Das Projekt Wurm-Frei: Monitoring soll Wurmbelastung in Legehennenbetrieben beherrschbar machen
02 März 2026
Stallmanagement
Wurmbefall in Legehennenherden tritt nicht vereinzelt auf, sondern stellt ein strukturelles Risiko dar. Auf der 30. Internationalen Bioland-Geflügelfachtagung 2026 stellte Dominik Jacobs von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen das Projekt „Wurm-Frei“ vor. Ziel ist es, die Helminthenbelastung systematisch zu erfassen und belastbare Entscheidungsgrundlagen für Praxisbetriebe zu schaffen.
Dominik Jacobs von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wies auf der 30. Internationalen Bioland-Geflügelfachtagung 2026 darauf hin, dass Wurmbefall in der Legehennenhaltung kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Risiko ist und stellte das Projekt Wurm-Frei vor, das Helminthenmonitoring in der Legehennenhaltung mit Freilandzugang durchführt.
„Würmer sind ein Tiergesundheitsproblem – und zugleich ein wirtschaftliches Problem.“
Der Spulwurm (Ascaridia galli) kommt in nahezu allen Haltungsformen vor und die Problematik ist vielschichtig. Würmer besiedeln den Darm, entziehen Nährstoffe und schwächen so die Tiere. Die Folgen reichen von Leistungseinbußen bis zu manifesten Tiergesundheitsproblemen. In Legebetrieben verschärft sich die Lage zusätzlich: Wird chemisch behandelt, gelten Wartezeiten – Eier dürfen nicht vermarktet werden. Jeder Eingriff ist damit auch eine ökonomische Entscheidung und zugleich steigt mit wiederholter Anwendung das Risiko von Resistenzen.
Widerstandsfähige Eier, geschlossener Kreislauf
Die biologische Strategie des Spulwurms erklärt seine Verbreitung. Die Tiere nehmen infektiöse Eier über den Schnabel auf, etwa aus kontaminiertem Boden oder über Zwischenwirte wie Regenwürmer. Im Darm reifen die Larven zu bis zu zwölf Zentimeter langen Adultwürmern heran.
"Die Wurmeier bleiben lange im Boden – und werden immer wieder aufgenommen."
Mit dem Kot gelangen neue Eier in Stall und Auslauf. Dort können sie lange überdauern – insbesondere in feuchten Bereichen. Dieser Kreislauf aus Aufnahme, Entwicklung und erneuter Ausscheidung führt dazu, dass sich Bestände schleichend infizieren. Sichtbar wird das Problem häufig erst spät; in stark betroffenen Herden sind Würmer mit bloßem Auge im Kot erkennbar. Besonders sensibel ist die Phase, in der Würmer aus dem Darm in den Legedarm übertreten. In Einzelfällen können sie im Ei eingeschlossen werden – ein hygienisches wie vermarktungstechnisches Risiko.
Wirksamkeit mit Nebenwirkungen
Als Standard gilt eine chemische Entwurmung, die in der Praxis hohe Wirksamkeit zeigt. Auch die bislang erhobenen Projektdaten bestätigen einen deutlichen Rückgang der Eizahlen im Kot nach der Behandlung. Doch das Grundproblem bleibt: Persistente Eier im Auslauf führen häufig zu Reinfektionen. Wiederholte Anwendungen sind die Folge – mit entsprechenden Wartezeiten und Resistenzdruck. Pflanzliche Präparate werden insbesondere im ökologischen Landbau als Alternative diskutiert. Ihre Wirkung fällt nach bisherigen Beobachtungen jedoch heterogen und insgesamt geringer aus. Teilweise ließen sich keine stabilen Effekte nachweisen. Die Datenbasis ist hier noch begrenzt.
Management als begrenzte Stellschraube
Neben medikamentösen Strategien spielen Managementmaßnahmen eine zentrale Rolle. Regelmäßiger Einstreuwechsel, gründliche Reinigung in Serviceperioden und eine strukturierte Auslaufgestaltung können den Infektionsdruck senken. Feuchte, stark frequentierte Bereiche gelten als besonders kritisch. In Mobilstallsystemen kann die Standortverlagerung zur Entlastung beitragen. Gleichwohl zeigen Beobachtungen, dass Wurmbefall auch in reinen Bodenhaltungen vorkommt. Ein einzelnes Instrument greift zu kurz – gefragt ist ein integrierter Ansatz.
Projekt Wurm-Frei: Daten für bessere Entscheidungen
Das Projekt „Wurm-Frei“ strebt eine systematische Erfassung der Wurmbelastung in unterschiedlichen Haltungsformen und die Entwicklung einer webbasierten Anwendung zur betrieblichen Risikoabschätzung an.
"Wir wollen wissen: Wo stehen wir mit der Wurmbelastung – und welche Maßnahmen wirken wirklich?"
Untersucht werden 50 Herden in ökologischen und konventionellen Systemen, sowohl in Fest- als auch in Mobilställen. Mehrere Betriebsbesuche strukturieren die Datenerhebung: Erfasst werden Managementdaten, Kot-Sammelproben (ausgewertet mittels McMaster-Methode), Bodenproben sowie ergänzend Sektionen von Falltieren zur Validierung.
Vorläufige Ergebnisse: Der Spulwurm ist eindeutig der Hauptgegner
Erste Ergebnisse zeigen ein erwartbares Muster: geringe Belastung zu Beginn der Legeperiode, ein Anstieg bis zur Mitte, ein Rückgang nach Entwurmung und teils erneute Zunahme gegen Ende. Der Spulwurm dominiert das Artenspektrum deutlich. Noch offen sind belastbare Schwellenwerte für Behandlungsentscheidungen sowie die Frage, wie stark Boden- und Kotbefunde miteinander korrelieren. Das Projekt befindet sich in der zweiten Hälfte der Laufzeit. Ziel bleibt eine fundierte Entscheidungsgrundlage, die Tiergesundheit, Wirtschaftlichkeit und Resistenzvermeidung in Einklang bringt.
Magdalena Esterer
Bild:
Kristoffer Finn
Quelle:
Bioland
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