Insektenprotein für Landwirte: Forschung zeigt neue Chancen

26 Mai 2025
Agribusiness
Insektengruppen

Trotz wirtschaftlicher und regulatorischer Rückschläge zeigt die Insektenbranche großes Potenzial für Landwirtschaft und Ernährungssysteme – insbesondere durch neue Forschungsergebnisse zur Nutzung von Larven als Futtermittel, Dünger und Schadstoffabbauhelfer.

Trotz jüngster Rückschläge in der Insektenbranche herrscht weiterhin Optimismus. Auf dem ersten Insects Plus-Kongress in Cloppenburg wurden aktuelle Forschungsergebnisse präsentiert, die laut Veranstalter vielversprechende Perspektiven aufzeigen. Über 350 Teilnehmer aus mehr als 30 Ländern – darunter Wissenschaftler, Politiker und Industrievertreter – diskutierten über die Produktion und Verarbeitung von Insekten, vor allem der Larve der Schwarzen Soldatenfliege, die in der EU als Futtermittel zugelassen ist.

Dr. Moritz Gold von der ETH Zürich, der auch für das Unternehmen Reploid tätig ist, betonte den zunehmenden Zusammenhalt innerhalb der Branche. Während sich die Akteure früher wenig austauschten, sei mittlerweile ein starkes Bewusstsein für die Notwendigkeit gemeinsamer Strategien entstanden. Laut Gold sei dieser Wandel entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Branche.

Gleichzeitig gab es in der Vergangenheit auch negative Schlagzeilen: So geriet etwa die dänische Enorm Biofactory, eine der größten Insektenfarmen Skandinaviens, in finanzielle Schwierigkeiten. Als Ursache wurde unter anderem eine mangelnde Nachfrage genannt, was darauf hindeutet, dass der erste große Hype um Insekten als Proteinquelle abgeklungen ist.

Forschung zeigt: Insekten können Schadstoffe abbauen

Dabei bietet die Insektenproduktion laut den in Cloppenburg vorgestellten Forschungsergebnissen erhebliche Vorteile. Die Larven der Schwarzen Soldatenfliege können nicht nur Reststoffe aus der Lebens- und Futtermittelindustrie in wertvolle Proteine, Fette und Dünger umwandeln, sondern auch Schadstoffe abbauen. In einem Versuch von Moritz Gold wurden Larven mit mykotoxinbelastetem Getreide gefüttert – am Ende waren kaum noch Rückstände messbar. Ähnliche Ergebnisse wurden auch bei Antibiotikarückständen festgestellt.

NPK-Dünger aus Insekten: Chancen für Ackerbau im Klimawandel

Ein zusätzlicher Vorteil ergibt sich aus dem sogenannten Insektenfraß, den Ausscheidungen der Larven. Diese wirken nicht nur als NPK-Dünger, sondern fördern laut ersten Laborversuchen auch das Pflanzenwachstum unter Trockenstress – ein potenzieller Nutzen für die Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels.

Produktion auf dem Hof? Dezentrale Insektenfarmen als Ausweg

Allerdings bleibt die Nachfrage hinter den Erwartungen zurück. Ein wesentlicher Grund dafür sind die hohen Produktionskosten. Kleinere, dezentrale Anlagen auf landwirtschaftlichen Betrieben könnten laut Einschätzung der Teilnehmer helfen, wirtschaftlicher zu produzieren. Gleichzeitig besteht laut Veranstalter Informationsbedarf: Die positiven Effekte der Insektennutzung für Tierfütterung und Ackerbau müssten stärker erforscht und kommuniziert werden. Auch rechtliche Hürden – etwa die Einschränkungen bei der Verwendung von Reststoffen als Insektenfutter – behindern das Wachstum der Branche. Da Insekten als Nutztiere gelten, dürfen sie in der EU bisher nur mit zugelassenen Futtermitteln gefüttert werden.

Neben Insekten stand beim Kongress auch das Thema pflanzliche Proteine im Fokus. Die DIL Engineering GmbH stellte ihre Fibre Flow Technology vor, mit der sich aus Gemüse, Insekten und Algen fleischähnliche Texturen herstellen lassen. Maschinenbauerin Birgit Niemeyer berichtete von wachsendem Interesse aus Europa, Asien und Südamerika. Laut Niemeyer verändern sich die Essgewohnheiten weltweit – Gesundheit und alternative Proteine gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Geflügelnews
Bild: Geflügelnews
Quelle: Land und Forst / Leonie Jost

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