Warum dieser Landwirt jetzt auf Masthähnchen setzt statt auf Sauen
Der niederländische Landwirt Marc Rensen erweitert seinen Geflügelbetrieb deutlich. Für ihn sprechen vor allem bessere Erlöse und ein geringerer Arbeitsaufwand für Masthähnchen. Gleichzeitig hält der Familienbetrieb weiter an der Sauenhaltung fest – und setzt dabei auf Tierwohlprogramme und flexible Vermarktung.
Neuer Stall erweitert Geflügelhaltung deutlich
Im niederländischen Raalte hat Familie Rensen einen neuen Masthähnchenstall in Betrieb genommen. Der Stall liegt rund 200 Meter vom Hof entfernt in einem landwirtschaftlichen Entwicklungsgebiet. Mit dem Neubau wächst der Bestand von 18.000 auf 43.000 Tiere im 1-Stern-Programm von Beter Leven.
Neben der Geflügelhaltung bewirtschaften Marc und Ans Rensen weiterhin einen Sauenbetrieb mit 520 Tieren aus eigener Nachzucht.
Ursprünglich plante die Familie an dem Standort einen Mastschweinestall. Wegen der schwierigen Lage in der Schweinehaltung änderte Rensen die Genehmigung jedoch zugunsten eines Geflügelstalls.
Der schöne, neue Stall steht an einem separaten Standort, 200 Meter vom Heimatstandort entfernt.
„Masthähnchen bringen mehr Geld und weniger Arbeit“
Rensen führt den Familienbetrieb seit Anfang der 2000er-Jahre. Er hält seitdem sowohl Sauen als auch Masthähnchen. Für die jüngste Investition gab jedoch die Wirtschaftlichkeit den Ausschlag.
Nach seinen Erfahrungen erzielen Masthähnchen im Durchschnitt höhere Erlöse als Sauen. Gleichzeitig verursachen sie deutlich weniger Arbeitsaufwand. Für den Betriebsleiter ergänzen sich beide Produktionszweige deshalb gut.
Geflügelmarkt reagiert schneller als Schweinemarkt
Ein weiterer Vorteil liegt für Rensen in den kurzen Mastdurchgängen. Seit der Umstellung auf das Tierwohlprogramm setzt er alle neun Wochen neue Küken ein. Früher erfolgte ein neuer Durchgang bereits nach sieben Wochen.
Nach seiner Einschätzung reagiert der Geflügelmarkt schneller auf wirtschaftliche Schwankungen als die Schweinehaltung. Sinkt die Nachfrage, lassen freie Mäster ihre Ställe vorübergehend leer oder setzen einen Durchgang aus. Dadurch stabilisiert sich der Markt schneller. Überschüssige Bruteier lassen sich zudem leichter exportieren als Ferkel.
Umstieg auf Tierwohlprogramm
2023 stellte Rensen seinen Betrieb auf das 1-Stern-Programm von Beter Leven um. Zuvor arbeitete er nach dem Enrichment-Konzept von McDonald's.
Das Tierwohlprogramm verlangt unter anderem geringere Besatzdichten, langsam wachsende Rassen und überdachte Ausläufe. Bereits zuvor erfüllte der Betrieb Anforderungen wie Tageslicht, Sitzstangen und Beschäftigungsmaterial.
An ihrem Heimatstandort halten sie 18.000 Beter-Leven-Masthähnchen und 520 Sauen.
Digitale Stalltechnik spart Zeit
Nach Angaben des Betriebsleiters benötigen die Masthähnchen täglich nur zwei bis zweieinhalb Stunden Arbeit. Kontrollgänge und Stallüberwachung laufen weitgehend digital. Alle Daten der Geflügel- und Schweineställe kann Rensen per Smartphone abrufen.
Zusätzlich spart die neue Haltungsform Zeit beim Ausstallen. Früher entnahm der Betrieb einen Teil der Tiere bereits während der Mast. Heute leert Rensen die Ställe in einem Arbeitsgang.
Sauenhaltung bleibt arbeitsintensiv
Deutlich höher bleibt der Aufwand im Sauenstall. Der Betrieb arbeitet mit einem Einwochensystem und betreut jede Woche 25 bis 27 Würfe.
Rensen hält diese Organisation für die praktikabelste Lösung in Kombination mit der Geflügelhaltung. Größere Abferkelrhythmen würden zu starken Arbeitsspitzen führen, vor allem wenn gleichzeitig Masthähnchen ausgeliefert werden müssen.
Vergangenes Jahr setzte der Betrieb 35 Ferkel pro Sau ab. Zum Einsatz kommen Topigs TN70-Sauen und ein Tempo-Endeber.
Neuer Stall schafft Spielraum für Wachstum
Der neue Stall eignet sich sowohl für Tiere im Tierwohlprogramm als auch für konventionelle Mast. Genehmigt sind bis zu 55.000 konventionelle Masthähnchen. Dadurch bleibt der Betrieb flexibel, falls sich der Markt verändert.
Am neuen Standort sieht Rensen zudem weiteres Wachstumspotenzial. Das Baufeld ist noch nicht ausgeschöpft. Damit hält sich die Familie auch Perspektiven für die nächste Generation offen.
Geflügelnews
Bild:
Tom Schotman
Quelle:
Tom Schotman, Bram Teeuwsen
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