Seit drei Jahrzehnten treffen sich Praktiker, Wissenschaftler und Berater zur internationalen Bioland-Geflügeltagung. Die Veranstaltung wurde zu einem zentralen Forum der ökologischen Geflügelbranche. Auf der diesjährigen Tagung, die im Februar in Schleswig-Holstein stattfand, blickte Rudolf Joost-Meyer zu Bakum vom Meyerhof zu Bakum zurück – und richtete zugleich den Blick nach vorn. Seine Bilanz zeigt deutliche Fortschritte, aber auch ungelöste Probleme.
Ein Netzwerk für Wissen und Praxis
Die ersten Bioland-Geflügeltagungen fanden Mitte der 1990er Jahre in Hessen rund um Witzenhausen und in Schleswig-Holstein statt. Schon damals war das Interesse so groß, dass die Veranstaltungen schnell an ihre Grenzen stießen. Die Organisatoren entschieden sich deshalb für ein größeres Konzept. Die Idee: eine mehrtägige internationale Tagung, die Landwirte, Berater und Forscher zusammenbringt. Ziel war es, Wissen aus Praxis und Forschung zu bündeln.
„Der Erfolg lag darin, dass wir ein Netzwerk aufgebaut haben – aus Betrieben, Forschungseinrichtungen und Verbänden“, sagt Rudolf Joost-Meyer zu Bakum. Dieses Netzwerk habe viele Entwicklungen in der ökologischen Geflügelhaltung angestoßen. Die Tagung wanderte später durch zahlreiche Bundesländer und wurde zum Vorbild für weitere Fachveranstaltungen – etwa zu Schweinen, Bienen, Schafen, Ziegen oder Kartoffeln.
Unterschiedliche Ausgangslagen in Deutschland
Als die ersten Tagungen stattfanden, unterschieden sich die Haltungsformen der Bioland-Geflügelbetriebe stark. In Hessen hielten Betriebe ihre Hennen meist in Bodenhaltung mit Kotgrube – ohne Grünauslauf. In Norddeutschland dagegen entstanden bereits Freilandbetriebe mit bis zu zehn Quadratmetern Auslauf pro Henne und Wintergärten. In Bayern arbeiteten erste Betriebe mit Volieren und vier Quadratmetern Auslauf.
Heute zeigt sich ein anderes Bild. In Norddeutschland dominieren große EU-Bio-Betriebe mit Stallgrößen um 15.000 Tiere. Viele dieser Betriebe arbeiten ohne eigenen Ackerbau. In Nordostdeutschland kombinieren Betriebe die Geflügelhaltung häufiger mit Ackerbau.
Im Süden und Westen dagegen prägen kleinere Ställe die Struktur, häufig in verbrauchernahen Regionen. Dort spielt die Bioland-Erzeugung eine größere Rolle.
Bundesweit haben sich außerdem zahlreiche Mobilställe etabliert – oft mit knapper Wirtschaftlichkeit.
Preisbewusste Kunden verändern den Markt
Der Markt hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verschoben. „Die Kunden achten stärker auf den Preis und orientieren sich am mittleren Segment“, berichtet Joost-Meyer zu Bakum. Das setze besonders Mobilstallbetriebe, Demeter-Erzeuger und Konzepte mit Bruderhahnaufzucht unter Druck.
Dauerbrenner der Branche
Federpicken: Ursachen sind bekannt – gelöst ist das Problem nicht
Federpicken und Kannibalismus gehören seit Beginn zu den zentralen Themen der Tagung. Schon 1996 formulierte die Wissenschaftlerin Christiane Keppler eine Hypothese: Federpicken sei ein fehlgeleitetes Verhalten der Futteraufnahme, das Küken in den ersten Lebenswochen erlernen. Heute gilt diese Annahme als bestätigt. Daraus leiten sich konkrete Maßnahmen ab. Küken sollen so aufwachsen, dass sie das Verhalten gar nicht erst entwickeln. Gleichzeitig müssen Halter Störungen im Bestand vermeiden, damit das Problem nicht erneut auftritt.
Auch die Zucht hat Fortschritte gebracht. Viele Linien gelten heute als weniger aggressiv.
Wichtig erwies sich außerdem die Fütterung. „Mit der Umstellung auf 100 Prozent Biofutter haben wir gelernt, wie entscheidend der Faseranteil im Futter ist“, sagt Joost-Meyer zu Bakum. Methionin spiele dagegen eine deutlich geringere Rolle als früher angenommen.
Trotz besserer Kenntnisse bleibt das Problem bestehen. „Die Situation ist deutlich besser als 1996, aber wirklich gut ist sie noch nicht“, räumt der Landwirt ein.




































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