Auslaufmodell Haustür-Service: Der Eiermann sagt Tschüss

14 Februar 2026
Deutschland
eiermann

Auf dem Betrieb von Linda und Werner Grafe aus Süstedt gab es immer Legehennen. Von Anfang an setzten sie auf Direktvermarktung und lieferten Verbrauchern die Eier bis an die Haustür. Jetzt haben sie aus Altersgründen ihre Legehennen-Haltung aufgegeben und damit auch die „Eiertouren“. Sie wurden zum Abschied mit Fanpost überschüttet.

Auf dem Wohnzimmertisch stapelt sich die Fanpost: Selbst gebastelte Karten, Gedichte, mehrseitige Briefe mit wertschätzenden und dankbaren Worten, aber auch Präsentkörbe und andere Geschenke, für die ganze Nachbarschaften zusammengelegt haben. Das alles, weil der „Eiermann“ Tschüss gesagt hat.

Zuverlässige Lieferung über viele Jahre

Der „Eiermann“, das ist Werner Grafe. Er und seine Frau Linda haben jetzt aus Altersgründen ihre Legehennen-Haltung in Süstedt im niedersächsischen Landkreis Diepholz aufgegeben. Von Anfang an setzten sie auf Direktvermarktung und lieferten Verbrauchern die Eier mit ihrem markanten grünen Lieferwagen bis an die Haustür – und das immer zur gewohnten Zeit in der gewünschten Menge. Ein Service, der ankam.

„Der grüne Bus wird uns fehlen“, schrieb eine Kundin und dankte für die jahrzehntelange, pünktliche Lieferung. Wenn Eierpappen mit Kleingeld auf der Mauer standen, dann nahm Werner Grafe die Münzen heraus und füllte die Pappe mit Eiern. Auf seinen Touren im Umfeld von Bremen war er der „Eiermann“.

Direktvermarktung ist zeitintensiv

Mit 71 Jahren aber wollte er nun aus Altersgründen aufhören. Zusammen mit seiner Frau Linda (65) will er jetzt auch mal länger als nur ein paar Tage pro Jahr verreisen. Landwirtschaftlich aktiv bleibt er nach wie vor: „Den Ackerbau mache ich weiter.“ Die Jahre aber, in denen er und seine Frau 60 bis 70 Stunden pro Woche arbeiteten, sollen jetzt vorbei sein.

Für Werner Grafe war der Einstieg in den elterlichen Betrieb immer gesetzt. Seit 1960 lebten hier schon Legehennen. Schon als 14-Jähriger hatte Werner Grafe mitgearbeitet: „Ich hatte immer Spaß an Hühnern, Geflügel liegt mir einfach“, sagt er. Zunächst konzentrierte sich die Familie auf die Boden- und dann auf die Käfighaltung. Werner Grafe baute dann jedoch einen neuen Stall mit – zu der Zeit ganz unüblich - einem Scharraum draußen, der ein Drittel der Stallfläche ausmachte.

Die Eier waren gefragt. Die Familie vermarktete alle Eier stets selbst. Rund 50.000 Stück gingen im Schnitt pro Woche an Gastronomie-Betriebe, Bäckereien und Wochenmarkt-Stände. Und eben auch an die vielen Direktkunden auf den Touren. 

Haltung in mehreren Altergruppen

Ihre rund 10.000 Legehennen hielt die Familie in unterschiedlichen Altersgruppen, um immer weiße und braune Eier in den Größen S, M, L und XL vorhalten zu können. „So konnte ich jede Klientel immer bedienen.“ Im Sommer wiederum ließen Grafes immer eine Gruppe leer. So wurde die Produktion während der Haupt-Urlaubszeit etwas heruntergefahren.

Werner Grafe wusste stets genau, an welchem Wochentag er um welche Uhrzeit an welcher Stelle sein sollte, Ort und Zeit hatte er gedanklich exakt auf dem Zettel. Im Hintergrund hielt seine Frau Linda ihm stets den Rücken frei – sie managte das Büro, machte den Einkauf des Verpackungsmaterials und arbeitete im Stall mit. Vor 21 oder 22 Uhr endeten die Abende in der Familie Grafe nur selten.

Ställe sind inzwischen verpachtet

Das hat sich jetzt geändert: Die beiden Ställe werden nicht mehr von Grafes betrieben. Sie sind inzwischen verpachtet. Was jetzt für Linda und Werner Grafe im Fokus steht, ist vor allem die neu gewonnene Freizeit. Und die immer noch ein Stück weit ungläubige Freude darüber, wie gut die Arbeit des Eiermanns ankam. Angesichts so viel Wertschätzung sind die Beiden immer noch ganz baff. Und auch der grüne Bus kann nach 450.000 km nun in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Denn, so haben Grafes es auf einen Flyer geschrieben: „Der Eiermann sagt Tschüss.“

Regine Suling-Williges
Bild: Grafe

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