Die Nachfrage nach Bio-Geflügelfleisch ist stabil, doch die Wertschöpfungskette steht unter Druck. Auf der Naturland Öko-Mastgeflügeltagung Süd machte Stefan Mutter, Geschäftsführer von Freiländer Biogeflügel, deutlich: Produktion allein reicht nicht – Märkte müssen entstehen.
Auf der Naturland Öko-Mastgeflügeltagung Süd, die im November 2025 in Piding stattfand, hat Stefan Mutter, der Geschäftsführer von Freiländer Biogeflügel, eindringlich für mehr Wertschätzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufgerufen – und zugleich um neue Mastbetriebe geworben.
Das Familienunternehmen Freiländer Biogeflügel ist seit 1997 im Bio-Geflügelsektor aktiv, zunächst in der Puten-, später auch in der Hähnchenmast, und arbeitet mittlerweile mit mehr als 50 landwirtschaftlichen Betrieben zusammen.
„Wir sind weiterhin auf der Suche nach Mastbetrieben“, betonte Mutter gleich zu Beginn, da Bio-Geflügel stabil nachgefragt werde, allerdings die Erzeugerseite mit der Entwicklung der Absatzmärkte Schritt halten müsse.
Vier Werte als Fundament
Freiländer Biogeflügel stützt seine Arbeit auf vier zentrale Unternehmenswerte: Achtsamkeit, Respekt, Tierwohl und Handwerk. Diese Prinzipien seien nicht von Anfang an formal definiert gewesen, hätten sich aber über die Jahre als klare Leitlinien herauskristallisiert – eine eigene Broschüre erläutere das Selbstverständnis des Unternehmens und soll Kundschaft wie Partnern Transparenz bieten.
Biolandbau: 4.800 € pro Hektar für das Gemeinwohl
Mutter betonte eine Zahl, die Cem Özdemir zum Bio-Empfang des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) auf der grünen Woche einmal genannt habe. Özdemir habe gesagt: „Jeder Hektar Biolandwirtschaft bringt 800 € für das Gemeinwohl in die Kasse jedes Jahr. Jeder Hektar konventionelle Landwirtschaft kostet das Gemeinwohl 4.000 €.” Die zusammengerechnet 4.800 Euro müssten stärker kommuniziert werden, um Verbraucherinnen und Verbraucher von Bio-Produkten zu überzeugen. Biodiversität sei hierbei ein zentraler Faktor: Sie sei ein echter Wert, den Ökolandbau erzeuge – und den die Branche offensiver nach vorne stellen müsse.
Balance der Wertschöpfungskette
Werde die Erzeugerseite zu stark, erschwere das den Absatz, eine Übermacht des Handels dagegen gefährde die Versorgung. Entscheidend sei eine stabile Balance. Kritik äußerte Mutter an der ökologischen Agrarpolitik: Ziele wie 30 Prozent Ökolandbau bis 2030 seien „hehre Vorhaben“, aber wirkungslos, wenn nicht gleichzeitig Märkte geschaffen würden. Wertschöpfungsketten ließen sich „nicht schieben, sie müssen gezogen werden“. Ohne Nachfrage und planbare Absatzwege nütze auch die beste Produktion nichts.
Vom Futter bis zur Schlachtung: geschlossene Kette
Die Unternehmensstruktur von Freiländer Biogeflügel umfasst fast alle Schritte der Produktion: Aufzucht, Mast, eigene Futtermühle, Transport, Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung, nur die Brütereien werden extern betrieben. Transportzeiten der Tiere werden möglichst kurz gehalten.
Vermarktung: Gastro-Bereich bleibt Sorgenkind
Die Vermarktung erfolgt breit gestreut: über verarbeitende Betriebe (Wurstwaren, Babynahrung, Catering), den Naturkostfachhandel, zunehmend aber auch über Discounter, Online-Handel und Direktvertrieb. Gerade der Naturkostfachhandel bleibe ein Schwerpunkt, auch wenn der Discount-Bereich derzeit das stärkste Wachstum aufweise. Ein besonders großes Potenzial sieht der Geschäftsführer in der Außer-Haus-Verpflegung – von Kantinen über Kitas bis zur Gastronomie. Er verweist auf das dänische Modell, bei dem teils bis zu 95 Prozent Bioware eingesetzt werden müssen; Deutschland habe diese Chance bislang verpasst.
Bio-Markt wächst – aber ungleich
Mutter fasst die aktuellen Branchendaten zusammen: Der deutsche Biomarkt erholt sich und könnte 2025 ein Volumen von rund 18 Milliarden Euro erreichen – ein historischer Marktanteil von 6,9 Prozent. Dennoch bleibe der Fachhandel unter Druck, da Eigenmarken von Supermärkten und Discountern stärker wachsen. Im europäischen Vergleich gebe es weiter viel Luft nach oben: Während Deutsche im Schnitt 191 Euro pro Jahr für Bio ausgeben, liegen Österreicher bei 292 Euro, Schweizer sogar darüber.
Von der Wertschöpfungs- zur Wertschätzungskette
Mutter beendete seinen Vortrag damit, eine funktionierende Wertschöpfungskette mit einem Uhrwerk zu vergleichen: Greife ein Zahnrad nicht mehr, stehe das gesamte System still. Die klassische Wertschöpfungskette sollte eine echte Wertschätzungskette sein, bei der alle Beteiligten – landwirtschaftliche Betriebe, verarbeitende Betriebe, Handel und Konsumenten – die Leistungen der anderen anerkennen.




































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