuggets.

Artgerechte Haltung, Regionalität und 100 Prozent Bio-Standards bilden die Grundpfeiler des Unternehmenskonzepts. Langjährige Partnerschaften mit Vertragslandwirten und die Einhaltung der strengen Naturland-Richtlinien dienen als Differenzierungsmerkmal im Markt.

Geringer Marktanteil, hohes Wachstumspotenzial

Noch liegt der Marktanteil von Bio-Geflügel am gesamten Geflügelfleischverbrauch erst bei rund 2,5 Prozent. Doch Branchenanalysen prognostizieren ein Wachstum von 7 bis 10 Prozent in den kommenden Jahren. Das Käuferpotenzial ist längst nicht ausgeschöpft. Vor allem überzeugte Bio-Konsumenten würden laut Studien gern noch häufiger zu ökologischen Produkten greifen.

Treiber dieser Entwicklung sind gesellschaftliche Megatrends wie eine nachhaltigere Lebensweise, höheres Bewusstsein für Tierwohl, der Wunsch nach regionaler Erzeugung und Ernährungsgewohnheiten wie Flexitarismus. Bio-Geflügelfleisch profitiert dabei sowohl vom Trend zur gesunden Ernährung als auch vom steigenden Wunsch nach Transparenz entlang der gesamten Lebensmittelkette.

Nachhaltigkeit und Tierwohl treiben die Nachfrage

Aus Sicht der Vermarkter kristallisieren sich mehrere Entwicklungen heraus. Der Handel setzt seine Strategie fort, Tierwohlprogramme weiter auszubauen – insbesondere die Haltungsformen 3 und 4/5. In diesem Umfeld gilt die ökologische Geflügelhaltung zunehmend als der „Goldstandard“ in der Verbraucherwahrnehmung.
Gleichzeitig wird deutlich: Leistungsfähige, stabile Wertschöpfungsketten bleiben der Schlüssel für eine zuverlässige Bio-Versorgung. Ebenso wichtig sind verlässliche politische Rahmenbedingungen, die Landwirten Planungssicherheit geben und Investitionen in Stalltechnik, Flächen und Tierwohl ermöglichen.

Chancen für landwirtschaftliche Betriebe

Für die Landwirtschaft bietet die Öko-Geflügelmast attraktive Perspektiven. Sowohl die Bio-Hähnchen- als auch die Bio-Putenhaltung gelten als interessante Betriebszweige für Höfe, die sich weiterentwickeln oder ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein aufbauen wollen. Biofino sieht sich dabei als verlässlicher Partner – von der Aufzucht über die Schlachtung bis zur Vermarktung.

„Bio liegt im Trend und Geflügelfleisch hat wieder gute Marktchancen“, betont das Unternehmen. „Die ökologische Geflügelerzeugung ist ein ertragreiches Standbein, mit dem sich Betriebe weiterentwickeln können – und wir stehen als zuverlässiger Vermarktungspartner an ihrer Seite.“

Magdalena Esterer
Bild: Biofino

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